Neuartige Gasturbine aus Bayern

Im Kraftwerksbetrieb getestet, für gut befunden und zudem noch einen Weltrekord aufgestellt: die von Siemens im Bayrischen Irsching entwickelte, luftgekühlte Gasturbine. Nein, eigentlich ist sie eine Kombination aus Gas- un Dampfturbine, die zu einem Wirkungsgrad von über 60 Prozent führt – Weltrekord.

Zu Recht Stolz auf sich sein können die Irschinger Siemens-Ingenieure, denn mit ihrer gigantischen Turbine haben sie den ehemaligen Rekordhalter, das Kraftwerk Mainz-Wiesbaden, auf den zweiten Platz gedrängt. Im Volllastbetrieb hat die Gasturbine der Bayern einen um 2% höheren Wirkungsgrad, die eingesetzte Energiemenge, die also tatsächlich in Strom umgewandelt wird. Möglich macht das ein gigantische Kolloss – 444 Tonnen schwer, 13 Meter lang und 5 Meter hoch. Die prozentuale Steigerung des Wirkungsgrades klingt zwar gering, doch durch sie wird wesentlich weniger Brennstoff benötigt, was alleine im Vergleich zum Wiesbadener Kraftwerk 40.000 Tonnen Treibhausgas einspart.

Die Funktion dieser Gasturbine ist denkbar einfach, funktioniert sie doch annähernd so, wie das Triebwerk eines Flugzeuges. Innerhalb einer Brennkammer wird mit Hilfe eines Verdichters ein heißer Gastrahl erzeugt. Durch überdimensionale Schaufelräder treibt der heiße Strahl die Turbinenwelle an und erzeugt durch diese Drehbewegung Strom, so viel Strom, dass einer dieser Kollosse ganz Hamburg mit Strom versorgen könnte. Die Abgase der Dampfturbine werden ebenfalls zur Erhöhung des Wirkungsgrades eingesetzt. Diese sind mit 600 Grad extrem heiß und können innerhalb eines Wärmeaustauschers Dampf erzeugen, erst duch diese Kombination konnte der Wirkungsgrad bis zum Weltrekord gesteigert werden.

Die lange Testphase der Turbine ist jetzt beendet, das Ergebnis mehr als zufriedenstellend. Nun wird der Gigant in seine Einzelteile zerlegt und noch einmal eingehend geprüft, schließlich zerren gewaltige Kräfte an den einzelnen Bauteilen, müssen hohe Temperaturen ausgehalten und großen Fliehkräften getrotzt werden. Wird auch diese Prüfung mit Bravour absolviert, geht die Turbine im Jahr 2011 in den Regelbetrieb und erzeugt umweltfreundlichen Strom.

Judith Schomaker

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