Model Home 2020: Das Experiment von Velux

Sunlighthouse

Michael Walter, der Geschäftsführer von „Velux Österreich, im Gespräch mit dem CleanEnergy Project. Velux ist Marktführer im Bereich Dachflächenfenster und bietet unter anderem Außenrollläden, Sonnenschutzprodukte und Solarkollektoren an. Unsere Gesprächsthemen: das Projekt „Model Home 2020„, der österreichische Beitrag „Sunlighthouse“ und die Potentiale nachhaltiger Bauweisen.

Velux startet sechs unterschiedliche Experimente in fünf europäischen Ländern. Diese sollen aktiv zur Entwicklung nachhaltiger Gebäude beitragen. Wir haben uns nach den Chancen des Mammutprojektes Model Home 2020 erkundigt.

Herr Walter, Model Home 2020 ist auf den ersten Blick nicht einfach zu überschauen. Können Sie uns einen groben Überblick geben?

Errichtung und Betrieb von Gebäuden spielen eine bedeutende Rolle beim Klimaschutz. Laut EU-Studien verursachen Gebäude 40 Prozent des Energieverbrauchs. Das bedeutet, dass auch ein Großteil der CO2-Emissionen auf das Konto von Gebäuden geht.

Als führendes Industrieunternehmen bekennt sich Velux zu seiner Verantwortung und richtet sein Engagement umfassend aus. Konzernintern hat sich Velux zum Ziel gesetzt, den betriebsbedingten CO2-Ausstoß, ausgehend vom Niveau von 2007, bis 2012 um 20 Prozent und bis 2020 um 50 Prozent zu reduzieren. Dazu wird Velux in den kommenden Jahren über 50 Millionen Euro investieren.

Gleichzeitig setzt Velux mit Model Home 2020 eine starke Initiative für ressourcenschonendes Bauen. Dazu errichten wir sechs Gebäude in fünf Ländern Europas. Jedes dieser Gebäude basiert auf einer gesamtheitlichen Sicht nachhaltigen Bauens und vereinigt die Aspekte optimiertes Innenraumklima mit viel frischer Luft und Tageslicht, Energieeffizienz und Umweltschonung durch CO2-neutrale Bauweise bei gleichzeitig höchstem Wohnkomfort. Eines dieser Häuser, ein Einfamilienhaus, wird in Österreich errichtet, in Pressbaum nahe Wien.

Was möchte Velux mit diesem Experiment beweisen?

Wir zeigen damit, dass es heute schon möglich ist, CO2-neutral zu bauen. Die Materialien stehen zur Verfügung. Das Know-how gibt es auch. Worauf warten wir also? Die Klimakonferenz in Kopenhagen hat uns mehr als deutlich gezeigt, dass wir keine Zeit mehr haben.

Velux Österreich beteiligt sich mit dem Sunlighthouse an diesem Projekt. Welche Besonderheiten weist das Haus auf?

Österreich ist weltweit bekannt für seine Passivhausarchitektur. Wir gehen mit dem Sunlighthouse noch einen Schritt weiter und sagen: Energieeffizienz ist wichtig; genauso wichtig wie viel Tageslicht, frische Luft und ein behagliches Innenraumklima. Das Sunlighthouse optimiert all diese Bereiche und verbindet sie mit CO2-Neutralität. Es wird mehr CO2 einsparen, als es durch seine Errichtung und seinen Betrieb verursacht.

Eine weitere Besonderheit ist, dass wir für dieses Bauvorhaben bewusst ein schwierig zu bebauendes Grundstück ausgesucht haben. Damit zeigen wir, dass es überall möglich ist, CO2-neutral zu bauen und nicht nur auf einem sonnigen Südhang, den es aufgrund der Topographie Österreichs nun einmal nicht überall gibt.

Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Haus?

Villum Kann Rasmussen, der Gründer von Velux, hat gesagt: „Ein Experiment ist besser als tausend Expertenmeinungen.“ Es geht darum, Dinge, die man in der Theorie weiß, auch in der Praxis umzusetzen. Unser Ziel ist es, ein Einfamilienhaus nachweislich CO2-neutral zu bauen, es zu evaluieren und daraus Schlüsse für die weitere Entwicklung zu ziehen, die wir der Bauwirtschaft zur Verfügung stellen. Deshalb arbeiten wir auch sehr eng mit der Donau-Universität Krems und dem Österreichischen Institut für Baubiologie und Bauökologie zusammen.

Wie schätzen sie den Ausgang dieses Experiments ein? Was werden wir daraus lernen?

Ich bin zuversichtlich, dass das Experiment gelingt. Das Sunlighthouse wird beweisen, dass wir wunderschön und behaglich wohnen können, ohne damit die Umwelt zu belasten.

Herr Walter, herzlichen Dank für das Gespräch.

Joachim Kern

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