Leben ohne Stromrechnung: Das Effizienzhaus Plus

Effizienzhaus Plus

In Berlin kann seit neuestem ein Haus begutachtet werden, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht, eine Art bewohnbarer Stromerzeuger. Das Haus, das mit Sonnenkollektoren ausgestattet ist, verfügt unter anderem über eine Schnellladestation zum Aufladen eines Elektroautos und eines E-Bikes. Außerdem ist es an das Stromnetz angeschlossen, um überschüssigen Strom einzuspeisen.

Das Gebäude entstand im Rahmen eines Wettbewerbs, den das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Ende 2010 durchführte. Das architektonisch extravagante Einfamilienhaus mit 136 Quadratmetern Wohnfläche, ausgestattet mit einer Glasfassade, durch die man wie durch ein Schaufenster ins Innere des Hauses blicken kann, wurde als Informations- und Anschauungsobjekt sowie Forschungs- und Modellvorhaben im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau konzipiert. Der Entwurf wurde in Zusammenarbeit des Instituts für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart mit dem Architekten Werner Sobek entwickelt und aus 16 Wettbewerbsbeiträgen prämiert. Ende 2011 wurde der Bau fertiggestellt und kann nun besichtigt werden.

Das Besondere am Effizienzhaus Plus ist die energetische Vernetzung der Bereiche Wohnen und Mobilität. Das Gebäude produziert so viel Energie wie für die Konditionierung der Räume, der Warmwasserbereitstellung, den Betrieb elektrischer Geräte und der Elektrofahrzeuge benötigt wird. Mehrere deutsche Autohersteller beteiligen sich am Projekt, indem sie Fahrzeuge bereitstellen.

Das zweigeschossige, futuristisch anmutende Gebäude ist mit einer hoch gedämmten Hülle ausgestattet, wie sie etwa bei KfW-40-Häusern oder Passivhäusern verwendet wird. Die Energieeffizienz wird durch die kompakte Bauweise und die Nord-Süd-Ausrichtung begünstigt. In gedämmten Holzaußenwänden wird kontinuierlich Temperatur, Feuchte und Wärmestrom gemessen. Photovoltaikmodule auf dem Dach und an der Fassade erzeugen Strom, der in einer 40-Kilowattstunden-Lithium-Ionen-Batterie zwischengespeichert wird und damit auch nachts zur Verfügung steht. Mittels Wettervorhersage findet zudem ein spezielles Energiemanagement statt. Überschüssige Energie kann in das Stromnetz eingespeist werden. Das gesamte Gebäude wird nach Abschluss der Testphase, die auf drei Jahre vorgesehen ist, rückstandsfrei zurückgebaut, um entweder anderswo neu aufgebaut oder recycelt zu werden.

Wer immer schon wissen wollte, wie es sich so ganz ohne Stromrechnung (und ohne Miete) lebt, der kann sich für das Modellprojekt bewerben. Derzeit wird eine vier-köpfige Familie gesucht, die ab März für eine 15-monatige Testphase in das „Energieüberschusshaus“ gegenüber der Technischen Universität in der Fasanenstraße 87 in Berlin einzieht. Bis dahin kann das vollständig eingerichtete und funktionsfähige Effizienzhaus von Dienstag bis Freitag täglich zwischen 11 und 18 Uhr besichtigt werden.

Josephin Lehnert

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