Krankenhaus mit luftreinigender Fassade

Krankenhaus mit luftreinigender Fassade

In Mexiko-Stadt sagt man der Luftverschmutzung den Kampf an. Ein Krankenhaus – genauer gesagt dessen Fassade – neutralisiert Schadstoffe in der Luft. Damit sorgt das Krankenhaus gleich zweifach für die Genesung seiner Patienten.

Mexiko-Stadt leidet wie kein anderer Ballungsraum unter Luftverschmutzung. Einer schweren Decke gleich liegt der Smog über der 20-Millionen-Einwohner-Metropole, versperrt die freie Sicht auf die umliegenden Berge und macht das Atmen schwer. Lange währt der Kampf gegen das Umweltproblem und viele Verbesserungsvorschläge wurden vorgebracht. Im Manuel Gea González Hospital geht man nun von der Ursachen- zur Folgenbekämpfung über. Die Berliner Firma Elegant Embellishments hat die Fassade des Krankenhauses mit Smog-neutralisierenden Modulen ausgestattet.

Nach Schätzungen von Geschäftsführer Daniel Schwaag kann die Fassade so viel Smog reduzieren, wie täglich 1.000 Autos ausstoßen. Die Technologie könne Einwohner auch in anderen Ballungszentren mit hoher Schadstoffkonzentration direkt vor Luftverschmutzung schützen. Der Großraum Mexiko-Stadt ist mit 20 Millionen Einwohnern die drittgrößte Metropolregion der Welt, zugleich leider auch der größte Smog-Moloch. Die Luftbelastung hat in den letzten Jahrzehnten gesundheits- und lebensbedrohliche Ausmaße angenommen. Im englischsprachigen Raum trägt die Stadt bereits den wenig ruhmreichen Titel „Mexsicko City“. Inzwischen hat die Regierung das Problem immerhin anerkannt und geht mit wachsendem Erfolg dagegen vor.

Die Module an der Fassade des Manuel Gea González Krankenhauses sind mit einer superdünnen Titandioxidschicht ummantelt. Sie nehmen Solarenergie in Form von Photonen auf und geben freie Elektronen und sogenannte Elektronenlöcher ab. Diese neutralisieren die Schadstoffe in der Luft. Die Technologie ist bereits bekannt. Es bedarf lediglich einer geringen Menge UV-Licht und Feuchtigkeit, um Luftschadstoffe in harmlose Mengen Kohlendioxid und Wasser umzuwandeln.

Schwaag betont, dass der technologische Ansatz ein pragmatischer sei. Ziel sei nicht die Vermeidung von Luftverschmutzung, sondern deren Minderung. Dafür brauche es allerdings das Eingeständnis, dass es eine massive Luftverschmutzung gibt. Nicht immer sei dieses Bewusstsein bei politischen Institutionen vorhanden.

Das Krankenhaus ist Teil eines drei Jahre währenden und 20 Milliarden US-Dollar schweren Projekts der mexikanischen Regierung zur Verbesserung der gesundheitsbedingten Infrastruktur.

Josephin Lehnert

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