„Smart Home-Konzepte sprechen viele Bereiche an“

Im März 2012 befragte das CleanEnergy Project über 1.000 Personen zu ihrer Meinung über intelligentes Wohnen. Dabei stellte sich ein relativ positives Image der sogenannten „Smart Homes“ heraus. Die Befragten versprechen sich von intelligenten Häusern und Wohnungen vor allem eine bessere Übersicht über den Energieverbrauch sowie eine Verbesserung des Wohnkomforts. Besorgt sind sie jedoch im Hinblick auf hohe Anschaffungskosten und Datensicherheit. Das CleanEnergy Project traf IEEE-SA Vorstandsmitglied Dr. W. Charlton Adams* und seinen Kollegen Jean-Philippe Faure**, um mit ihnen über die Smart Home-Umfrageergebnisse zu sprechen.

Was verstehen Sie unter dem Begriff „Smart Home“?

J.-P. Faure: Smart Home-Konzepte sprechen viele Bereiche an. Bekannt ist sicher die Integration von Energiequellen wie Solar-, Geothermal- oder Pellet- Heizsysteme, die Hausbesitzer unabhängiger von Energielieferanten machen. Eine intelligente Infrastruktur, betrifft aber auch eine mögliche Interaktion mit Energieanbietern sodass der Energieverbrauch und die Kosten gesenkt werden können. Darüber hinaus geht es um das Management von Geräten und Anlagen im Haus. Die Kontrolle der Geräte oder der Beleuchtung kann beispielsweise durch Power Line Kommunikation (PLC) geregelt werden. Diese Technologie nutzt die regulären Stromleitungen im Haus und überträgt über diesen Kanal zusätzliche Informationen und Befehle. Auf diese Weise kann man Computer, Peripheriegeräte, TV- und Stereoanlagen etc. miteinander zu verbinden. Der Adapter in der Steckdose stellt dazu eine Ethernetverbindung zum bestehenden Stromnetz im Haus her. So kann man zum Beispiel HDTV-Videos vom Computer im Arbeitszimmer zum TV im Wohnzimmer übertragen, TV-Sendungen von einem Fernseher auf einen Bildschirm in einem anderen Raum oder Dateien über einen Netzwerkdrucker ausdrucken, der einfach nur an eine Steckdose angesteckt ist.ChuckAdams-APR11

Dr. C. Adams: Ja, es gibt so viele Bereiche, die Smart Home-Konzepte ansprechen. Die Integration des eigenen Transportmittels ist sicher auch für viel Interessant. So können Besitzer von Elektroautos ihre Fahrzeuge zu Hause während eines Stromüberangebots laden, die Energie in der Autobatterie speichern und anschließend damit fahren oder bei Bedarf den Strom wieder ins Netz einspeisen. Auf diese Weise werden aus Kunden von Energieversorgungsunternehmen (EVUs) Partner, deren Zuhause automatisch Informationen über den Energieverbrauch an die EVUs kommuniziert.

Auch im Bereich „intelligente Medizinische Versorgung“ gibt es neue Möglichkeiten. Bei dieser überwachen und kontrollieren medizinische Geräte den Gesundheitszustand alter oder kranker Menschen und geben Rückmeldung an medizinische Einrichtungen.

Ist es möglich, bestehende Häuser/Wohnungen in Smart Homes umzufunktionieren oder müssen diese neu gebaut werden?

J.-P. Faure: Bei Smart Homes geht es um die Integration neuer Infrastrukturen in bereits existierende. Es ist also nicht nötig neue Häuser zu bauen, sondern verschiedene Geräte über das Stromnetz miteinander zu verbinden, an das die Haushalte ohnehin angeschlossen sind.

Sind Smart Homes auch für Privathaushalte erschwinglich?

Dr. C. Adams: Die Kosten zu fassen ist besonders schwierig. Schließlich führen Smart Home-Lösungen zu einer Verbesserung des Lebensstandards, sie ermöglichen eine neue Nutzungsmöglichkeiten von Haushaltsgeräten, erhöhen die Energieeffizienz und sparen so Energiekosten ein. Wie bei allen Technologien wird man am Anfang immer einen gewissen Aufschlag bezahlen. Sobald ein Produkt jedoch den Massenmarkt erreicht, fallen auch die Preise.

Welchen Beitrag können Politik und Industrie leisten, um Anreize für Smart Home-Lösungen zu schaffen?

Dr. C. Adams: Auf der einen Seite kann die Politik natürlich neue Technologien mit Förderprogrammen unterstützen. Wichtig ist jedoch, dass Politik und Industrie gleichzeitig auch die Verbraucher über Innovationen, deren Anwendungsbereiche und Vorteile aufklären, damit die neuen Technologien und Konzepte auch angenommen werden.

Welche Rolle spielt IEEE-SA in diesem Zusammenhang?

Dr. C. Adams: IEEE-SA ist mit über 400.000 Mitglieder eine der größten globalen Standardorganisationen, die Richtlinien und Normen entwickeln, damit Produkte verschiedener Hersteller und Technologien aus aller Welt kompatibel sind. Wichtig sind beispielsweise kompatible Schnittstellen von Geräten. Bezogen auf Smart Homes sorgen Standards zum Beispiel dafür, dass intelligente Stromzähler verschiedener Hersteller kombiniert und mit Energieversorgern verbunden werden können.

In unserer Umfrage wurde neben der Angst vor hohen Anschaffungskosten auch Angst vor Datenmissbrauch und Elektrosmog genannt. Wie sehen Sie diese Gefahr?

Faure Philippe-Jean 1301 Final May 2011J.-P. Faure: Datensicherheit ist ein wichtiger Punkt. Er betrifft viele Bereiche, die Verbraucher heute selbstverständlich nutzen – beispielsweise das Internet in denen Anbieter von Suchmaschinen oder Sozialen Netzwerken Verbraucherdaten erfassen oder die Daten, die Telefonanbieter oder Navigationssysteme von Ihren Kunden nutzen. Es gilt hier neben den höchstmöglichen Sicherheitsstandards, für die sich auch IEEE-SA einsetzt, vor allem die Verbraucher zu informieren und über Risiken und Absicherungsoptionen aufzuklären.

Dr. C. Adams: Für elektromagnetische Strahlung gibt es viele Richtlinien und Standards. Zum einen dienen sie dazu, Menschen und Tiere vor gesundheitsschädlicher Strahlung zu schützen. Zum anderen stellen sie sicher, dass sich elektrische Geräte nicht gegenseitig beeinträchtigen. Über die jeweiligen Höchst- und Richtwerte elektromagnetischer Strahlung wird noch viel debattiert. Es ist wichtig, dass sich der Verbraucher wohl fühlt und keine Angst haben muss, schädlicher Strahlung ausgesetzt zu sein.

Herr Dr. Adams, Herr Faure, vielen Dank für das Gespräch

Corinna Lang

* Dr. W. Charlton Adams gehört zum Vorstand der IEEE-Organisation und ist Experte für den Bereich Smart Grid und Industriestandards. Er ist Elektroingenieur, arbeitete unter anderem viele Jahre bei IBM und berät heute das Huawei Corporate Standards Office als Distinguished Standards Strategist.

** Jean-Philippe Faure ist Vorsitzender der IEEE-SA Arbeitsgruppe, die den IEEE 1901 BPL Standard entwickelt hat und CEO des Beratungsunternehmens Progilon.

1 Kommentar

  • Unsere Aufgabe ist :
    Bestandshäuser energieautark mit erneuerbarer Energie versorgen.
    Zur Senkung des Energieverbrauchs wurden verschiedene Wärmepumpen-und Kollektorsysteme von uns untersucht. Wir entwickeln und installierten seit 2006 und stellten Anfang März 2012 eine Anlage zur Nutzung von Solar-Wärme und Strom fertig. Erste Messungen der „noch“ Prototypen‐Anlage zeigen eine deutliche Absenkung des Energieverbrauchs.
    Die Erprobungsergebnisse bestätigen einen echten Durchbruch, das energieautarke Bestandshaus wird preisgünstig realisierbar.Wir übermitteln gerne weitere Informationen.
    Ernst Markart