Intelligente Berghütte trotzt eisiger Kälte

Berghütte

Bei den derzeitigen Temperaturen haben auch moderne Gebäude ordentlich zu kämpfen. Selbst optimal gedämmten Außenhüllen und effizienten Heizsystemen verlangt die Kältewelle einiges ab und macht sich spätestens bei der nächsten Strom- und Gasabrechnung auch bei den Bewohnern bemerkbar.

Gibt es Probleme mit der Gasleitung, wie kürzlich in Bad Wünnenberg, wo die Heizungen in 900 Haushalten kalt blieben, nützt dann aber auch die modernste Gasheizung nichts mehr. Wie schön wäre jetzt ein Haus, das mitdenkt und sein Klima fast gänzlich autark selbst reguliert, egal, welche Temperaturen draußen herrschen. Ein Wunschtraum? Keineswegs, ein solches Gebäude existiert bereits!

Es steht auf 2.883 Metern am Monte Rosa, einem riesigen Gebirgsmassiv der Walliser Alpen, im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien. Der modernsten Berghütte der Welt können selbst extreme Temperaturschwankungen nichts anhaben, auch den rauen Stürmen trotzt das mehrstöckige Gebäude tapfer. Bewohner gibt es für dieses Hightech-Wunderwerk jedoch nicht, lediglich der Ingenieur Loetscher sieht ab und an nach, ob alles seinen gewohnten Lauf nimmt und die Apparaturen einwandfrei funktionieren. Mehr ist hier für ihn auch nicht zu tun, denn die Berghütte wird von hochintelligenter Gebäudetechnik gesteuert und regelt das Raumklima vollautomatisch. Kontrolliert und überwacht wird die Technik von Zürich aus, dorthin werden die Gebäudedaten nämlich laufend via Satellit übermittelt.

Die moderne Berghütte im rauen Klima der Schweizer Alpen dient als Testlabor für die zum Siemens Konzern gehörende Siemens Building Technologies, die sich mit Gebäudeautomatisierung, Energielösungen und -services befasst. Die Schweizer Berghütte gilt als Muster der Energieeffizienz, denn zu 90 Prozent erzeugt sie die benötigte Energie selbst – und das überaus zuverlässig. Möglich wird das durch modernste Mess- und Regeltechnik. Die Fassade ist ähnlich aufgebaut, wie eine Thermoskanne und schützt das Innere durch ihre isolierende Luftschicht damit sowohl vor extremer Kälte, als auch vor Hitze. Strom und Wärme wird durch Photovoltaik- und Solartechnik erzeugt. Reicht die Sonneneinstrahlung nicht aus, wird ein Blockheizkraftwerk zugeschaltet, wodurch die Hütte beinahe energieautark ist.

Insgesamt 150 Messpunkte sammeln laufend Informationen. Sie werden aber nicht nur gesammelt, sondern lassen sich über die intelligente Software bei Bedarf auch ganz gezielt steuern. So wird zum Beispiel ein Ausgleich bei extremen Temperaturschwankungen durch das Einbeziehen der neuesten Wetterprognosen in Minutenschnelle möglich – und das bei Temperatursprüngen von bis zu 50 Grad. Die Steuerungs- und Messteile haben sich in der Alpen-Berghütte bereits bestens bewährt und könnten somit auch in anderen unwirtlichen Regionen zum klimafreundlichen Einsatz kommen.

Judith Schomaker

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