In 90 Tagen über die Wolken – China als Vorreiter beim nachhaltigen Bauen

Über den Wolken

Die inzwischen berühmte Bausparte der Broad Group versetzt Menschen auf der ganzen Welt in Staunen. Durch eine ausgeklügelte Bautechnik gelingt es den Ingenieuren, Gebäude in atemberaubender Geschwindigkeit zu errichten, die obendrein Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit setzen. Wer nun denkt, dabei handele es sich um Einfamilienhäuser, der irrt. Im aktuellen Projekt „Sky City“ hat sich die chinesische Firma nicht weniger zum Ziel gesetzt, als das höchste Gebäude der Welt zu errichten – in 90 Tagen.

Es klingt unglaublich, doch das Bauunternehmen der Broad Group (BSB) stellte schon mehrmals unter Beweis, wie rasant ein gut organisierter Bauprozess vonstatten gehen kann. So errichtete die Firma ein 30-stöckiges Hotel innerhalb von nur 15 Tagen. Trotzdem: das höchste Gebäude der Welt, das mit 838 Metern Höhe sogar den Burj Khalifa überragen würde, und eine Bauzeit von 90 Tagen? Das kann doch nicht sein. Doch, wenn das Konzept stimmt. Bei der Ausführung ihrer gigantischen Projekte geht die chinesische Firma nach dem Baukastenprinzip vor. Man kann sich das ähnlich vorstellen, wie bei Lego. In einer Fabrik produzieren Arbeiter die einzelnen „Bausteine“, die vor Ort dann nur noch zusammengesetzt werden müssen. Dadurch steigt die Zahl der Stockwerke während des Baus in atemberaubender Geschwindigkeit. Teilweise wächst das Bauwerk um fünf Etagen pro Tag.

Mit dieser Methode soll auch das utopisch anmutende Projekt im chinesischen Changsha umgesetzt werden. Neben der Bauweise ist vor allem eines interessant: China könnte mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle beim nachhaltigen Bauen übernehmen. Klimawandel und Umweltkatastrophen zeigen die Wichtigkeit neuer Konzepte bei der Konstruktion von Gebäuden auf. So versinken beispielsweise Chinas Großstädte im Smog ihrer eigenen Industrie. Aktuelle Geschehnisse machen es also nötig und moderne, computergestützte Technologien machen es möglich: nachhaltiges Bauen. Laut Dr. Christine Lemaitre von der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) stünde dabei das Wohlbefinden der späteren Bewohner im Mittelpunkt. Doch ebenso wichtig sei „auch die Qualität der integralen Planung und Bauausführung“. Außerdem müsse ein nachhaltiges Gebäude rentabel funktionieren, damit sich das neue Konzept langfristig durchsetzen könne. Das heißt, der Vorausplanung späterer Verwaltungsaufwände für das fertige Objekt kommt große Bedeutung zu, um Abläufe zu optimieren und dadurch Kosten zu sparen. Hierfür gibt es auch in Deutschland bereits gute Ansätze. Mit einer „Building Information Modeling“-Software lässt sich diese Aufgabe deutlich einfacher bewältigen.

Noch 2013 soll das BSB-Gebäude fertiggestellt werden. Sollte es dem Unternehmen tatsächlich gelingen, dieses Projekt zu stemmen, hätten Architekten, Ingenieure und Arbeiter ein unglaubliches Bauwerk geschaffen. Im fertigen Zustand soll es über 100 Aufzüge, ein Krankenhaus, mehrere Schulen, ein riesiges Hotel und diverse Einkaufmöglichkeiten beherbergen. Damit erscheint der Name „Sky City“ („Himmelsstadt“) umso passender. Mehrere zehntausend Menschen werden in dem gewaltigen Wolkenkratzer Platz finden. Durch perfekte Isolierung, den Einsatz von LEDs und vierfacher Fensterverglasung würde das Gebäude sich durch extreme Effizienz auszeichnen. Ein hochmodernes Belüftungssystem soll für optimale Luftqualität sorgen. Zudem wird „Sky City“ aus feuerfesten Materialien konstruiert und so stabil konzipiert, dass es selbst Erdbeben der Stärke 9 standhält. Nachhaltig, widerstandsfähig und sparsam – ein Gebäude der Zukunft.

Alexander Weitnauer

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