Heizen und Kühlen mit SolarEis

Messarbeiten im Inneren eines Eispeichers zum Ende einer Heizperiode. Der hier gezeigte Eisspeicher hat ein Volumen von mehr 900.000 Litern; Foto: © 2011 isocal HeizKühlsysteme GmbH

Räume und Gebäude auf angenehme Temperaturen zu heizen oder kühlen, verbraucht eine Menge Energie. Heizkosten sind längst zu einem gewaltigen Posten der Wohnkosten angewachsen und dass Klimaanlagen wahre Stromfresser sind, ist hinlänglich bekannt. Natürlich belastet der immense Energieverbrauch nicht nur das Budget, sondern auch die Umwelt, denn von einer flächendeckenden nachhaltigen Stromproduktion sind wir noch meilenweit entfernt.

Das im Jahr 2005 von Alexander von Rohr gegründete Unternehmen isocal aus Friedrichshafen hat ein „SolarEis-System“ entwickelt, das Räume mit Hilfe von Eis heizen oder  kühlen kann und dabei kostenneutral und umweltfreundlich arbeitet. Dabei macht es sich einerseits das hohe Energiespeichervermögen von Wasser und andererseits den Energieerhaltungssatz zu Nutze. Demnach ist nämlich die frei werdende Energie, wenn Wasser zu Eis gefriert, gleich groß wie die Energie, die benötigt wird um es wieder zu Wasser zu schmelzen.

Das Herzstück der interessanten Anlage ist ein künstlich angelegter unterirdischer Speicher in einer Tiefe, wo das ganze Jahr über konstant acht bis zehn Grad Celsius vorherrschen. Im Winter wird diesem so lange die darin enthaltene Energie entzogen, bis das Wasser zu Eis gefriert. Die dabei entstehende Kristallisations- oder Erstarrungswärme kann direkt zum Beheizen von Gebäuden verwendet werden. Im Sommer nimmt das Eis dann die in den Gebäuden angestaute Hitze auf und kühlt sie dadurch ab. So erwärmt sich der Speicher immer weiter und das Eis verwandelt sich nach und nach in warmes Wasser, das wieder für den winterlichen Heizprozess zur Verfügung steht.

Speziell in der Übergangszeit kommt zusätzlich auch noch eine Solaranlage zum Einsatz, die Sonnenwärme direkt in den SolarEis-Speicher einlagert. An sonnenfreien Tagen nutzt außerdem ein auf dem Hausdach montierter Luft-Kollektor die Wärme der Umgebungsluft als Energiequelle. Genau genommen wird das System also sogar mit fünf regenerativen Energiequellen betrieben: Wasser, Eis, Luft, Erdwärme und Sonnenenergie.

Das SolarEis-System von isocal erhielt in der Vergangenheit auch bereits mehrere Auszeichnungen. So wurde es 2011 für den Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg nominiert und mit dem VR InnovationsPreis Mittelstand ausgezeichnet. 2010 erhielt das Heiz- und Kühlsystem den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg und den Innovationspreis des DIHK und des Magazins IMPULSE.

Das Potential der umweltfreundlichen und genehmigungsfreien Heiz- und Kühlanlage hat auch die Stadt Stuttgart erkannt und sorgt mittlerweile mit einem 385 Kubikmeter großen SolarEis-Speicher für die richtigen Temperaturen im Stadtarchiv, das inmitten eines Wasserschutzgebietes erbaut ist.

Matthias Schaffer

1 Kommentar

  • Habe dieses System schon von meinem bekannten Architekten erläutert bekommen und auf der ISH dann auch angeschaut. Finde die Idee echt klasse und bin nun gespannt auf Praxisberichte aus dem Wohnumfeld.

    Mein Architekt hat aktuell so ein Projekt in Planung. Mal sehen wie sich diese Anlagen verhalten.

    Grüße,
    D. Lust