Greenpeace: Facebook soll grüner werden

Im Januar dieses Jahres hatte Facebook angekündigt, ein neues 180-Millionen-Dollar-Datenzentrum bauen zu wollen. Die Server sollen mit Strom des Konzerns PacifiCorp betrieben werden.

Wie jetzt bekannt wurde, produziert der Energiekonzern seinen Strom überwiegend mit Kohlekraft. Nun ist leider nicht bekannt, wie viel Strom das Datenzentrum verbrauchen wird, doch eins ist klar: Wie auch die anderen Datenzentren von Facebook, Google und Konsorten wird auch dieses das so genannte „Cloud Computing“-Prinzip nutzen.

Energiequellen für Cloud Computing meist Kohle und Atomenergie

Laut Wikipedia ist dies die „Bereitstellung von IT-Infrastrukturen, fertigen Programmpaketen und Programmierumgebungen, die dynamisch an den Bedarf des Users angepasst sind und über Netzwerke zur Verfügung gestellt werden. Sie basieren auf der Kombination aus virtualisierten Rechenzentren und modernen Webtechnologien wie Webservices, erfolgen vollautomatisch und erfordern somit keinerlei Mensch-Maschine-Interaktion mehr.“

An sich keine schlechte Sache. Doch hat eine Studie von Greenpeace herausgefunden, dass der Energieverbrauch für Cloud Computing steil ansteigt und dafür meist Strom aus Kohle und Atomenergie verwendet wird. Und das bei einem jährlichen Energieverbrauch, der derzeit für alle Datenzentren weltweit laut Greenpeace bei gleichbleibenden Wachstumsraten bei mehr als 1,9 Milliarden Kilowattstunden liegt, was dem derzeitigen Jahresverbrauch von Frankreich, Deutschland, Brasilien und Kanada zusammen entspricht.

Zwar beteuert Facebook, das neue Datenzentrum solle mit besonders energieeffizienter Technologie betrieben werden, um die durch die  Nutzung der Kohlekraft entstehenden CO2-Emissionen auszugleichen. Doch Greenpeace gibt sich damit nicht zufrieden.

Auf saubere Energie setzen und der Kohle abschwören

Vor einem halben Jahr hat Greenpeace daher eine Facebook-Gruppe gegründet und in einer begleitenden Kampagne gefordert, dass der Betreiber des Sozialen Netzwerks mit weltweit mehr als 500 Millionen Nutzern in Zukunft ganz auf saubere Energie setzen und der Kohle abschwören soll.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Mittlerweile haben sich innerhalb eines Jahres mehr als ein halbe Million Facebook-Nutzer dem Protest angeschlossen. Auch Facebook-Gründer Marc Zuckerberg hat sich in einem offenen Brief selbstkritisch gezeigt und angekündigt, bei der Energieversorgung des neuen Datencenters zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien zu setzen, zumal das Data Center doppelt so groß werden soll wie ursprünglich geplant.

Ein voller Erfolg, möchte man meinen. Allerdings sollte auch Greenpeace nicht mit Steinen werfen, wenn es selbst im Glashaus sitzt, wie auf dem Internetportal Data Center Knowledge berichtet: Die Haupt-Website von Greenpeace wird in Amsterdam zwar bei einem Datenzentrum gehostet, das seine CO2-Emissionen über REC-Zertifikate (Renewable Energy Certificate) ausgleicht.

Doch wiederum andere Seiten befinden sich in Nord-Virginia, wo vorwiegend Strom aus Kohle und Atomenergie produziert wird. Wenn bei den Öko-Aktivisten da mal nicht mit zweierlei Maß gemessen wird…

Daniel Seemann

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