Green IT – mehr Schein als Sein

In der IT-Branche ist die grüne Revolution ausgebrochen. Das könnte man zumindest meinen, schaut man sich die vielen Werbeanzeigen für umweltfreundliche Fernseher, PCs und Handys an. Doch was ist dran, an den Versprechen der Hersteller?

Green IT – darunter versteht man vor allem eine verbesserte Energieeffizienz von Geräten der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie die Verminderung von umweltbelastenden Stoffen und die Recyclingfähigkeit von Bauteilen. Aber auch Energie- und Materialeinsparungen, die sich mit Hilfe moderner IT zum Beispiel im Logistikbereich ergeben, werden darunter zusammengefasst.

Weltweit verursachen Computer, Handys und Co. derzeit rund zwei Prozent des CO2-Ausstoßes. In Deutschland verbrauchen die Produktion und Nutzung der IKT laut einer aktuellen Fraunhofer-Studie rund zehn Prozent des Stroms – Tendenz steigend. Im Jahr 2020 sollen laut einer Studie von McKinsey weltweit zirka 1,4 Milliarden Tonnen CO2 durch IKT-Nutzung entstehen. Gleichzeitig könnten laut dieser Studie jedoch durch die zunehmende IKT-Nutzung weltweit bis zu 7,8 Milliarden Tonnen CO2 eingespart werden – also 5,6 Mal mehr, als durch sie entsteht.

Bisher können wir von einer Entlastung der Umwelt durch IKT jedoch nicht sprechen. Eine immer kürzer werdende Nutzungsdauer elektronischer Geräte führt zu einem Anstieg des Elektroschrotts. Die Verbesserung der Energieeffizienz wird durch größere Geräte (Fernseher) oder zusätzliche Funktionen (Handy) häufig kompensiert. Und sinkende Preise (Laptops) führen zu einer stärkeren Nachfrage.

Als besonders kurios sind in letzter Zeit zwei Drucker von Hewlett-Packard und eine Fernsehgeräteserie der Firma Sony aufgefallen. So besteht das Gehäuse der Drucker HP Deskjet D2660 und D5560 zwar zu etwa 50 Prozent aus wiederverwerteten Plastikteilen (unter anderem von Wasserflaschen). Doch besitzen beide Drucker keinen Ausschaltknopf, und der Nutzer muss die komplette Farbpatrone wechseln, wenn nur eine Farbe zur Neige geht.

Die Fernsehgeräte der Serien Bravia W4000, E4000 und W4500 würden laut Sony im „Picture Frame Mode“ bis zu zehn Prozent weniger Strom verbrauchen als im Fernsehbetrieb und somit helfen, Energie zu sparen. Der „Picture Frame Mode“ ist dazu da, auf dem Monitor ein Standbild erscheinen zu lassen (wie man es von digitalen Bilderrahmen  kennt). Das Gerät verbraucht dabei 1.000 Mal mehr als im Stand-by-Modus.

Beispiele wie diese gibt es genug. Wir sollten endlich lernen, dass eine Entlastung der Umwelt nur durch absolute, statt relative Energie- und Ressourceneinsparung möglich ist.

Corinna Lang

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