EnOcean: Das Haus denkt mit

Intelligente Gebäudetechnik ist dieser Tage ein beliebtes Schlagwort. Bei der Firma EnOcean aus Oberhaching wird dieser Begriff hingegen sehr konkret verwendet: das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die es möglich macht, Lampen, elektrische Geräte oder Heiz- und Lüftungssysteme von Gebäuden batterie- und kabellos zu steuern. Die Funksensormodule von EnOcean beziehen ihren Strombedarf aus der Umgebung: aus linearer Bewegung, Licht oder Temperaturdifferenz. Die aus der Umgebung gewonnene Energie reicht aus, um ein  Funksignal zu versenden und so zum Beispiel das Licht einzuschalten. In der Zukunft soll diese Kommunikation auch in zwei Richtungen verlaufen:  So wird ein Raumbediengerät anzeigen können, wenn ein Fenster offen ist oder die Nachtabsenkung des Stroms eintritt. Wir sprachen mit Marcus Trojan, der den technischen Vertrieb der EnOcean-Produkte verantwortet.

Herr Trojan, EnOcean-Technologie wird bereits in zahlreichen öffentlichen und gewerblichen Gebäuden eingesetzt. Wie relevant ist die Technologie für den privaten Sektor?

Wir waren anfangs nur im kommerziellen Sektor aktiv, weil hier die größten Effizienzpotentiale zu verwirklichen sind. Im Wohnungsbau hingegen hat unsere Technologie den Vorteil, dass wir Flexibilität und Komfort in einem Wohnhaus erhöhen können. So gibt es im privaten Wohnbereich viele „Nutzungsänderungen“, für die man elektrische Leitungen ziehen müsste – zum Beispiel wenn Sie neue Möbel kaufen, Ihr Wohnzimmer neu gestalten oder Ihr Sofa umstellen und plötzlich merken, dass der Lichtschalter auf der falschen Seite steht. Mit Funkschaltern haben Sie dieses Problem nicht.

Im Wohnungsbau geht es neben der Flexibilität auch um Ressourcenschonung: Mit einer Funkschalterlösung können die Bausteine traditioneller Schalterverbindungen, Kupfer und PVC, vermieden werden.

Die von EnOcean entwickelte Grundlagentechnik bietet auch im Heizungs- und Lüftungsbereich Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz. Wie funktioniert das genau?

Unsere Technologie hilft vor allem bei der Fensterlüftung und Raumtemperaturüberwachung. Mit einem Funkthermostat wird laufend geprüft, wie viel Energie wo im Haus wirklich benötigt wird, und das Heiz- und Lüftungssystem wird entsprechend angepasst. So wird zum Beispiel die Heizung automatisch heruntergefahren sobald ein Fenster in dem betreffenden Raum offen ist.

Ab wann könnte Ihre Technologie im privaten Sektor Standard werden?

Wir sind schon nah dran und es gibt schon einige Wohnhäuser, die mit unserer Technologie ausgestattet wurden. Besonders großes Potential sehen wir im Sektor Passivhaus beziehungsweise Plus-Energie-Haus. Denn hier ist es wichtig, dass die Häuser relativ dicht sind, das heißt auch an Öffnungen, die von Steckdosen hervorgerufen werden. Aus diesem Grund müssen normalerweise in Passivhäusern Unterputzdosen eingebaut werden, die luftdicht, aber auch teurer als normale Schalter sind. Mit Funkschaltern umgehen Sie dieses Problem.

Bei Funktechnik denken viele Menschen an schädliche Strahlung. Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?

Wir haben bereits 2003 ein Gutachten erstellen lassen, das die Strahlung eines Funkschalters mit der Strahlung eines konventionellen Schalters, eines Handys, eines DECT -Telefons und anderer Technologien verglichen hat. Die Strahlung eines Funkschalters ist um ein Hundertfaches geringer als bei einem normalen Schalter, der an eine 100-Watt-Birne angeschlossen ist.

EnOcean ist Mitglied im Münchner Bündnis für Klimaschutz. Wie kam es zu diesem Engagement?

Wir haben vor einigen Jahren eine offizielle Anfrage von der Stadt München bekommen und an der Auftaktveranstaltung teilgenommen. Das Ziel des Projekts ist es ja, CO2 einzusparen und da können wir einen Beitrag leisten.

Herr Trojan, vielen Dank für das Gespräch.

Beispiel für ein Wohnhaus, das mit EnOcean-Technologie ausgestattet wurde.

Birte Pampel

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