Energieautarke Industriebetriebe

ABB Forschungszentrum: Foto: ABB Group

Mit innovativen Energiesparlösungen lässt sich in Zukunft jede Menge Geld verdienen. Das hat sich auch der Technologiekonzern ABB gedacht und arbeitet derzeit fleißig daran, ein System zu generieren, das Industriebetriebe stromautark macht. Gleichzeitig sollen sich dabei die getätigten Investitionen für das jeweilige Unternehmen rechnen. Nicht nur durch eine energieeffiziente Ausrichtung der Produktionsmaschinen und die Unabhängigkeit vom Stromversorger, sondern auch durch den Verkauf von überschüssiger Energie an selbigen.

Es ist wohl ein Traum, den jeder Fabrikbesitzer einmal zu träumen wagt: Mehr Strom produzieren, als selbst zu verbrauchen und den eigenen Industriekonzern dabei unabhängig von den Energielieferanten zu machen. Der Siemens Konkurrenten ABB aus der Schweiz beschäftigt sich seit mehr als einem Jahrhundert mit innovativen Lösungen im Energiebereich.

Heute liegt der Fokus auf der Energie- und Automationstechnik, um hierdurch eine Leistungsverbesserung von Industrie und Energieversorgern, bei gleichzeitiger Reduktion der Umweltbelastung zu generieren. Zusammen mit dem schwedischen Södra Cell Konzern hat der Technologiekonzern nun ein Pilotprojekt gestartet – mit Erfolg.

Für die Herstellung von Zellstoff benötigte Södra Cell bis vor wenigen Jahren noch reichlich Energie. Die Zellstoffmühle im schwedischen Väro zählte zu den größten Stromverbrauchern. Mit den innovativen Lösungen von ABB hat sich das Blatt deutlich gewendet. Heute produziert die Zellstoffmühle mehr Energie, als sie verbraucht, ganze 550 Gigawattstunden mehr. Genug, um mit dieser Überschussenergie noch zusätzliche 24.000 Haushalte zu versorgen. Möglich wurde das zum Einen durch die Umstrukturierung der Produktion, Energiesenkung durch effiziente Maschinen, zum Anderen durch Investitionen in Automatisierungssysteme. Hierzu wurde der Rückgewinnungskessel in der Zellstofffabrik, mit einer neuen Turbine ausgestattet, die mit Hilfe des Hochdruckdampfes mehr Strom produziert. Der Wasserdampf, den die Anlage nach dem eigentlichen Herstellungsprozess noch immer mit niedrigem Druck und neben diesem auch noch heißes Wasser ausstößt, wird zusätzlich in das Heizungsnetz eingespeist. Ein Energieüberschuss, der die 300 Millionen Dollar hohen Investitionskosten der vergangenen zehn Jahre in ein ganz anderes Licht rückt. Energiekosten werden eingespart und der überschüssige Strom lässt sich außerdem an die lokalen Energieversorger verkaufen.

ABB sieht für die Zukunft ein deutliches Sparpotenzial und ein nettes Zusatzgeschäft für Unternehmen – auch in anderen Industriezweigen. Beispielhaft, dass das Konzept des Technologiekonzerns auch auf andere Bereiche ummünzbar ist, zeigt die Ausstattung eines Datencenters mit neuen Steuerungsmodellen. Hierdurch konnte der Stromverbrauch optimiert und die Luft, die von den Servern erwärmt wurde, ins lokale Heizungsnetz gespeist werden. Auch in anderen Industriezweigen fällt reichlich Hitze an, die normalerweise ungenutzt bleibt. Etwa in der Stahlproduktion. Daraus Strom zu produzieren gestaltet sich hingegen äußerst schwierig, aber zu Heizzwecken ließe sich diese Hitze sinnvoll nutzen, ist sich ABB sicher. Innovative Energiesparlösungen seien darüber hinaus nicht nur in den bereits etablierten Industriestaaten von Interesse, so das Technologieunternehmen, sondern würden schon teilweise beim Anlagenneubau auf dem asiatischen Kontinent von Beginn an integriert.

Judith Schomaker

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