Energie und Mobilität – welche Rolle spielt der Wasserstoff heute und morgen?

Energie und Mobilität

Wasserstoff eignet sich hervorragend als Treibstoff beziehungsweise Speicher für temporäre Stromüberangebote aus erneuerbaren Energien. Bereits Ende der 90er sowie Mitte des letzten Jahrzehnts wurde Wasserstoff daher als Lösung für unsere Energieprobleme gehypt. In den letzten Jahren ist es allerdings wieder relativ leise um den Energieträger geworden.

Um ein umfassendes Bild über die heutige und künftige Rolle des Wasserstoffs im Bereich Energie und Mobilität zu erhalten, sprach das CleanEnergy Projekt am 17. April 2012 im Rahmen des Cleantech Forums mit Dr. Jürgen Friedrich, Senior Manager Fuel Cell & Battery Drive Development, Daimler AG und Dr. Andreas Opfermann, Head of Clean Energy and Innovation Management, Linde AG. Darüber hinaus lud das CleanEnergy Project zusammen mit seinem Partner, GreenMobility, am 23. April 2012 zum Forum „Energie und Mobilität – welche Rolle spielt Wasserstoff bis zum Jahr 2017?“ auf der Hannover Messe ein. Neben den beiden Referenten, Christian Machens, Projektleiter HyFacts, TÜV Süd und Gérard Planche, GM Fuel Cell Vehicle Market Test Manager, GM Opel, stand während der Podiumsdiskussion auch Wasserstoffexperte Benedikt Eska, Inhaber, Technology Management SK, für Fragen zur Verfügung.

Wasserstoff als Treibstoff

Wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen-Pkws haben nicht nur den Vorteil, dass sie gegenüber konventionellen Autos keine Einschränkungen in der Reichweite, Handhabbarkeit oder im Komfort aufweisen. Sie gehörten auch zur Gruppe der Zero-Emission-Fahrzeuge, da sie lediglich Wasserstoff an die Umgebung abgeben, der nicht zu den Emissionen gezählt wird. Bereits 2015 wollen die großen OEMs mit der Kommerzialisierung ihrer Brennstoffzellenfahrzeuge beginnen. Bis dahin gilt es auch, die Wasserstoff-Infrastruktur voranzutreiben. „Zusammen mit Linde setzen wir uns dafür ein, 20 Wasserstofftankstellen in Deutschland aufzubauen, um zumindest die Metropolen miteinander verbinden zu können“ erklärt Daimler Manager Friedrich.

„Im Jahr 2017 wird jeder von uns die Möglichkeit haben, sich bei Flottenbetreibern, wie zum Beispiel Sixt, ein Brennstoffzellenfahrzeug auszuleihen“, ist sich Wasserstoffexperte Eska sicher. „Wir werden auch Brennstoffzellenfahrzeug kaufen können. Ob man sich ein solches Fahrzeug jedoch leisten kann, muss jeder für sich selbst entscheiden“, so Eska. Schließlich werden die Brennstoffzellenautos in der Anschaffung während der ersten Jahre noch einiges teurer sein als Autos mit Verbrennungsmotor. Während in fünf Jahren vermutlich gerade einmal ein paar Tausend Brennstoffzellenfahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein werden, sollen es im Jahr 2020 bereits eine Million Fahrzeuge sein, schätzt TÜV Süd-Projektleiter Machens. (Machens Vortrag finden Sie hier.)

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Wasserstoff als Energiespeicher

600.000 Megawattstunden Energie könnten in einem unterirdischen Wasserstoffreservoir gespeichert werden, was 3,6 Millionen Tankfüllungen entspricht, erklärt GM Opel-Manager Planche in seinem Vortrag über die Rolle des Wasserstoffs in der nachhaltigen Mobilität. Zum Vergleich: Ein großes Pumpspeicherkraftwerk hat eine Kapazität von etwa 8.000 Megawattstunden.

Mittels Elektrolyse können Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien unmittelbar am Kraftwerk in Form von Wasserstoff gespeichert werden. Wirkungsgradverluste spielen dabei eine weniger wichtige Rolle, da es sich bei Stromüberschüssen um Energie handelt, die in der Regel ansonsten verloren gehen würde, wie Machens konstatiert. Dr. Andreas Opfermann von der Linde AG verweist darauf, die im Wasserstoff chemisch gespeicherte Energie vorrangig dort wieder zu elektrischer Energie umzuwandeln, wo die geringsten Verluste auftreten, also im Fahrzeug und nicht im Stromnetz.

Förderung und Aufklärung

Damit sich Wasserstofftechnologien besser etablieren sind Förder- und Aufklärungsprogramme gefragt. Das derzeitige Volumen des EU-Förderprogramms ist vergleichbar mit dem in Japan – dabei ist Japan nur ein Land. Wenn Europa also beim Ausbau der Wasserstofftechnologien nicht hintanstehen möchte, müssen die Technologien stärker gefördert werden.

Darüber hinaus sollte auch vermehrt in die Aufklärungsarbeit über Wasserstoffanwendungen investiert werden. Damit Wasserstoff eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung erfährt, ist es wichtig, die Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten plausibel darzustellen, um nicht zu Letzt auch die Angst vor Wasserstoff – der nach wie vor das Image trägt, besonders gefährlich zu sein – zu nehmen.

Corinna Lang

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