Die Energiewende: Eigentlich ist alles da…

Der direkte Weg zur Energiewende ist noch nicht ersichtlich

Die Energiewende ist ein Reizwort für die einen, Zukunftsverheißung für die anderen. Um den Paradigmenwechsel hin zu einer dezentralen Energieversorgung ging es auch bei der 8. Munich Cleantech Konferenz am 20. November 2014 in München. Unter dem Motto „Energy becomes service – Setting the claims in a decentralized Landscape“, diskutierten Experten aus Wirtschaft, Forschung und Medien über Wege zur Umsetzung der Energiewende und präsentierten Strategien und innovative Lösungen.

Die Dezentralisierung des Energiesystems stellt nicht nur die Branche, sondern Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes vor große Herausforderungen. Für etablierte und neue Anbieter ergibt sich daraus die Notwendigkeit, neue zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu finden – und gerade hier sind ganz andere Denkweisen und Marktdesigns gefragt als bisher. Wird heute noch über mögliche Blackouts durch eine schwankende Energieversorgung diskutiert, so steht angesichts eines Szenarios von 30 Prozent weniger Energieverbrauch im Jahr 2030 die Frage im Raum, wie wir mit möglichen Überschüssen an Energie umgehen, und ob wir Anbieter eventuell auch dafür bezahlen müssen, dass sie Energiereserven nicht zur Verfügung stellen. „Earning money by consuming less“ – dieses Stichwort umschreibt eine der drängendsten Zukunftsfragen ganz besonders der großen Energieversorger, deren Geschäftsmodell bislang auf dem Vertrieb möglichst wachsender Energievolumina beruhte.

Einfach machen!
Natürlich klangen in den insgesamt fünf verschiedenen Panels auch Dissensen an – dafür sorgte schon der so unterschiedliche Hintergrund der Referenten. So betonten die einen die Bedeutung von Standards für die Sicherheit des Energiesystems und als „Enabler“ für Interoperabilität, andere waren hingegen der Auffassung, dass es Standards in ausreichendem MaDSC 6441ße gebe und diese letztlich „Nebensache“ seien. Einig waren sich die meisten Referenten jedoch darin, dass es sinnlos sei, bei der Umsetzung der Energiewende auf die Politik oder neue Rahmenbedingungen zu warten, zumal die erforderlichen Technologien bereits verfügbar seien. Stattdessen gelte der Grundsatz: Einfach machen!

Platz an der Sonne gesucht
Denn keiner der Referenten schien daran zu zweifeln, DASS die Energiewende realisiert wird. Der „Stein der Weisen“, wie ein reibungsloser Übergang vom heutigen zum zukünftigen Energiesystem zu gewährleisten ist, wurde natürlich auch an diesem Tag nicht gefunden. Denn das „Energie-Trilemma“, das von den Akteuren im Markt gleichzeitig Klimaschutz, den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und eine zuverlässige Energieversorgung einfordert, erlaubt schließlich keine Aussetzer – der Wandel vollzieht sich im laufenden Betrieb. Die Munich Cleantech Konferenz spiegelte dabei das Bild einer Branche wider, in der die meisten Beteiligten, allen voran die großen Energieversorger, noch ihren Platz und ihre Chance für die Zukunft suchen. Gleichzeitig treten neue Player auf die Bühne: Immer wieder wurde von den Teilnehmern die Bedeutung der IT für die Energiewende hervorgehoben, insbesondere vor dem Hintergrund zentraler Sicherheitsfragen.

Ausgang des Rennens ist offen
Im Fokus der Konferenz standen neben diesen Grundsatzdebatten jedoch vor allem konkrete Innovationen. Hinsichtlich einer zentralen Voraussetzung zur Umsetzung der Energiewende, der Speicherung von Energie, prognostizierten einige Redner eine ähnliche Entwicklung wie in der Photovoltaik, der eine rapide Kostendegression innerhalb weniger Jahre zum Durchbruch verholfen hatte. Die Munich Cleantech Konferenz präsentierte zudem in bester Tradition verschiedene Start-ups, die mit ihren innovativen Lösungen bereits zahlreiche Nischen in neuen Marktsegmenten besetzen. Gewinner des diesjährigen MCC Awards war EKU Power Drives. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden dabei, Diesel-Antriebe in moderne Hybridsysteme, betrieben mit Gas und Strom, umzuwandeln.

Der frühere Bundesumweltminister Peter Altmaier hat die Energiewende einmal als Operation am offenen Herzen bezeichnet. Einer der Referenten erinnerte daran, dass am Gelingen dieser „Operation“ im Zweifelsfall auch der Endverbraucher einen wesentlichen Anteil hat. Denn nicht zu unterschätzen ist zweifelsohne die Dynamik, die vom Engagement der Bürger auf kommunaler Ebene ausgeht, die neue Optionen für Investitionen entwickeln und Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien umsetzen. Tenor der Munich Cleantech Konferenz war also insgesamt: Die Richtung ist klar – wer das Rennen macht ist jedoch noch offen.

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