Der Einzug der Bioschmierstoffe

Verbindlich festgelegt ist der Begriff der „Bioschmierstoffe“ zwar nicht, sie genießen also keine begriffliche Allgemeingültigkeit. Generell werden diese biogenen oder biobasierten Schmierstoffe jedoch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sind zudem schnell biologisch abbaubar. So viel zu der Begrifflichkeit, doch was steckt nun wirklich hinter den „Bioschmierstoffen“ und sind sie tatsächlich so umweltfreundlich, wie es ihr Name vermuten lässt?

 

Für die Produktion von Bioschmierstoffen dienen vor allem pflanzliche Öle, aber auch tierische Fette. In Deutschland wird vorwiegend Rapsöl zur Herstellung der Schmierstoffe verwendet, das entweder in nativer Form oder als synthetischer Ester modifiziert wird. Dadurch ist es möglich, auch Hochleistungsschmierstoffe aus pflanzlichen Ölen zu gewinnen, die ihren, auf Mineralöl basierenden Kollegen in keinster Weise nachstehen. In sämtlichen Bereichen können Bioschmierstoffe zum Einsatz kommen, was sich in über 500 verschiedenen Produkten auf dem Markt ausdrückt.

In ihren technischen Eigenschaften unterscheiden sich Bioschmierstoffe teilweise ganz erheblich von Schmierstoffen auf Mineralölbasis. So ist Bioschmierstoff mit einem besseren Viskositätsindex ausgestattet als Mineralölschmierstoff und ihm müssen weniger Additive zugesetzt werden, um eine hohe Schmierleistung zu erreichen. Dafür benötigen Bioschmierstoffe aufgrund ihrer Neigung zu Oxidation und Hydrolyse mehr Additive zur Haltbarkeitsverbesserung.

Das wohl entscheidende Kriterium für Bioschmierstoffe und gegen mineralölbasierende Schmierstoffe dürfte aber in der schnellen biologischen Abbaubarkeit liegen, die sämtliche guten Bioschmierstoffe uneingeschränkt mit sich bringen. Unter die biologisch schnelle Abbaubarkeit zählen Stoffe, die nach dem OECD 301 Testverfahren innerhalb von 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent abgebaut sind. Wird das Umweltzeichen Blauer Engel oder Euromargerite angestrebt, sind die Anforderung noch wesentlich strenger gesteckt. Mineralöle haben nach dieser Phase erst einen sehr geringen Prozentsatz abgebaut und gelten nicht als schnell biologisch abbaubar.

Hinzu kommt, dass Bioschmierstoffe eine etwas höhere Dichte als Mineralölprodukte haben und nicht wasserlöslich sind. Bei einem Ölverlust werden Bioschmierstoffe demnach weitestgehend in den oberen Schichten der Erde festgehalten. Auch ihre physiologische Unbedenklichkeit, die fehlende Toxizität und das Entbehren von Schwermetallen schlagen auf dem Pluspunktkonto der Bioschmierstoffe zu Buche. Bioschmierstoffe sind also, wie ihr Name schon andeutet, den Mineralölen in puncto Umweltfreundlichkeit um einiges voraus.

Judith Schomaker

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