Das Fair-Trade-Handy

FairPhone vor Ort

Fast jeder hat oder benutzt heutzutage ein Mobiltelefon. Die großen Handy- und Smartphone-Hersteller machen Milliardengeschäfte. Doch dort, wo die Geräte eigentlich entstehen, kommt von den Gewinnen nicht viel an. Eine niederländische Initiative will das nun ändern und ein faires und ökologisch nachhaltiges Mobiltelefon produzieren.

So klein und kompakt sie auch sind – für ihre Herstellung benötigt man zahlreiche Rohstoffe, die sehr aufwendig und kompliziert zu fördern sind. Sogenannte seltene Erden wie Cobalt oder Coltan zum Beispiel. Abgebaut werden diese Stoffe in Ländern wie dem Kongo unter oft widrigen Bedingungen. Ungesicherte und einsturzgefährdete Minen, Kinderarbeit und hohe Gesundheitsbelastungen durch Giftstoffe sind keine Seltenheit. Dabei verdienen die Minenarbeiter zumeist nur einen Hungerlohn.

Zusammengebaut werden Handys und Smartphones dann unter sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen in Massen-Fabriken wie in China.

Die gemeinnützige „Waag Society“ entwickelt nun ein Smartphone, das unter menschenwürdigen, fairen und umweltfreundlichen Bedingungen hergestellt werden soll. Dieses „FairPhone“ soll aus Materialien zertifizierter Unternehmen beziehungsweise Minen bestehen, und es sollen nur solche Zulieferer engagiert werden, die faire Arbeitsbedingungen garantieren.

Der Ansatz der Firma FairPhone ist ein ganzheitlicher, das heißt im Blick ist der gesamte Produktzyklus von der Mine über die Fertigung bis zur Erst- und Zweitverwendung und dem Recycling. So soll es ein offenes Betriebssystem haben und auf jeden Fall reparabel sein. Denn die meisten Mobiltelephone haben einen im Vergleich zu ihrem Herstellungsaufwand und ökologischen Fußabdruck viel zu kurzen Lebenszyklus.

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Inzwischen hat die Initiative bereits einige faire Produzenten als Partner gewinnen können. Durch die Vernetzung mit anderen Initiativen zeichnet sich eine Verbesserung der Situation ab. Die notwendigen Metalle werden nur von Minenabeitern gekauft, die nicht von sogenannten Warlords ausgebeutet werden und die für ihre Arbeit einen fairen Lohn erhalten. Einige seltene Erden sollen gar nicht erst verwendet werden in dem Handy, was sich allerdings auf das Design, vor allem auf die Größe auswirken wird. Denn viele der seltenen Materialien dienen fast nur dazu, Handys kleiner und schmaler zu machen.

Die Ziele der Initiative sind ambitioniert, dennoch wird es nicht möglich sein, ein zu hundert Prozent faires und ökologisch nachhaltiges Handy zu produzieren, dessen ist man sich bewusst. Aber es geht auch darum, Denkanstöße zu geben, neue Allianzen zu gründen, Vorreiter zu sein und nach Möglichkeit auch große Handy-Hersteller zu einem Sinneswandel zu bewegen.

Die ersten FairPhones sollen schon in diesem Herbst auf den Markt kommen und schon jetzt liegen über 5.000 Bestellungen vor für das Gerät, das 250 bis 350 Euro kosten wird. Es wäre schön, wenn sich die Initiative durchsetzt und man bald ähnlich wie bei Schokolade, Kaffee oder Orangensaft frei wählen kann zwischen einem herkömmlichen und einem Fair-Trade-Handy.

Josephin Lehnert

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