CCS – Eine „Energiebrücke“ ins Nichts?

Dem DIW zufolge ist die Abscheidung und Speicherung von CO2 bei Großkraftwerken innerhalb der nächsten 15 Jahre „völlig unrealistisch“. Die Fördergelder seien bei erneuerbaren Energien besser investiert.

CCS steht für carbon capture and storage, also die Abscheidung des klimaschädlichen Gases CO2 bei der Stromerzeugung und dessen anschließende Speicherung im Untergrund. Die Bundesregierung, die EU und vielen Energieerzeugungsunternehmen sehen in dieser Technologie die Lösung der Klimaprobleme durch Kohlekraftwerke. Entsprechend fließen in diesen Bereich auch milliardenschwere Subventionen. In Zukunft soll das Treibhausgas nicht mehr in die Atmosphäre geblasen, sondern dauerhaft tief im Boden gespeichert werden.

Ein aktueller Forschungsbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung  (DIW) untermauert jedoch die Bedenken gegenüber dieser Technik. Probleme gibt es viele, von der technischen Umsetzung über die ökonomische Effizienz bis hin zu regulatorischen Problemen und fehlenden Speichermöglichkeiten.

Bisher wird die Technologie nur in sehr kleinem Maßstab erfolgreich angewendet. Ob CCS auch bei großen Kohlekraftwerken einsetzbar ist, bleibt offen. Neben der technischen Komponente gibt es auch große ökonomische Risiken. Die nötigen Investitionskosten für ein Kohlekraftwerk mit CO2-Abscheidung inklusive Speicherung und Transport könnten sich schätzungsweise fast verdoppeln. Außerdem sinkt der Wirkungsgrad von Kraftwerken erheblich, da die Abscheidung viel der erzeugten Energie selbst verbraucht. Das hat natürlich Auswirkungen auf den Strompreis.

Nicht zuletzt darf bezweifelt werden, dass für einen großflächigen Einsatz der Technologie genug Speicherkapazität zur Verfügung stehen wird. Auch wenn das Risiko für Mensch und Natur als gering eingeschätzt wird, nimmt der öffentliche Wiederstand in betroffenen Regionen zu. Landesregierungen ziehen nach.

Diese Probleme sind nicht erst seit dem DIW-Forschungsbericht bekannt, dennoch geht die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept davon aus, dass CCS bis 2025 kommerziell genutzt werden kann. Dies ist laut DIW „sehr unrealistisch“. Das wirtschaftsnahe Institut empfiehlt indes die finanziellen Mittel in markterprobte Technologien wie die erneuerbaren Energien zu investieren.

Oliver Hölzinger

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