„Bionicum“: lernen von der Natur

Bionik
Bionik

Immer mehr Forscher nehmen sich die seit Jahrmillionen durch die Evolution perfektionierten biologischen Abläufe der Natur zum Vorbild, um diese auf unsere menschlichen Technologien zu übertragen. Dieses vielversprechende Forschungsfeld nennt sich Bionik, eine Wortkreation aus Biologie und Technik. Die Natur bietet ein fast unerschöpfliches Reservoir an tech-nologischen Konzepten – wir müssen uns nur bedienen. Wie gewaltig dieser Ideenreichtum ist, zeigt seit 2014 die Ausstellung „Bionicum“ im Nürnberger Tiergarten. HYPERRAUM.TV-Reporterin Susanne Päch war dort zu Besuch und ließ sich von dem Geo-Ökologen Dr. Korbinian Freier durch die Welt der biologischen Artenvielfalt führen. Warum es so wichtig ist, diese Vielfalt zu bewahren, erfahren Sie in unserem heutigen HYPERRAUM.TV-Videobeitrag.

Schon Leonardo da Vinci erkannte, dass die Natur menschlichen Technologien durch die im Zuge der Evolution perfektionierten Prozesse meilenweit voraus ist. Sein Traum war es, ein Gerät zu bauen, mit dem die Menschen wie Vögel durch die Lüfte segeln können. Dazu erforschte er den Flug der Vögel und die Strömung der Luft beim Fliegen. Obwohl das erste Fluggerät der Welt niemals wirklich abhob, zeigt es, dass bereits vor Jahrhunderten an bionischen Technologien geforscht wurde. Da Vinci gilt heute bei vielen als historischer Begründer der Bionik. Der Begriff selbst entstand jedoch erst Mitte des 20. Jahrhunderts.

Heute findet die Bionik in fast allen Bereichen menschlicher Technologie Anwendung. Eines der bekanntesten Beispiele aus unserem Alltag ist der Klettverschluss. Die „Große Klette“ (Arctium lappa) besitzt Früchte mit Borsten, deren Spitzen winzige elastische Häkchen tragen. Dadurch haften die Kletten am Fell der Tiere oder an der Kleidung von uns Menschen. So stellt die Klette sicher, dass ihre Früchte weiterverbreitet werden. Dem Schweizer Erfinder Georges de Mestral kam schließlich die Idee, diesen Haftmechanismus der Natur dazu zu verwenden, zwei Materialien miteinander zu verbinden. Der Klettverschluss war geboren.

Auch in der Materialforschung kommen biologische Phänomene seit Jahren verstärkt zum Einsatz. So entwickelte der niederländische Mikrobiologe Hendrik Jonkers eine Betonmischung auf Basis von Bakterien, die auf bio-logische Weise Kalkstein produzieren (CEP berichtete). Der neuartige Beton ist dadurch in der Lage, sich selbständig zu reparieren, sobald sich in der Betonstruktur Risse bilden. Aufwendige Instandhaltungsarbeiten entfallen dadurch – die Lebendauer des selbstheilenden Betons wird deutlich verlängert.

Das wahrscheinlich älteste Beispiel dafür, wie wir Menschen von der Natur lernen können, ist der sogenannte Lotuseffekt – die Selbstreinigung von Pflanzen. Der Botaniker Prof. Dr. Wilhelm Barthlott beobachtete in den 1970er Jahren, dass die Blätter der Lotusblume immer sauber und trocken sind. Durch mikroskopisch kleine Wachskristalle auf der Blattoberfläche kann Wasser und Schmutz dort nicht haften bleiben – die Pflanze reinigt sich selbst. Viele von uns haben das Phänomen schon beobachten können: Wenn Wasser auf das Blatt trifft, perlt es in Form großer Tropfen ab. Dieser Effekt wurde nach jahrzehntelanger Forschung schließlich erfolgreich auf unsere Technologie übertragen: heute gibt es zum Beispiel Fenster, die nach dem Vorbild der Lotusblume so beschichtet sind, dass Wasser sofort abperlt und Schmutz nicht haften bleibt.

Und das sind nur einige Beispiele dafür, wie wir von Mutter Natur und der Evolution gelernt haben. Durch die schier unerschöpfliche biologische Vielfalt werden wir auch in Zukunft immer mehr Technologien nach ihrem Vorbild entwickeln können. Umso wichtiger ist es, das Artenreichtum zu bewahren, sagt Geo-Ökologe Dr. Korbinian Freier vom bayerischen Landesamt für Umweltforschung, denn „die Artenvielfalt ist die Grundlage für die Bionik“.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Bionik: Revolutionäre Methode zur Wasseraufbereitung entwickelt
  • Partnerschaft CleanEnergy Project und HYPERRAUM.TV
  • Bionik: Der Natur-Architekt

Sie zu schützen sei also nicht nur eine ethisch-moralische Verpflichtung, sondern auch für den weiteren Erfolg der Bionik von größter Be-deutung. Unter diesem Motto steht auch die Ausstellung „Bionicum“ im Nürnberger Tier-garten, die im Sommer 2014 eröffnet wurde. Dr. Susanne Päch hat Freier, der den Aufbau der Ausstellung geleitet hat, im Bionicum besucht und sich mit ihm über die Artenvielfalt, die Bionik und den gewaltigen Ideenreichtum der Natur unterhalten.

In unseren heutigen HYPERRAUM.TV-Beitrag erfahren Sie alles über die Grundlagen der Bionik und lernen, warum es nicht reicht, die Ideen der Natur einfach zu kopieren. Zudem zeigen wir Ihnen, welches unglaubliche Potenzial die Natur für die Entwicklung grüner Technologien birgt und wohin uns die Bionik möglicherweise führen kann. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen.

Weiterführende Links zum Thema finden Sie auf HYPERRAUM.TV

Quellen: Wissen.de / Bayerischer Rundfunk

Add comment