Aus Müll mach Haus

Jeder Weltreisende hat das schon einmal erlebt: Ob in Städten oder Oasen, in Canyons, Wüsten oder am Strand – weggeworfene Plastikflaschen sind allgegenwärtig. Auf die zunehmende Vermüllung gerade in Entwicklungsländern gibt der deutsche Unternehmer und gelernte Zimmermann Andreas Froese nun eine zukunftsweisende Antwort: Er nutzt die leeren Flaschen, um damit billige Häuser zu bauen.

Die Rede ist von den global verbreiteten Plastikflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET), die in zweifacher Hinsicht als Hilfsmittel in Entwicklungs- oder Krisenländern genutzt werden können. Erst liefert die Plastikflasche das lebenswichtige Wasser – und anschließend entstehen aus den geleerten Flaschen ganze Häuser.

Um einen Bauplatz zu bekommen, müssen die Bewohner der Elendsquartiere ihre alten Behelfsunterkünfte abbrennen. Notwendiges Übel und gleichzeitig eine Vertrauensübung. Sie bekommen dann von Froeses Organisation ECO-TEC für die Bauzeit einen Notverschlag zugewiesen.

Dann kommt ein Lkw aus der nächsten Stadt, bis oben hin gefüllt mit PET-Plastikflaschen. Erde, Sand und Bauschutt wird durch große Siebe geschüttet, eine Flasche nach der anderen wird mit Dreck gefüllt – das ergibt das neue Baumaterial. Alternativ können auch Tierhaare verwendet werden.

Einheimische Maurer, die von ECO-TEC engagiert worden sind, kommen und zeigen, wie die Flaschen aufeinander geschichtet, mit Lehm oder Mörtel verputzt und mit alter Nylonschnur oder Stacheldraht verbunden werden. Wände und Fenster entstehen, aus PET-Flaschen gemauerte Rundpfosten verstärken die Ecken der Häuser, das Dach ist aus Blech. Am Ende wird der Bau mit Lehm abgedichtet und – bei Bedarf – angemalt.

Fünfzig Bauten hat ECO-TEC so mittlerweile realisiert, in Honduras, Kolumbien und Indien. Neben Wohnhäusern werden auch Wassertanks nach demselben Konstruktionsschema gebaut für bis zu 24.000 Liter Flüssigkeit. Eine durchaus nachhaltige Bauweise: Froeses Bauten haben schon Erdbeben bis zur Stärke 7,3 überstanden, ohne Schaden zu nehmen.

Jedes Haus kostet trotz der Verwendung der kostenlosen PET-Flaschen um die 3.000 Dollar, die für den Zinn für das Dach, für Zement und Kies gebraucht werden. Dieses Geld kommt von der irisch-katholischen Entwicklungsorganisation Trocaire. Zur Not lässt sich ein Dach aber auch aus alten Schläuchen von Autoreifen basteln, und statt Zement tut es auch Lehm, der leicht nachzubessern ist.

Ein Projekt mit Zukunft, aber schon jetzt könnten viele Menschen von Froeses Erfindung profitieren: In Haiti droht nach dem schrecklichen Erdbeben die nächste Katastrophe, wenn im Mai die Regenzeit beginnt und danach die Hurrikan-Saison einsetzt. Millionen hätten dann kein Dach über dem Kopf. PET-Flaschen hingegen gibt es in dem Karibikstaat mehr als genug.

Daniel Seemann

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