Tag gegen Lärm

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Lärm gehört zu den gravierenden Umweltproblemen unserer Zeit, denn die ständige Geräuschbelastung kann zu gesundheitlichen und psychischen Schäden führen. Seit 1998 findet daher auch in Deutschland der „Tag gegen Lärm“ statt, bei dem mit zahlreichen Veranstaltungen und Informationen über das Problem und Lösungsansätze informiert wird. In diesem Jahr steht die Aktion am 27. April unter dem Motto: „So geht leise!“

Lärm wird in vielen Alltagssituationen zur Belastung. Dabei zeigen Studien, dass verschiedene Lärmquellen in unterschiedlichem Maße als störend empfunden werden. Besonders der Verkehrslärm wird von den meisten Menschen als starke Belästigung erlebt. Durch den Straßenverkehr fühlen sich im Alltag mehr als die Hälfte der Deutschen belästigt. Dazu kommen natürlich weitere Geräuschquellen wie Baulärm, Fluglärm, Industrie- und Gewerbelärm, Nachbarschaftslärm, Lärm durch Geräte und vieles mehr.

Aber was ist Lärm überhaupt? Die Broschüre des „Tag gegen Lärm“ erläutert dies folgendermaßen: Geräusche werden durch Schall verursacht, der durch Schwingungen und dem wellenförmigen Druck einer Schallquelle zustande kommt: Ein Ton wird umso höher empfunden, je größer die Anzahl der Schwingungen (Frequenz) ist, bei großem Druck (Dezibel) wird der Ton umso lauter gehört. Das, was als Lärm empfunden wird, ist zunächst vom Geräusch selbst abhängig. Die physikalischen Größen des Geräusches – Frequenz und Schalldruckpegel – haben Einfluss auf die Wahrnehmung jedes Einzelnen. Insgesamt kann man den Lärm jedoch nicht als physikalische Größe, sondern als einen „sozialen Begriff“ bezeichnen. Grund dafür ist das zusätzliche subjektive Empfinden des Menschen, der verschiedene Geräusche unterschiedlich beurteilt.

Zum einen spielt bei der Wahrnehmung die aktuelle Situation, in der sich der Betroffene befindet, oder seine momentane Tätigkeit eine Rolle. Zum anderen ist das Lärmempfinden jedes einzelnen Menschen anders, so dass die verschiedensten Geräusche und deren Pegel vom Hörenden subjektiv in unterschiedlicher Weise eingestuft werden. Lärm ist deshalb mit physikalischen Geräten nicht klar messbar und Grenzen zwischen angenehmen und störenden Geräuschen schwer festzulegen.

Lärmthermometer

Lärm wirkt sich nachweislich negativ auf die Gesundheit aus. Durch häufige, lang anhaltende Geräuschbelastungen können Sinneszellen im Innenohr absterben und so Hörschäden bis hin zur Taubheit entstehen. Zudem wirkt Lärm als Stressfaktor und begünstigt verschiedene Krankheiten, wie zahlreich Studien belegt haben. Die permanente Belastung kann unter anderem Blutdruckanstieg, die Erhöhung der Herz- und Atemfrequenz sowie Veränderungen bei der Durchblutung bewirken und ist ein potenzieller Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hinzu kommt eine psychische Belastung, die Konzentrationsprobleme, Gereiztheit sowie Nervosität verursachen und die Lernfähigkeit sowie Gedächtnisfunktion beeinträchtigen kann. Nach Studien des Umweltbundesamtes sind rund 4,8 Millionen Menschen gesundheitsgefährdendem Lärm ausgesetzt.

„So geht Leise“

Lärm als gesellschaftliches Problem, dessen Belastung reduziert werden muss, wurde bereits vor Jahren erkannt. In der Politik trat 2002 die „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung und die Bekämpfung von Umgebungslärm” in Kraft und wurde 2005 in deutsches Recht umgesetzt. Im Zuge der politisch geförderten Maßnahmen werden beispielsweise strategische Lärmkartierungen für alle Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen sowie für alle Ballungsräume durchgeführt. Auf deren Grundlage werden unter Mitwirkung der Öffentlichkeit Lärmaktionspläne erstellt und Maßnahmen getroffen. Dazu gehören unter anderem Verkehrsberuhigung, Tempo-30-Zonen sowie der Einsatz von Flüsterasphalt.

Quelle: Flyer zum Tag gegen Lärm 2016 © DEGA

Auch die Industrie beschäftigt sich mit diesem Problem und arbeitet an der Weiterentwicklung von Produkten wie lärmarmen Reifen, Motoren, Turbinen oder Bremsen bis hin zu leiseren Garten- und Haushaltsgeräten.

Eine weitere wirksame Maßnahme ist der gezielte Einsatz vom Bepflanzungen und grünen Lärmschutzwänden, die einige Vorteile gegenüber ihren nicht pflanzlichen Alternativen bieten. Eine Forschungsarbeit des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP untersuchte die Optimierung der Abschirmwirkung von Hecken und Gehölzen als Schallschutzpflanzen. Forschungsziel der 2011 veröffentlichen Arbeit war es, Kenntnisse über eine geeignete Gestaltung von Schallschutzhecken und deren Wirkung zu erhalten (IBP-Bericht B-BA 4/2010).

Heute gibt es entsprechende Zertifizierungen und DIN-Normen, die ausweisen, wie wirksam begrünte Schallschutzwände sind. Beispiele, wie die Pflanzen-Schallschutzwand ‚Helix Compacta‘, erreichen mit einer DIN EN 1793-2 Einstufung die höchste Gruppe (B3) für die Luftschalldämmung einer Lärmschutzwand. Integrierte Bewässerungs- und Düngeanlagen garantieren, dass die Pflanzen ausreichend versorgt werden. Im Idealfall wird das Regenwasser von den Dächern der umliegenden Häuser in einer Zisterne gesammelt und für die Bewässerung genutzt. Aber die grünen Wände können noch mehr: Durch die beidseitige Bepflanzung entsteht eine große Vegetationsfläche, die Sauerstoff produziert und Schadstoffe aus der Luft bindet sowie durch Verdunstung Feuchtigkeit abgibt, was im Sommer für Abkühlung im urbanen Raum sorgt und zu einer Verbesserung des Mikroklimas führt.

Der „Tag gegen Lärm – International Noise Awareness Day“ ist eine Aktion der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA), wird vom Arbeitsring Lärm der DEGA (ALD) und deren DEGA-Fachausschüssen organisiert und von zahlreichen Berufsgenossenschaften und Firmen aus Branchen wie Akustik, Baugewerbe, Pflanzensysteme uvm. unterstützt.

Quellen und weitere Informationen:
http://www.tag-gegen-laerm.de/
http://www.ibp.fraunhofer.de/de/Kompetenzen/akustik/Projekte/Schallschutzpflanzen.html

 

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