Supercomputer errechnet düstere Klimaszenarien

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A melting ice floe in the Arctic Ocean

Da die Entwicklung des Klimas von sehr vielen verschiedenen Faktoren abhängt, sind genaue Vorhersagen äußerst schwierig zu treffen. Wissenschaftler greifen dafür auf Hochleistungscomputer zurück, die aus den verschiedenen Variablen mögliche Szenarien errechnen. Ende Februar haben Forscher des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M) und des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ) ihre aktuellsten Prognosen präsentiert und diese sind leider alles andere als zuversichtlich.

Sollten die CO2-Emissionen nämlich weiter ungebremst ansteigen, dürfte uns bis 2100 eine Erwärmung um bis zu vier Grad im globalen Mittel bevorstehen. Jochem Marotzke, Direktor des MPI-M und stellvertretender Vorsitzender des Weltklima-Forschungsprogramms, drückt es zwar noch diplomatisch aus und meint wir würden „weltweit mehr länger anhaltende und auch drastischere Hitzewellen haben“, aber die Folgen wären wohl sehr viel umfassender und verheerender.

Doch Marotzke hat auch eine gute Nachricht, deren Eintreffen allerdings ein höchst engagiertes Handeln der Menschheit erfordert: „Unsere jetzt gerade fertig gestellten Rechnungen haben gezeigt, dass wir tatsächlich die Erwärmung im Laufe dieses Jahrhunderts auf unter zwei Grad begrenzen können. Allerdings erfordert das eine drastische Minderung in den Kohlendioxidemissionen.“ Doch da wir von einer wirkungsvollen globalen Klimapolitik leider noch meilenweit entfernt sind, ist eine derartige Entwicklung wohl nicht besonders realistisch.

Saure Ozeane und schmelzende Eisflächen

Neben dem Temperaturanstieg prophezeien die Klimamodelle außerdem eine Versauerung der Weltmeere, an die sich viele Organismen wohl nicht schnell genug anpassen können. Laut Dr. Johann Jungclaus, Ozean-Experte am MPI-M, betrifft das ganz besonders „Kalk bildende Organismen wie Muscheln und Korallen“.

Auch das Sommereis im arktischen Meer schmilzt deutlich schneller als bisher angenommen. Sollte die Emission klimaschädlicher Treibhausgase noch weiter zunehmen, könnte das arktische Sommermeereis bereits in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts völlig verschwunden sein. Und bei weiteren Temperaturanstiegen wird irgendwann auch das Wintermeereis abgeschmolzen sein.

Ob die Vorhersagen in dieser Form tatsächlich eintreffen werden, steht zwar noch in den Sternen, aber sie werden auf jeden Fall nächstes Jahr in den Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) einfließen.

Langwieriger Berechnungsprozess

Um einen Eindruck von der Komplexität derartiger Klimamodell-Berechnungen zu erhalten, helfen ein paar Informationen über ihre Entstehung. Die von den Wissenschaftlern präsentierten Ergebnisse wurden auf einem speziellen Höchstleistungsrechner durchgeführt, der eine Rechenleistung von 158 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde hat. Trotzdem hat die Simulation der rund 13.000 Jahren Klimaentwicklung über zwei Jahre hinweg ein Viertel der Gesamtprozessorleistung beansprucht. Laut Prof. Dr. Thomas Ludwig, Geschäftsführer des DKRZ, entspricht diese Rechenleistung „etwa 30 Millionen Prozessorstunden herkömmlicher Computer“. Das sind 3.422 Jahre.

Matthias Schaffer

 

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