Studie: Zwei Grad sind auch schon zuviel

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Auch bei einer globalen Erwärmung von max zwei Grad wird das Wetter künftig immer extremer werden.

Schweizer Klimatologen haben anhand von Modell-simulationen errechnet, welche Auswirkungen eine globale Erwärmung um durchschnittlich zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf das Wetter auf der Erde hätte. Das Ergebnis ist beängstigend: den Forschern zufolge sei bereits bei dieser Temperaturerhöhung deutlich häufiger mit Wetterextremen wie ausgeprägten Hitzewellen und heftigen Niederschlägen zu rechnen. Der Weltklimarat (IPCC) geht momentan noch davon aus, dass eine Erwärmung um maximal zwei Grad gerade noch vertretbar ist und dadurch der Planet vor irreparablen Schäden weitgehend geschützt bleibt. Doch nun sieht es so aus, als könnte das zu optimistisch gewesen sein.

Warm war es im vergangenen Jahr wie in bislang keinem anderen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Temperatur lag 2014 laut Wetterstationen auf der ganzen Welt 0,69 Grad über dem Temperaturdurchschnitt des 20. Jahrhunderts. In der Arktis und in manchen Regionen Russlands war es sogar um bis zu zehn Grad wärmer als in der Vergangenheit. Dieser Trend wird sich auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten fortsetzen, sind sich die meisten Klimatologen sicher. Der IPCC befürchtet, dass sich die Erde in Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels bis zum Ende des Jahrhunderts um circa vier Grad Celsius gegenüber dem Zeitalter vor der Industrialisierung aufheizen wird, sollte nicht bald eine globale Trendwende hin zu mehr Klimaschutz stattfinden und warnt vor den verheerenden Auswirkungen, die das für alles Leben auf dem Planeten haben würde.

Deshalb, so das Ziel des IPCC, müsse die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter eingegrenzt werden. Nur so könnten die schlimmsten Folgen des Klimawandels verhindert werden. Maximal zwei Grad mehr – dieses Ziel verfolgen auch immer mehr Nationen und stützen ihre Klimaschutzmaßnahmen auf dieses Limit. Viele Experten glauben allerdings, dass das Zwei-Grad-Ziel scheitern wird, denn noch immer werden weltweit viel zu große Mengen Treibhausgase emittiert und jedes Jahr werden es mehr. Und damit nicht genug: Selbst wenn die Zwei-Grad-Marke nicht überschritten wird, und die globale Erwärmung sich wirklich in diesem Bereich stabilisieren sollte, könnten die Folgen bereits so schwerwiegend sein, dass in vielen Teilen der Erde das Wetter immer extremer wird. Hitzeperioden und Überschwemmungen fänden dann wesentlich häufiger statt, als es heute ohnehin schon der Fall ist.

Zu diesem erschreckenden Ergebnis kamen jetzt Schweizer Klimaforscher von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Die Forscher simulierten anhand von Modellen das Wetter von 1901 bis 2005 und berechneten außerdem die zukünftigen Wetterlagen auf der Erde bis 2100. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin „Nature Climate Change“. Was sie dabei herausfanden, wirft die Frage auf, ob das Zwei-Grad-Ziel wirklich als „akzeptabel“ bezeichnet werden kann.

Denn den Autoren der Studie, Klimaforscher Erik Fischer und Reto Knutti zufolge, sei die menschengemachte globale Erwärmung schon heute verantwortlich für 75 Prozent aller extremen Hitzewellen und rund 20 Prozent der lang andauernden, starken Regenfälle. Mit anderen Worten: Schon heute gehen drei Viertel aller Hitzewellen und fast ein Fünftel aller extremen Regenfälle auf das Konto der Menschheit und ihrer enormen Treibhausgas-Emissionen. Und das, obwohl sich der Planet bislang „nur“ um 0,85 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Temperaturdurchschnitt erwärmt hat. Bis zur „magischen“ zwei Grad Grenze fehlen also noch 1,15 Grad.

Sollte sich die Erde letztendlich um die zur Zeit als „vertretbar“ bezeichneten zwei Grad erwärmen, steigt laut der beiden Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit von Hitzetagen im Vergleich zur Gegenwart um das Fünffache. Ähnlich heftige Auswirkungen hätte das auf die extremen Regenfälle. Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad wären dann 40 Prozent solcher Niederschlagsextreme auf den Klimawandel zurückzuführen.

Grundsätzlich bestätigen die Klimatologen, dass durch die Klimaerwärmung – je nach Ausmaß – die Wetterextreme künftig immer mehr zunehmen werden. „Kleine Unterschiede im Temperaturanstieg machen viel aus“, sagte Studienleiter Fischer dazu. In unseren Breitengraden wird es den Forschern zufolge wahrscheinlich immer häufiger zu langanhaltenden heftigen Regenfällen kommen, in ohnehin bereits heißen, trockenen Regionen ist künftig mit noch weniger Regen und noch heißeren Temperaturen zu rechen. Für die dort lebenden Menschen bedeutet das ein echtes Problem, da sie schon heute mit Dürren und Wasserknappheit zu kämpfen haben.

In einem Begleitartikel zu der Studie schrieb der Klimatologe Peter Scott, die Ergebnisse der Studie seinen bemerkenswert und wenig fehleranfällig. Durch die Arbeit könnten in Zukunft verlässlichere Prognosen bezüglich der Auswirkungen der globalen Erwärmung auf Wetterextreme getroffen werden. Er weißt jedoch darauf hin, dass weitere Forschungen nötig sind, um auch regionale Auswirkungen des Klimawandels zu berechnen. Auch ob extreme Wetterereignisse wie Hagel oder Tornados vom Klimawandel beeinflusst werden, konnten die beiden Forscher bislang nicht nachweisen, jedoch auch, weil diese oft nicht erfasst werden, so Fischer.

Dennoch haben die Klimaforscher belegt, welch großen Einfluss die von uns verursachte globale Erwärmung schon heute – bei nur 0,85 Grad mehr – auf unser tägliches Wetter, und damit unser Leben hat. Sollten die Temperaturen um zwei Grad steigen, wird dieser Einfluss noch deutlich zunehmen. Was passiert, wenn die Temperaturen wirklich um bis zu vier Grad Celsius oder mehr gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung steigt, so wie es der IPCC befürchtet, dazu haben sich die beiden Forscher nicht geäußert. Klar ist jedoch: Die Auswirkungen werden weit schlimmer sein als bei einem Temperaturanstieg von „nur“ zwei Grad.
 

One Response

  1. SigismundRuestig

    1. Mai 2015 10:24

    Politik und Klimaforscher jagen derzeit dem sogenannten 2 Grad-Ziel hinterher. Im wesentlichen geht es dabei um eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen (u.a. CO2) in die Atmosphäre, um die Erderwärmung bis 2030 auf 2 Grad zu begrenzen. Allerdings führt die Erderwärmung u.a. zum Auftauen der Permafrostböden, was wiederum zu einer Freisetzung von Kohlenstoffgasen (vorwiegend Methan) führt. Dieser Effekt ist noch gar nicht in den Klimamodellen abgebildet. In den oberen 3 Metern der Permafrostböden weltweit sind rd. 1000 Giga Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Im Vergleich hierzu: in der gesamten Erdvegetation weltweit sind rd. 600 Giga Tonnen Kohlenstoff gespeichert!
    Daraus lässt sich vermuten, dass die Klimaziele bei den halbherzigen, zusätzlich mit Rechentricks geschönten Aktionen unserer Klimapolitik krachend verfehlt werden.
    Was tun? Klimaschutzziele weiter verschieben? Auf die nächste Eiszeit warten?
    Diese Frage hat sich auch Singer-Songwriter Sigismund Ruestig gestellt:
    http://youtu.be/s7Ivdm2-ZCQ

    http://youtu.be/-q0gF597WEA
    Viel Spaß beim Anhören.

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