Studie: Was beeinflusst den Bio-Konsum?

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Nachfrage Bio-Konsum
Nachfrage Bio-Konsum

Mittlerweile findet man in Deutschland bereits seit zwanzig Jahren Bio-Produkte. Dabei ging es den ersten Bio-Pionieren weniger um die gesunde Ernährung, als um die Schonung der Umwelt und der Natur. Sie wollten Nutztieren bessere Lebensbedingungen ermöglichen und eine kleinbäuerliche, regionale und saisonale Versorgung mit Lebensmitteln erhalten. Auch heute gibt es noch Bio-Liebhaber, die diesen Idealen folgen. Trotzdem sind die Motive heutiger Konsumenten von Bio-Lebensmitteln oft andere.

In einer Zeit vermehrter Lebensmittelskandale, genmani-pulierter Nahrungsmittel und Etikettenschwindels, wünschen sich die Konsumenten verstärkt Transparenz, kontrollierten Anbau und unbedenkliche Produkte. Dabei ist der deutschen Bio-Kunde zu einem „egoistischen“ Konsumenten geworden – zu dem Schluss kommt zumindest eine Studie der Universität Göttingen. Unter dem klangvollen Titel „Mature and Emerging Organic Markets: Modelling Consumer Attitude and Behaviour With Partial Least Square Approach, Journal of Food Products Marketingveröffentlichten Dr. Marie von Meyer-Höfer und ihr Team von Nachwuchswissenschaftlern der Universitäten Göttingen und Talca die Untersuchungsergebnisse einer 2012 durchgeführten Umfrage.

Im Rahmen der Studie wurden Online-Umfragen in Deutschland und Chile durchgeführt. Dies sollte einen Vergleich zwischen einem hochentwickelten und einem entstehenden Bio-Markt ermöglichen. Insgesamt nahmen in Deutschland 283 und in Chile 284 Menschen an der Umfrage teil. Dabei wurden Personen befragt, die zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt oder älter waren. Sowohl die deutschen als auch die chilenischen Befragten leben zum Großteil in urbanen Gebieten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Viele von ihnen stammen vorrangig aus Familien mit einer höheren Bildung und einem vergleichsweise hohen Einkommen. Auf Grundlage ihrer Angaben wollte das Team aus Göttingen unter anderem feststellen, welche Motive die Menschen bei dem Kauf von Bio-Produkten haben und ob es einen signifikanten Unterschied zwischen hochentwickelten und entstehenden Bio-Märkten gibt.

„Der Markt für Bio-Lebensmittel wächst nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern, in denen der Öko-Landbau keine solch lange Tradition hat wie in Deutschland“, erklärt Dr. Marie von Meyer-Höfer vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen und Leiterin der Studie. Dabei finden sich heute, neben den Vorstellungen, welche die deutschen Pioniere vor zwanzig Jahren noch verfolgten, noch viele andere Motive. „Häufig geht es dabei heute jedoch um egoistische Interessen, wie die eigene Gesundheit. In Chile lassen sich derzeit ähnliche Konsummotive wie in Deutschland vor 20 Jahren beobachten. Die eher eigennützig geprägten Bio-Konsummotive spielen in Chile bisher eine untergeordnete Rolle“, so Dr. von Meyer-Höfer.

Während in Deutschland mittlerweile in jedem Supermarkt Bio-Lebensmittel erhältlich sind, gibt es in Chile bisher nur eine begrenzte Anzahl an Läden und Restaurants, die diese anbieten. Diese begrenzte Verfügbarkeit stellt momentan das größte Hindernis für eine weitere Entwicklung des Bio-Marktes in Chile dar. Hier sieht die Studienleiterin insbesondere die Politik in der Pflicht: „Es ist […] vor allem Aufgabe der Politik, Anreize für den Ausbau des chilenischen Bio-Marktes und der dazugehörigen Information zu schaffen.“

Es ist fraglich, ob man die Motive der deutschen Konsumenten einfach als egoistisch über einen Kamm scheren kann, wo sie doch um einiges vielschichtiger zu sein scheinen. Hinzu kommt, dass Konsum immer in gewisser Weise ein „egoistischer Akt“ ist, sodass es schwierig ist einen Produktkauf entweder als selbstlos oder als egoistisch zu bewerten. Auch ist es schwierig zu sagen, ob angesichts der vielen Skandale der letzten Jahre die Frage der eigenen Gesundheit beim Lebensmittelkauf nicht vielleicht doch eine Grundsatzfrage ist, die sich nicht nur deutschen Konsumenten stellt.

Vollständige Studie

Quelle: http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=5226

 

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