Studie: Fracking kann Frühgeburten begünstigen

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Fracking - Schwangerschaft
Fracking - Schwangerschaft

Laut einer neuen US-Studie birgt die umstrittene Fördermethode Fracking ein Gesundheitsrisiko für Schwangere. Für werdende Mütter, die in der Nähe von Fracking-Gebieten leben, besteht demnach eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit für Frühgeburten, wie die Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore herausfanden. Ihre Studie haben sie die in der Fachzeitschrift Epidemiology veröffentlicht.

Während Fracking in Deutschland weiterhin höchst umstritten ist, erleben die USA seit Jahren einen regelrechten Fracking-Boom. Bei der Fördermethode wird ein Gemisch aus Wasser und verschiedenen Chemikalien (sog. Frack-Fluide) unter hohem Druck in den Boden gepresst. So wird das umliegende Gestein poröse gemacht, und das Öl- oder Gasvorkommen kann wesentlich leichter, und damit billiger ausgebeutet werden. Für die Bohrunternehmen ist das ein lukratives Geschäft.

Fracking-Gegner warnen hingegen immer wieder vor den vielfältigen Gefahren der Fördermethode. Sogar Erdbeben sollen durch die riskante Technologie bereits ausgelöst worden sein. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die eingesetzten Chemikalien bis ins Grundwasser und somit in unsere Brunnen gelangen können. Die Bohrunternehmen versichern zwar immer wieder, es würden Sicherheitsmaßnahmen getroffen, die dies verhindern, dennoch gab es vor allem in den USA immer wieder Vorfälle, bei denen die Chemikalien in Brunnen oder anderen Gewässern nachgewiesen wurden.

Ein weiteres Problem: Die Bohrunternehmen sind nicht dazu verpflichtet, die von ihnen eingesetzten Chemikalien transparent zu machen. Und so bleibt die Zusammensetzung der Frack-Fluide oft ein Geheimnis. Viele der eingesetzten Mittel sind jedoch als wassergefährdend, giftig für den Menschen oder krebserregend eingestuft. Substanzen also, die sicherlich niemand in seinem Trinkwasser haben will – auch und vor allem nicht, wenn man schwanger ist.

Wie US-Forscher jetzt herausfanden, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Frühgeburten und Fracking. Demnach besteht für Schwangere, die in der Nähe von großen Bohrstellen leben, im Vergleich zu Frauen in entfernteren Regionen eine um 40 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für Frühgeburten vor der 37 Schwangerschaftswoche. Zudem sind Komplikationen bei der Schwangerschaft ebenfalls um ein Drittel wahrscheinlicher.

Das fanden die Forscher anhand von Daten des Environmental Health Institute (EHI) heraus. Die Organisation untersucht den Einfluss verschiedener industrieller Prozesse, wie beispielsweise Landwirtschaft und Energieerzeugung auf die menschliche Gesundheit. Ihr Geisinger Health System erfasst dabei Daten aus Zentral- und Nord Pennsylvania, zum Beispiel den Verlauf einer Schwangerschaft. Insgesamt prüften die Forscher in diesem Gebiet fast 9.400 werdende Mütter.

Obwohl die Studie eindeutig gezeigt habe, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Frühgeburten bzw. Risikoschwangerschaften und Fracking bestehe, konnten die Forscher den genauen Grund dafür bislang nicht ermitteln. Professor Brian S. Schwartz, der Hauptautor der Studie glaubt, dass vor allem die starke Belastung der Umwelt dafür verantwortlich ist. In Pennsylvania gab es im Jahr 2006 weniger als 100 Fracking-Spots, heute sind es über 8000. Dieselabgase und das geförderte Gas verschmutzen die Luft in der Nähe der Bohrlöcher nachweislich. Zudem könne sich auch der Stress, der entstehe, wenn eine werdende Mutter nah an eine Bohrloch wohne, negativ auf die Schwangerschaft auswirken. Hier nennt er unter anderem Baulärm und erhöhtes Verkehrsaufkommen.

Die Forscher sagen, die Politik müsse endlich verstehen, dass Fracking die Gesundheit der Bevölkerung nachweislich gefährde, und dies für die Zukunft der Fördermethode berücksichtigen. „Die ersten Studien haben alle Auswirkungen auf die Gesundheit nachgewiesen“, sagt Schwartz. „Unter diesem Eindruck müssen sich Politiker gut überlegen, wie die Zukunft dieser Industrie aussehen soll.“

Quelle: Bloomberg School of Public Health / Geisinger / Epidemiology

 

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