Studie: Die Energiewende wird zur Weltbewegung

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Fast überall auf der Welt werden die Erneuerbaren ausgebaut und weniger Strom mit fossilen oder nuklearen Kraftwerken erzeugt.
Fast überall auf der Welt werden die Erneuerbaren ausgebaut und weniger Strom mit fossilen oder nuklearen Kraftwerken erzeugt.Fast überall auf der Welt werden die Erneuerbaren ausgebaut und weniger Strom mit fossilen oder nuklearen Kraftwerken erzeugt.

Deutschland war ein wichtiger Startpunkt für die globale Energiewende. Doch andere Länder haben mittlerweile die Nase vorn bei der regenerativen Energieerzeugung. Überall auf der Welt wird der Ausbau Erneuerbarer Energien vorangetrieben und man verabschiedet sich zunehmend von fossilen und nuklearen Kraftwerken, so das Ergebnis einer Studie des WWF und von LichtBlick.

Mit der Studie wurde analysiert, wie sich der globale Energiesektor in den letzten Jahren verändert hat und wohin der Trend uns führt. 

Die deutsche Energiewende gilt als das Beispiel schlechthin, wenn vom Anbruch des Ökozeitalters die Rede ist. Übersehen wird aber, dass in vielen anderen Ländern seit Jahren ebenso große Anstrengungen unternommen werden, um die Abhängigkeit von fossilen Energien und nuklearen Kraftwerken zu verringern. Der aktuelle Report „Megatrends der globalen Energiewende“ der Naturschutzorganisation WWF und des Energie- und IT-Unternehmen LichtBlick zeigt, dass die Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung in anderen Ländern weiter fortgeschritten ist und Deutschland seine Vorreiter-Rolle verloren hat. 

Für die Studie wurde analysiert, wie sich die Energiewende im globalen Maßstab in den letzten Jahren entwickelt hat. Die Ergebnisse sind ermutigend, zeigen aber auch, dass einige Länder ihre Anstrengungen noch weiter verstärken müssen, um im globalen Vergleich Schritt halten zu können. Die globale Energiewende sei kein Selbstläufer, so die Studienautoren. Es bedürfe einer klugen Politik, um sie weiter auszubauen sowie eine Gesellschaft und fortschrittliche Unternehmen, die als Treiber dieser Politik fungieren. Selbst dann bleibe sie ein Wettlauf mit der Zeit, deren Ausgang noch ungewiss ist. Es gehe fraglos um welthistorische Entwicklungen und um die existenzielle Frage, ob wir in Zeiten wachsender Weltbevölkerung die richtigen Entscheidungen treffen können.

Die Anfänge der globalen Energiewende sind zumindest ein Hoffnungsschimmer. Im Jahr 2013 wurde weltweit erstmals mehr erneuerbare als fossil-nukleare Kraftwerksleistung installiert. In 2014 floss mehr als doppelt so viel Geld in erneuerbare wie in fossile Anlagen, so die Ergebnisse der Studie. Außerdem hat sich die weltweit installierte Leistung der Photovoltaik seit der Jahrtausendwende verfünfzigfacht. Die Windenergie nahm im gleichen Zeitraum um den Faktor acht zu. Die Folge: Im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase im Energiesektor erstmals seit 40 Jahren nicht an – und das trotz steigender Wirtschaftskraft und weiterhin wachsendem Energieverbrauch.

Allein in China kamen im Jahr 2014 mehr als 23 Gigawatt Windenergieleistung hinzu, umgerechnet die Leistung von etwa 20 Atomreaktoren. In Deutschland waren es netto fast 5 Gigawatt, ein nationaler Allzeitrekord, und in den USA waren es mehr als 4,8 Gigawatt. Aber auch in Schwellenländern wie Brasilien (fast 2,5 Gigawatt) und Indien (mehr als 2,3 Gigawatt) erlebt die Windenergie einen Boom. Südafrika, mit lediglich 10 Megawatt installierter Leistung Ende 2013, startete 2014 regelrecht durch und verfügte zum Jahresende schon über 570 Megawatt Windenergieleistung.

„Tempo und Ausmaß des Wandels sind überraschend und ermutigend. Die richtigen politischen Rahmenbedingungen waren für diese Entwicklung die Voraussetzung. Die Menschen wollen die Energiewende. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen. Wir brauchen eine anspruchsvolle Klimapolitik und eine starke politische Flankierung der Energiewende, um die gezeigten Trends zu verstärken und zu beschleunigen“, so Eberhard Brandes, Vorsitzender der Geschäftsführung des WWF.

Deutschland sei zwar ein wichtiger Auslöser für die globale Energiewende gewesen, jedoch längst von anderen Ländern überholt worden, was den Ausbau und Nutzen von Erneuerbaren Energien betreffe. Dennoch habe die Bundesrepublik wichtige Verdienste zur globalen Energiewende geleistet. Der wichtigste sei die Erfindung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zum Anfang des neuen Jahrtausends gewesen. Weltweit übernahmen bisher 77 Staaten zentrale Elemente der deutschen Regelung.

Durch die Zahlung der EEG-Umlage über die Stromrechnung der deutschen Bevölkerung seien außerdem Milliardensummen in die Entwicklung und Erforschung Erneuerbare-Energien-Technologien gesteckt worden. Das habe sich mittlerweile als das erfolgreichste Entwicklungshilfeprogramm Deutschlands für die gesamte Welt herausgestellt. Und das komme letztendlich auch der Bundesrepublik zugute – als Treiber für den weltweiten Klimaschutz und die deutsche Exportwirtschaft, aber auch für das Handwerk in Deutschland und die regionale Wertschöpfung.

Doch zum Ausruhen auf alten Erfolgen bleibe keine Zeit, warnen die Studienautoren. Im Gegenteil: Angesichts der Energiewende-Dynamik in Ländern wie China oder den USA gefährde Deutschland seine langjährige Vorreiter-Rolle beim Aufbau eines neuen Energiesystems. Um erfolgreich zu bleiben, müsse die Bundesrepublik seine eigenen Stärken, seine Produkte, seine Verfahren und Dienstleistungen in die weltweite Entwicklung einbringen und die eigene Energiewende weiter vorantreiben.

Das Schicksal der Menschheit, hängt davon ab, wie schnell wir den Klimawandel auf ein kontrollierbares und erträgliches Maß begrenzen und weitere verheerende Atomkatastrophen wie in Tschernobyl oder Fukushima vermeiden können, heißt es im Report abschließend. Durch die globale Energiewende sei die Welt auf einem guten Weg dorthin. Nun bedürfe es einer erfolgreichen Weltklimakonferenz in Paris, um die Weichen für diese und alle nachfolgenden Generation zu stellen. 

Den ganzen Report zum Download finden Sie hier (pdf).

 

One Response

  1. Günther Mohr

    6. Juli 2015 11:44

    Sie vergleichen hier was, was man so nicht vergleichen kann, nähmlich nur die installierte Nennleistung zu vergleichen bringt keine Klarheit, denn das Kernkraftwerk bringt im Jahr 8.500 Vollaststunden und ein Windrad nur ca. 1.700 davon, also nur 1/5 der Vollaststunden. Also ersetzen ihre Windräder rechnerisch nur 4 WKA’S.

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