Steht uns das Wasser bald bis zum Hals?

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Die Eismassen in der Antarktis schmelzen schneller als erwartet

Nach neuesten Erkenntnissen könnte der Meeresspiegel noch in diesem Jahrhundert um bis zu 37 Zentimeter ansteigen. Das ist weit mehr als bislang angenommen. Grund könnte der zunehmende Eisverlust in der Antarktis sein. Stehen Küstenstädte wie Shanghai oder New York bald unter Wasser?

Setzen sich die Treibhausgasemissionen ungebremst fort, so könnte der globale Meeresspiegel noch in diesem Jahrhundert deutlich stärker steigen als angenommen. Das hat ein internationales Team von Wissenschaftler anhand neuer Computersimulationen herausgefunden. Mit Hilfe von Klimamodellen und Messdaten kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die schmelzenden Eismassen am Südpol eine größere Bedrohung darstellen, als bisher vermutet.

„Wenn die Treibhausgas-Emissionen weiter ansteigen wie bisher, könnte der Eisverlust in der Antarktis bereits in diesem Jahrhundert den globalen Meeresspiegel um weitere 1 bis 37 Zentimeter erhöhen“, sagt der Leitautor der jetzt veröffentlichten Studie, Anders Levermann. Die große Spanne kommt durch das geringe Wissen über die Topographie des Untergrunds in der Antarktis und andere Unsicherheitsfaktoren zustande und birgt ein enormes Risiko. Der Anstieg könnte moderat ausfallen, er könnte aber auch so gewaltig sein, dass viele Küstenregionen und mit ihnen Metropolen wie New York, Shanghai oder Bangkok dem Untergang geweiht wären.

Die Wissenschaftler haben untersucht, wie sich der globale Temperaturanstieg auf die Erwärmung des Meerwassers rund um die Antarktis auswirkt und das antarktische Schelfeis zum Schmelzen bringt. Bisher trägt die Antarktis nur zu etwa zehn Prozent zum weltweiten Meeresspiegelanstieg bei. Schmelzende Gletscher und die Ausdehnung der wärmer werdenden Ozeane stellen derzeit die größere Gefahr dar. Die langfristige Zukunft zahlreicher Küstenstädte aber wird wahrscheinlich vom Verhalten der Eismassen in Grönland und der Antarktis abhängen. Allein das Eisschild der Westantarktis, das größtenteils unterhalb des Meeresniveaus liegt und damit besonders anfällig für Temperaturerwärmungen des Wassers ist, könnte den Meeresspiegel um mehrere Meter heben – und das für Jahrhunderte.

Die neuen Berechnungen übersteigen die bisherigen Prognosen des Weltklimarats (IPCC) deutlich. „Der steigende Meeresspiegel ist eine sich verstärkende, fortlaufende Folge des Klimawandels, die sich auf mehrere hundert Millionen Küstenbewohner weltweit auswirken kann und indirekt finanzielle Kosten für weitere Milliarden von Menschen bedeuten kann“, sagt Co-Autor Robert Bindschadler vom NASA Goddard Space Flight Center.

Levermann weist darauf hin, dass nach bisherigen Annahmen die Erwärmung der Atmosphäre sich um mehrere Jahrzehnte zeitlich verzögert auf die Antarktis auswirkt. Mit der neuen Studie sieht das nun anders aus. „Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Antarktis vor allem auf lange Sicht an Bedeutung gewinnt“, sagt Levermann. „Schaut man aber auf das Gesamtbild, könnte das antarktische Eis schon viel früher als erwartet den größten Betrag zum weltweiten Meeresspiegelanstieg liefern.“

 

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