Startschuss: Shell bohrt ab sofort in der Arktis

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Umweltschutz
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In der Nacht zum Dienstag hat die US-Regierung um Barack Obama die endgültige Genehmigung für die Ölbohrungen in der Arktis erteilt. Der Ölkonzern Shell hatte sich bereits vor Wochen ins Nordpolarmeer begeben, um sofort nach der Freigabe Probebohrungen einzuleiten. Es geht dabei um ein Milliardengeschäft – in der Region werden gewaltige Öl- und Gasvorkommen vermutet. Umweltschützer überall auf der Welt warnen jedoch vor der Gefahr, eines der letzten unberührten Ökosysteme der Erde durch Unfälle bei den Bohrungen zu zerstören. Sie laufen Sturm gegen Obamas Entscheidung.

US-Präsident Obama hat sich jetzt endgültig dem massiven Druck der Lobbyisten und den jahrelangen Bemühungen der Energiekonzerne gebeugt: In der Nacht zum Dienstag genehmigte das amerikanische Innenministerium die Bohrungen nach Öl- und Gasvorkommen im Nordpolarmeer. Der Energiekonzern Shell steht dazu schon seit Wochen in den Startlöchern. Bereits im Juli schickte der Ölkonzern eine riesige Flotte von 30 Schiffen und zwei Bohrinseln in die Arktis – lange bevor die finale Erlaubnis erteilt wurde. Das zeigt, wie wichtig dem Konzern die Ausbeutung der Tschuktschensee ist – sie könnte für Shell zur Goldgrube werden:

Die Tschuktschensee gilt als einer der letzten nicht erschlossenen Gebiete der fossilen Energiewirtschaft. Dort vermuten Experten bis zu einem Fünftel der noch vorhandenen, aber bisher nicht lokalisierten konventionellen Öl- und Gasreserven der Welt. Es geht also um ein Milliardengeschäft für die Energiekonzerne, die in der Vergangenheit immer wieder darauf pochten, die Region ausbeuten zu dürfen. Shell hat umgerechnet bereits rund 6,3 Milliarden Euro in das Projekt gesteckt – bislang ohne eine einzige Probebohrung beenden zu können.

Bereits 2012 hatte Shell die Erlaubnis, Probebohrungen in der Arktis durchführen zu dürfen. Dabei kam es jedoch immer wieder zu Zwischenfällen, weswegen die Bohrungen unterbrochen werden mussten. Ende 2012 mussten aufgrund der widrigen Bedingungen im stürmischen Nordpolarmeer sogar Arbeiter einer Bohrinsel evakuiert werden, die Plattform trieb tagelang ungesichert auf dem offenen Meer, bevor sie schließlich strandete. Nach diesem Vorfall entzog das amerikanische Innenministerium Shell die Bohr-Erlaubnis, bis „alle Bedenken ausgeräumt seien“. Das ist nun offenbar der Fall. Klima- und Umweltschützer sehen allerdings weiterhin große Risiken bei dem Vorhaben.

Ein schwarzer Tag für den Klima- und Umweltschutz

Umweltschützer warnen eindringlich vor der Gefahr, eines der letzten vom Menschen weitgehend unberührten Ökosysteme der Erde zu zerstören – dem Lebensraum zahlreicher empfindlicher Meerestiere wie Walrossen und dem Grönlandwal. Unfälle bei den Bohrungen könnten aufgrund der Lage fernab von jeglicher Zivilisation katastrophale Folgen für Mensch und Natur bedeuten. Austretendes Öl würde ganze Landschaften verpesten. Auch für den Klimaschutz ist das Vorhaben ein Desaster. Der Klimaforscher Miyoko Sakashita vom „Center for biological Diversity“ prognostizierte, wenn die fossilen Ressourcen im Atlantik wirklich ausgebeutet und verbrannt werden, würden dadurch rund 16 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt.

Dennoch bohrt Shell ab sofort mit offizieller Erlaubnis auf dem offenen Meer. Ein Shell-Sprecher sagte, die Entscheidung der Regierung Obama zeige „das Vertrauen, das die Aufseher in unseren Plan haben“. Für den Konzern ist es demnach ein guter Tag. Die Ausbeutung der vermuteten Vorkommen wird nach Schätzungen bis zum Jahr 2030 andauern und Shell Milliarden einbringen. Für den Klima- und Umweltschutz ist es allerdings ein schwarzer Tag. Und auch Obamas Image als Klima-Präsident dürfte mit der Entscheidung einiges an Glaubwürdigkeit verloren haben.

Quelle: Handelsblatt

 

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