Start-up der TU München macht Abwärme nutzbar und gewinnt Award

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Prof. Thomas Hofmann gratuliert den Gründern Andreas Schuster, Andreas Sichert und Richard Aumann ©Heddergott/TUM

Abwärme in Strom umwandeln: Mit einem an der Technischen Universität München (TUM) entwickelten Verfahren ist dies heute nicht mehr nur in Großkraftwerken, sondern auch in Anlagen mit niedrigen Temperaturen und in Fahrzeugen wirtschaftlich. Wissenschaftler der TUM haben diese klimaschonende Technologie, nach der Entwicklung, mit einem eigenen Unternehmen auch auf den Markt gebracht und wurden dafür mit dem Presidential Entrepreneurship Award ausgezeichnet.

Jeden Tag gehen riesige Mengen an Energie, die als Abwärme in der Industrie und im Verkehr entstehen, ungenutzt verloren. Um diese sozusagen zu recyceln, hat ein Team der TUM eine neue Technologie entwickelt. Das Gerät kann zur Stromerzeugung in Fabriken oder Biogasanlagen, in Lastwagen und Schiffen genauso wie in Baumaschinen angeschlossen werden. Es funktioniert wie ein Dampfkraftwerk, nur dass ein organisches Fluid statt Wasser eingesetzt wird.

Das Prinzip des sogenannten Organic Rankine Cycle (ORC) ist an sich nicht neu, sondern wird bereits bei Großkraftwerken eingesetzt. Bislang fehlte nach Aussagen der Wissenschaftler aber eine Technologie, die kleine Mengen an Abwärme mit niedriger Temperatur effizient nutzbar macht. Zudem sollte die Lösung ohne großen Aufwand zu betreiben und für eine große Anzahl an Nutzern finanzierbar sein.

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ORC (Organic Rankine Cycle) Funktionsprinzip – so wird aus Abwärme Strom © Orcan Energy AG

Erfolgreich in die Praxis umgesetzt

Richard Aumann, Dr. Andreas Sichert und Dr. Andreas Schuster haben seit 2004 am Lehrstuhl für Energiesysteme mehrere Probleme der bisherigen Kraftwerkstechnik gelöst: 20 verschiedene Patente sind das Ergebnis. 2008 gründeten sie Orcan Energy, 2013 brachten sie ihr erstes Produkt auf den Markt. Inzwischen haben sie einen bedeutenden Risikokapitalgeber aus dem Silicon Valley sowie einen großen Energieversorger als strategischen Partner überzeugt. Zudem wird ihre Technologie bereits in mehreren europäischen Ländern eingesetzt.

Der Jury des TUM Presidential Entrepreneurship Awards imponierte, dass sich das Team vor dem Markteintritt bewusst viel Zeit für die Produktentwicklung auf der Basis seiner Forschungsergebnisse genommen hat. „Deshalb kann das Unternehmen nun ein Produkt mit einem hohen Qualitätsniveau anbieten, das eine bislang ungenutzte CO2-neutrale Energiequelle erschließt – mit immensem Potenzial für die Gesellschaft“, erklärt Prof. Thomas Hofmann, Vizepräsident der TUM für Forschung und Innovation.

Die TUM verleiht den Presidential Entrepreneurship Award jährlich an ein herausragendes Spin-off, dessen Geschäftsidee maßgeblich auf Forschungsergebnissen beruht. Weitere Kriterien sind ein hohes Wachstumspotenzial und erste Finanzierungserfolge. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die vom Bund der Freunde der TUM gestiftet werden. Die Auszeichnung soll weitere Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für eine Firmengründung motivieren. Seit 1990 sind mehr als 800 Unternehmen aus der TUM hervorgegangen.

Quellen und weitere Informationen: https://www.tum.de/entrepreneurship/ und http://www.orcan-energy.com

 

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