Start für solares Megaprojekt in der englischen Megastadt

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Ein charakteristisches Merkmal des derzeitigen Londoner Stadtbildes ist ein wenig dezentes Potpourri aus historischen Bauwerken und modernen Glastürmen. Durch ein neues Projekt wachsen die verschiedenen Epochen architektonisch noch weiter zusammen: Die seit dem 19. Jahrhundert bestehende Blackfriars Bridge wird seit Anfang Oktober dieses Jahres mit neuen Dach- sowie Photovoltaikmodulen ausgestattet.

Die Konstruktion soll der namensgleichen U-Bahn-Station dienen und 50 Prozent ihres Energiebedarfs decken.

Auf die Idee, den Übergang eines Flusses energetisch zu nutzen, sind auch schon die Australier gekommen. Im Jahre 2009 wurde die Installation von 84 Photovoltaikmodulen auf der Kurilpa Footbridge in Brisbane feierlich eingeweiht. Mit einem Ertrag von 38 Megawattstunden pro Jahr kann die Brücke beleuchtet und der restliche Anteil ins Netz gespeist werden.

Bis Mitte nächsten Jahres darf sie sich noch mit dem Titel der einzigen Photovoltaikbrücke der Welt schmücken. Ab dann werden die Solarmodule über der Themse, 4.400 an der Zahl, voraussichtlich eine Leistung von 1.103 Megawatt aufweisen und pro Jahr 900 Megawattstunden generieren. Womit die Hauptstadt Englands die weltweit längste Photovoltaikbrücke besitzen würde.

Für Planung und Einbau ist das britische Unternehmen Solarcentury zuständig, das im Jahre 1998 gegründet wurde und seinen Sitz in London hat. Die betreffenden Module stammen von der japanischen Firma Sanyo Electric. Solarcentury besitzt zwar eigene Module, stellt aber auch Systeme der Unternehmen Sharp, Sanyo, Sunpower, Yingli und Suntech bereit. Das ungewöhnliche Design erzwingt den Einsatz kleinerer Solar Wechseltrichter, damit viele Module auf das Dach passen. Denn der Spielraum für die Fläche ist sehr klein. Aus diesem Grund wird der Einbau nach der Installation der ersten vier Dachplatten erneut geprüft. Im Dezember soll das Projekt dann fortgeführt werden. Das Department für Transportsicherheit und Umwelt Fonds unterstützt die Errichtung finanziell.

Dieses Jahr konnte ein ähnliches Projekt fertig gestellt werden. Das Dach eines Bahntunnels in Belgien wurde mit 16.000 Photovoltaikmodulen ausgestattet.

Die Vernetzung von Transportwegen und energetischer Flächennutzung wird weiter zunehmen. Zumal die öffentliche Akzeptanz regenerativer Energien mit der zentral gelegenen Blackfriars Bridge sicherlich ansteigt. So könnte sich London mehr und mehr als grüne Stadt präsentieren. Die “Cutting-Edge Green Tour” bietet in London bereits eine Alternative zum konventionellen Stadtrundgang. Ab 2012 finden vielleicht schon Führungen in der Blackfriars Station statt, um neben den Solarmodulen die Sammlung von Regenwasser und Röhren für den natürlichen Lichteinfall vorzuführen.

Jenny Lohse

 

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