Solarstrom vom Nachbar

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Bürgerstromhandel soll Solarstrom vom Nachbar ermöglichen
Solarstrom vom Nachbar, Foto: GrammerSolar/Ettl

Auf die Zusammenarbeit mit kommunalen Versorgern setzt der Bürgerstromhandel. Der Solarstrom vom Nachbar soll auch helfen, die Netze zu entlasten. Über die Nutzung von Überschussstrom.

Mit einem Bürgerstromhandel sollen mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. „Wir versprechen uns hiervon einen netzdienlichen Zubau erneuerbarer Energien, neue Verdienstmöglichkeiten für Prosumer und regionale Versorger und einen Impuls für die Energiewende im städtischen Raum“, unterstrich René Mono, Vorstand des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) in Berlin.

Überschussstrom von Photovoltaik-Dachanlagen des Nachbarn

Die Idee ist, dass private Betreiber von Photovoltaik-Dachanlagen Überschussstrom, den sie zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht selbst nutzen, über das öffentliche Netz an andere Verbraucher in der Nachbarschaft liefern. Dies kann bilateral über einen Rahmenvertrag zustande kommen, über einen elektronischen Marktplatz oder über die Vermittlung durch Energieversorger. In jedem Fall ist der regionale Energieversorger Dienstleister für die Abwicklung und erhält hierfür eine entsprechende Vergütung. Gemessen und abgerechnet wird der gelieferte Solarstrom vom Nachbar über intelligente Messeinrichtungen oder viertelstundengenau über Standardlastprofile des Netzbetreibers, erläuterte der Autor des Impulspapiers Fabian Hunecke von Energy Brainpool.

Der so gehandelte regenerative Überschussstrom erhält keine EEG-Vergütung mehr, sondern wird direkt von den Abnehmern vergütet. Entsprechend wird für den so gehandelten Strom analog zu den Regelungen für den Eigenverbrauch keine EEG-Umlage erhoben. Zudem wird der Bürgerstrom nur mit einem„Nahnetzentgelt“ belastet und es gilt eine reduzierte Stromsteuer. Energy Brainpool schlägt ein reduziertes Netzentgelt  in Höhe von drei Cent pro Kilowattstunde vor. „Es werden nur wenige hundert Meter Strecke des öffentlichen Stromnetzes genutzt und der Bürgerstromhandel regt eine optimale Nutzung der vorhandenen Verteilnetzinfrastruktur an“, begründet Autor Hunecke die anvisierten Reduzierungen.

Rechtliche Hürden für den Kleinstrommarkt

Unter den jetzigen Rahmenbedingungen sei ein solcher Bürgerstromhandel allerdings nicht zu realisieren, räumte BBEn-Vorstand Mono ein. Dieser kleinteiligen Form des Strommarktes stünden aktuell noch unverhältnismäßig hohe rechtliche Hürden gegenüber. Mono hofft deshalb nun vor allem auf die EU. Denn in den Vorschlägen zur Energieunion wird auch ein Abbau von Hemmnissen für den Stromhandel von Prosumern gefordert. Ob dies jedoch wirklich so beschlossen wird, ist derzeit noch offen.