Solarenergie von Europas Dächern

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Die Zukunft der Solarenergie liegt auf Europas Dächern. Davon jedenfalls geht der Verband der europäischen Photovoltaik-Industrie (EPIA) aus. Dort rechnet man mit weiter sinkenden PV-Anlagenpreisen, zukünftig ausreichenden Produktionskapazitäten und der Wirksamkeit der politischen Vorgaben der EU.

Der EPIA schlägt vor, dass alle solargeeigneten Dächer und Fassaden in Europa mit Solarpaneelen ausgestattet werden sollen. Das würde dann jährlich 1.400 Terawattstunden Solarstrom liefern, was 40 Prozent des Energiebedarfs des Kontinents entspricht.

Durchschnittlich 40 Prozent aller Gebäudedächer und 15 Prozent aller Fassaden sollen laut EPIA solargeeignet sein. Auf die EU bezogen, würde das 22.000 Quadratkilometer Dachfläche ausmachen, ein Areal, das allerdings schon gebaut ist und daher sofort genutzt werden könnte.

Das schließt vor allem auch Gebäudefassaden mit ein, die durch fassadenintegrierte PV-Anlagen einen großen Beitrag leisten könnten. Das jedenfalls hat das Institut für technische Innovationen (TEC) herausgefunden.

Die Forscher widerlegten die These, dass durch Hinterlüftung gekühlte Module einen höheren Energieertrag erzielen als nicht hinterlüftete Module, wie sie an Häuserfassaden eingesetzt werden. Insbesondere Hochhäuser mit ihrem relativ geringen Dachflächenanteil könnten damit in Zukunft die Fassadenflächen zur Energiegewinnung mit einbeziehen.

Auch auf europäischer Ebene tut sich einiges, was die weitere Integration von Solaranlagen in Gebäude betrifft. Denn nach der vom Europäischen Rat beschlossenen „Gebäuderichtlinie“ müssen ab dem Jahr 2020 alle in den EU-Mitgliedsstaaten neue errichteten Gebäude „nearly-zero energy buildings“ sein.

Bis Mitte 2011 müssen die EU-Mitgliedsstaaten nun Förderprogramme erarbeiten, wie sie die Richtlinie umzusetzen gedenken. Zur Zeit erfolgt parallel dazu in vielen Ländern Europas eine Neuausrichtung der Politik gegenüber der Photovoltaik.

In Italien sollen nach einem neuen Gesetzentwurf die Einspeisetarife für Photovoltaik im kommenden Jahr um insgesamt 18 Prozent gekürzt werden, genauer gesagt alle vier Monate um sechs Prozent.

Österreich, das bisherige Schlusslicht in Europa beim Thema Solarenergie, hat jetzt ein 35 Millionen Euro teures Programm in die Wege geleitet, das 5.500 neue PV-Anlagen auf Gebäuden finanzieren soll. Außerdem sind Boni für die Fassadenintegration von Solaranlagen vorgesehen.

Die Debatte um PV-Kürzungen dauert auch in Spanien weiter an. Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero ist um Schadensbegrenzung bemüht. Er sprach von einer Vergütungsgarantie für bestehende Solarparks und hat eine rückwirkende Änderung der Einspeisevergütung für Solarkraftwerke ausgeschlossen.

Daniel Seemann

 

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