Solarcontainer – dezentrale Energieversorgung in Afrika

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Globus Mali Niger
Öko-Kämpfer © Pixabay

Rund 1,2 Milliarden Menschen leben ohne Elektrizität. Sieben der zehn energieärmsten Länder liegen in Afrika, listet der „Global Tracking Framework“-­Report der Weltbank auf, wie die Heinrich Böll Stiftung schreibt. Energiearmut hat katastrophale Folgen; Krankenhäuser ohne Kühlung, Schulen ohne Licht, Computer oder Internet, geheizt wird mit Holz, Dung oder Kerosin. Mit mobilen Solarkraftwerken möchte Thorsten Schreiber, Gründer von Africa GreenTec, dies ändern.

Thorsten Schreiber hat gerade eine Audienz bei der First Lady Malis, Aminata Maiga Keita, hinter sich. Zuvor war er bei den deutschen Botschaften in Mali und Niger gewesen, seit zwei Wochen fährt er bereits durch Afrika. Er wirbt für seine Lösung für nachhaltige Entwicklung in Afrika. Thorsten Schreiber ist Mitgründer des Sozialunternehmens Africa GreenTec, welches in mittlerweile fünf Dörfern Afrikas, die zuvor größtenteils keinerlei Stromversorgung hatten, mobile Solarkraftwerke installiert hat.

Der erste Container in Mourdiah (Mali) versorgt seit September 2015 120 Haushalte und fünf kleine Gewerbe mit sauberem und erschwinglichem Strom. Weitere Container in anderen Gegenden ermöglichen bis zu tausend Personen pro Standort den Zugang zu Elektrizität. Für uns in Europa kaum vorstellbar, aber in Mali haben nur rund 17% der Menschen einen Zugang zu Strom. Allein in Subsahara-Afrika leben 590 Millionen Menschen ohne Stromanschluss (Quelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).

Das hat Folgen – und zwar nicht nur für Wirtschaft und Lebensqualität. 3,5 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen verschmutzter Luft, Wälder werden abgeholzt, Wüsten breiten sich weiter aus. Was diese Länder brauchen, sind praktische, dezentrale Lösungen, die als Hilfe zur Selbsthilfe wirken.

Teils via Crowdfunding durch Kleininvestoren finanziert und losgelöst von staatlichen Strukturen und Weltmarktpreisen, ermöglichen die mobilen Solarkraftwerke einen Strompreis, der deutlich günstiger ist, als die Verwendung von Dieselgeneratoren. Die Solarcontainer werden den Dorfbewohnern und Kooperationspartnern durch Mietkauf übergeben. Den Investoren ermöglicht dieses Projekt trotzdem eine Rendite, das Interesse an einer gemeinwohlorientierten Geldanlage ist groß.

Langsam aber stetig zeigen Thorsten Schreibers Projekte erste Erfolge. In der Region Tahoua in Niger plant er, zusammen mit der Regierung, ein Pilotprojekt. Aber auch in Madagaskar, Namibia, Südafrika, Somaliland und im Kamerun arbeiten seine Projektpartner daran, Pilotprojekte auszubauen. Mit Hilfe der Erhebungen aus den bisher durchgeführten Projekten können die Projektarbeiten weiter optimiert werden. Dennoch bleibt es eine große Aufgabe, die Vision „Afrikas erster dezentraler Stromversorger“ zu sein, umzusetzen.

Quelle: Heinrich Böll Stiftung

Malchus Kern schreibt als Freier Autor über Nachhaltigkeit, insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und digitale Innovationen. Auf seinem Balkon versucht er sich an Selbstversorgung.

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