Solarboom in den USA

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Lange Zeit hatte man den Eindruck, die USA würden in Sachen Energiepolitik zu den ewig Gestrigen gehören. Nun scheint sich das Blatt zu wenden: Ein neuer Cleantech-Boom hat die Vereinigten Staaten erfasst und könnte das Land schon 2013 zum größten Solarenergiemarkt der Welt werden lassen. Derzeit liegen die USA noch hinter der Bundesrepublik.

Einen großen Beitrag hierzu leisten neue Gesetze, die den amerikanischen Energieversorgern finanzielle Anreize setzen, große Solarfarmen zu bauen. Allein im letzten Jahr hat die Anzahl an neuinstallierten Solar-Megawatt um mehr als 25 Prozent zugenommen, dieses Jahr soll die solare Gesamtkapazität in den USA auf ein Gigawatt ansteigen.

Grund dafür ist die Rezession, die dafür gesorgt hat, dass durch das Überangebot an Solarpanels die Preise um 40 Prozent gefallen sind. Aber auch staatliche Vergünstigungen haben ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Außerdem stehen Solarprojekte aus dem US-Konjunkturpaket kurz vor ihrer Umsetzung, was der Dynamik einen zusätzlichen Schub verleihen dürfte.

Auch die amerikanische Mittelschicht wird von dieser Entwicklung profitieren: Eine typische Fünf-Kilowatt-Solaranlage, die auf einem Hausdach installiert werden kann, wird in absehbarer Zeit für knapp 13.000 Dollar zu haben sein.

Auch die Energieversorger rüsten solar auf und nehmen immer mehr die steuerlichen Vergünstigungen für solare Investitionen in Anspruch. Die Aussicht, Strom zu produzieren, der sich gewinnbringend weiterverkaufen lässt, kann hier als Hauptgrund für die Investitionsbereitschaft der Industrie gewertet werden.

Auch ohne eine gesetzliche Verankerung eines CO2-Emissionshandels in den USA noch in diesem Jahr, könnten andere Gesetzesvorhaben einen positiven Einfluss auf die Solarindustrie entwickeln. Dazu zählt die Verpflichtung für Energieversorger, erneuerbare Energien in ihren Strommix zu integrieren oder der geplante Standard für die routinemäßige Anbindung von Solarenergie an die Stromnetze. Hierfür fehlt in den USA im Gegensatz zu Deutschland bisher noch eine einheitliche, rechtliche Grundlage für alle Bundesstaaten.

Ob auch alle Solaranlagen „made in USA“ sein werden, ist indes fraglich. Ende des letzten Jahrhunderts lieferten US-Firmen noch knapp die Hälfte aller Solarmodule weltweit – heute sind es weniger als zehn Prozent. Ein wachsender amerikanischer Solarmarkt könnte diesen Trend aber wieder umkehren.

Daniel Seemann

 

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