Signalwirkung für mehr Klimaschutz

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Betonfundamente für die Montagegestelle des Solarparks in San Carlos/Negros Occidental
Betonfundamente für die Montagegestelle des Solarparks in San Carlos/Negros Occidental

In Paris wird derzeit am runden Tisch über mehr globalen Klimaschutz gerungen. Mit am stärksten vom Klimawandel betroffene Länder wie die Philippinen gehen nun verstärkt ihre eigene Energiewende und den Klimaschutz an. Große Solarparks wie in San Carlos auf Negros Occidental haben hierbei Signalwirkung.

In unzähligen Kurven schlängelt sich die Straße die zerklüfteten, satt grünen Vulkanhänge von Negros Occidental hinunter. Am Straßenrand winkende Kinder und einfache, aber hübsche kleine Häuschen, die teils noch in traditioneller Bauweise aus Bambus oder Rattan errichtet sind und auf Stelzen stehen. Am Horizont die markanten Berge der Nachbarinsel Cebu, unten im Tal das grün-braune Mosaik der Zuckerrohrfelder sowie das Siedlungsband von San Carlos City. Dahinter eine glitzernde Fläche, San Carlos Solar Energy Park. Zehntausende von Solarmodulen, montiert auf Montagegestellen aus Aluminium, säumen die Ortsausgangsstraße und die angrenzenden Zuckerrohrfelder in der Wirtschaftszone der 130.000 Einwohner zählenden Stadt. Trauben von Arbeitern mit roten und blauen Helmen sind auf der Baustelle unterwegs. Zum Schutz vor der gleißenden Sonne haben sich viele von ihnen bunte Tücher um den Nacken gebunden.

Einige Wochen später, ist es dann soweit. Präsident Benigno Aquino III nimmt den ersten Bauabschnitt des mit 22 Megawatt bisher größten Solarparks auf den Philippinen offiziell in Betrieb. Der zweite Bauabschnitt ging mittlerweile planmäßig ans Netz. Über 50.000 Menschen auf Negros Occidental versorgt der Park mit jährlich rund 35 Millionen Kilowattstunden Solarstrom. Direkt neben dem Park verläuft eine Hochspannungsleitung, in die eingespeist wird. Die Gesamtinvestitionskosten des Projekts betrugen rund 33 Millionen Euro. Realisiert wurde es vom örtlichen Entwickler Bronzeoak Philippines und der ThomasLloyd Group. Das Investmentbanking und -management Unternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart und Zürich ist seit 2008 auf den Philippinen in Sachen erneuerbare Energien aktiv. „Wir finanzierten das Projekt in San Carlos aus eigenen Ressourcen über unseren Cleantech Infrastructure Fund“, sagt CEO T.U. Michael Sieg. Refinanziert wird es nun über den Verkauf an einen Betreiber, der pro erzeugter Kilowattstunde Solarstrom 20 Jahre lang einen Einspeisetarif in Höhe von 9,68 Pesos (0,19 Euro) erhält. Damit ist der Solarpark in San Carlos das erste große Photovoltaik-Projekt auf den Philippinen, das nach dem seit 2012 gültigen Renewable Energy Act vergütet wird.

Nachdem es aufgrund hoher bürokratischer Hürden und politischer Widerstände etliche Jahre dauerte, bis das philippinische Erneuerbare-Energien-Gesetz tatsächlich für Solarstrom greift, hat die Fertigstellung des Projekts nun Signalwirkung für einen verstärkten Ausbau der Photovoltaik. Jüngst wurde eine Gesetzesnovelle verabschiedet, die den Förderdeckel für Solarprojekte von bisher 50 Megawatt auf 500 Megawatt erhöhte. Neue Projekte werden bis Mitte März 2016 mit 8,8 Pesos/kWh (0,17 Euro) vergütet. Dann werden die Tarife sowie Ausbauziele neu bestimmt. Damit soll die Umsetzung bereits genehmigter Projekte beschleunigt und ein Investitionsstau bereinigt werden. Ein wichtiger treibender Faktor ist der stark steigende Energiebedarf. So berichtete die philippinische Tageszeitung Manila Bulletin Mitte August von einer auf ein Rekordtief von 22 Megawatt gefallenen Stromerzeugungsreserve auf den Visayas, der Inselgruppe zu der auch Negros Occidental gehört wie auch Cebu City mit über vier Millionen Einwohnern. Vorgesehen ist eine Reserve von mindestens 160 Megawatt. Noch prekärer ist Stromknappheit auf der südlichsten philippinischen Insel Mindanao, die auch immer wieder von bewaffneten Konflikten mit islamischen Rebellen erschüttert wird. Fällt der Strom aus oder ist kein Netz vorhanden, werden oft die Dieselgeneratoren angeworfen. Und das ist richtig teuer: Die Kilowattstunde Strom, die auf diese Weise erzeugt wird, kostet laut Angaben von Hendrik Meller von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Manila durchschnittlich 22 Pesos (0,43 Euro).

Doch auch der Strom vom Netz ist aufgrund der Engpässe und der Abhängigkeit der Philippinen von importieren Brennstoffen hoch, so kostet die Kilowattstunde im Großraum Manila durchschnittlich 12 Pesos (0,24 Euro). Dagegen sind die Kosten des Solarstroms in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken und liegen derzeit durchschnittlich bei rund 7,5 Pesos (0,15 Euro). Meller sieht die Photovoltaik in den Philippinen als zunehmend wettbewerbsfähig, dies zeige auch die zunehmende Zahl von direkten Abnahmeverträgen (Power-Purchase-Agreements). Ein positives Zeichen sei auch der Einstieg philippinischer Privatbanken in die Finanzierung. So stellte die Bank of the Philippines (BPI) dem ThomasLLoyd Cleantech Infrastructure Fund jüngst 500 Millionen Pesos (9,8 Millionen Euro) für einen weiteren Ausbau seiner Solarprojekte zur Verfügung. Mittlerweile baut oder plant der Fonds rund um San Carlos sieben weitere Solarparks mit einer Leistung von insgesamt 88 Megawatt.

Weitere philippinische und internationale Unternehmen steigen nun in den Markt ein. So kündigte der philippinische Immobilienentwickler Gregorio Araneta Inc. jüngst den Bau eines 100 MW-Solarparks in der Stadt Cadiz in Negros Occidental an. Starke Zuwachszahlen zeigt auch der Markt für Offgrid-Grid und Mini-Grid PV-Anwendungen.

 

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