Schutzgebiet im Amazonas-Regenwald vorerst sicher

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Naturschutzgebiet vorerst sicher
Fürs erste bleibt das Sperrgebiet vor Rohdungen und Bergbau verschont © Roberto Maldonado / WWF

Seit Anfang des Jahres erschienen immer wieder Berichte über Pläne der Regierung Brasiliens, Sperrgebiete im Amazonas-Regenwald für den Bergbau freizugeben. Fast schien es so, als würden diese Pläne auch verwirklicht, doch nun hat Präsident Michel Temer Dekret zur Auflösung eines großen Schutzgebiets im Amazonas-Regenwald zurückgezogen – eine Erleichterung für viele Umweltschützer.

Bereits im Februar dieses Jahres wurde bekannt, dass die brasilianische Regierung plante, den Schutz großer Flächen des Amazonas-Regenwaldes zugunsten der Bergbauindustrie aufzuheben. Dies sorgte für einige Aufregung. So erklärte beispielsweise Roberto Maldonado, Brasilien-Referent vom WWF: „Leider bestätigt sich einmal mehr, dass die Regierung Temer vor allem die kurzfristigen Profite der Industrie im Sinn hat. Die aktuellen Pläne sind ein Generalangriff auf den Amazonas. Die Bergbauindustrie entwickelt sich mehr und mehr zu einer der größten Bedrohungen für den südamerikanischen Regenwald und deren Bewohner. “

Im Sommer wurde bekannt, dass Brasiliens Präsident Temer, entgegen aller Kritik und Proteste, ein großflächiges Gebiet per Dekret für den Bergbau freigegeben hat. Es handelt sich dabei um ein 46.000 Quadratkilometer großes Gebiet in den Teilstaaten Pará und Amapá, das im Jahr 1984 zum Bergbau-Sperrgebiet erklärt worden war. Tatsächlich ging es dabei nicht um den Umweltschutz, auch wenn 70 Prozent des Areals mittlerweile unter Naturschutz stehen, sondern darum, die Ressourcen vor ausländischen Konzerne zu schützen.

Doch dies ist mittlerweile kein Anliegen mehr für die Regierung. Tatsächlich geht es bei dem Dekret vorrangig um Machtinteressen. „Die Freigabe dieser Gebiete gehört zu einem Maßnahmenpaket der Regierung, das den größten Rückschritt für die Umwelt-Agenda Brasiliens darstellt“, kritisiert Brasiliens WWF-Vorsitzender Mauricio Voivodic. „Schutzgebiete werden verkleinert, Umwelt-Auflagen werden aufgeweicht, indigene Gebiete werden verteilt.“ Auch aus den Reihen der Politik wurde Kritik laut. Der Senator Randolphe Rodrigues aus dem Bundesstaat Amapá im Norden Brasiliens erklärte ungehalten: „Hier handelt es das schlimmste Verbrechen gegen den Amazonas-Regenwald seit 1970. Ich hätte nicht gedacht, dass die wahnsinnige Unverfrorenheit, die Geldgier dieser Regierung so weit geht.“

Kritik und Protest scheinen nun endlich Wirkung gezeigt zu haben. Am Montag gab die Regierung offiziell bekannt, dass das umstrittene Dekret zur Auflösung eines großen Schutzgebiets im Amazonas-Urwald zurückgezogen wird. Dies wurde von viele Umweltorganisationen, -Schützern und Politikern begrüßt. So bezeichnete Greenpeace diese Entscheidung als „Sieg der Gesellschaft gegen diejenigen, die den Wald zerstören und verkaufen wollen“. Fraglich ist, wie endgültig dieser Rückzieher ist, denn das Energieministerium machte deutlich, dass die Debatte über Renca „zu einem späteren Zeitpunkt“ wieder aufgenommen werde. Und auch Marcio Astrini, Sprecher von Greenpeace Brasilien, spricht nur von einem Etappensieg: „Der Krieg gegen die Amazonas-Region und ihre Bewohner, den die Regierung Temer und die Agrarier-Fraktion im Parlament vorantreiben, geht weiter.“

Quellen:
http://www.wwf.de/2017/februar/brasilien-regierung-plant-amazonas-schutzgebiete-fuer-bergbauindustrie-zu-opfern/
https://www.tagesschau.de/ausland/amazonas-105.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/brasilien-369.html