Schuhe aus Plastikmüll für den Umweltschutz

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So sieht der Prototyp des Recycling-Schuhs aus Meeresplastik aus. Für die drei Streifen hat Adidas bislang keine Lösung, ©adidas
So sieht der Prototyp des Recycling-Schuhs aus Meeresplastik aus. Für die drei Streifen hat Adidas bislang keine Lösung, ©adidas

Der Sportartikelhersteller Adidas hat Worten Taten folgen lassen. Bereits im April gab das Unternehmen bekannt, künftig Plastikmüll aus dem Meer als Rohstoffquelle für seine Produktion zu nutzen und damit einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Jetzt hat Adidas gemeinsam mit der Organisation Parley for the Oceans in New York das erste Ergebnis dieser Ankündigung präsentiert: Einen Schuh, der fast ausschließlich aus Fasern aus Meeres-Plastikabfall hergestellt wurde. Für das erste Modell musste sogar das Markenzeichen des Unternehmens weichen, denn für die drei weltbekannten Streifen hat Adidas bei seinem „Ökoschuh“ offenbar bislang keine Lösung gefunden.

Rohstoff für das neue Konzept wäre genug vorhanden. In unseren Ozeanen schwimmen Millionen Tonnen Müll, das meiste davon aus Plastik. Durchschnittlich 13.000 Plastikmüllpartikel treiben mittlerweile auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche, schreibt das Umweltbundesamt. Tausende Meerestiere sterben jedes Jahr daran, entweder weil sie sich darin verheddern oder weil sie kleinste Teile für Nahrung halten und verschlucken. Plastik zerfällt besonders langsam. bis zur völligen Zersetzung können 400 Jahre vergehen. Die Folge: Unsere Ozeane versinken in Plastikmüll. Für den weltweiten Umweltschutz ist dies eine Katastrophe. 

Adidas stellt jährlich rund 250 Millionen Paar Schuhe her, die bislang größtenteils aus Plastik bestehen. Man kann also davon ausgehen, dass in den Ozeanen auch bereits Adidas-Plastik schwimmt – wahrscheinlich nicht gerade wenig davon. Nun scheint das Herzogenauracher Unternehmen zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen zu wollen, dass dieser Schaden wieder gut gemacht wird.

Dazu gab Adidas bereits im April seine Partnerschaft mit Parley for the Oceans bekannt, einer Organisation, die sich für den Schutz der Ozeane einsetzt. (CEP berichtete) Nun haben die beiden Partner anlässlich einer hochrangigen Veranstaltung zum Klimawandel in New York City, zu der der Präsident der UN-Generalversammlung geladen hatte, die ersten Früchte dieser Partnerschaft vorgestellt.

„Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit Parley for the Oceans den Vereinten Nationen vor Augen zu führen, wie wichtig der Schutz unserer Weltmeere ist, sagte Adidas-Vorstand Eric Liedtke, der den Prototyp des Recycling-Schuhs „adidas x Parley“ vor versammelter Presse vorführte. Das Oberteil des Schuhs besteht zu 100 Prozent aus Garnen und Fasern, die aus recycelten und aufbereiteten Abfällen und illegalen Hochsee-Netzen aus den Ozeanen gefertigt wurden.

Um an Material für die Schuhe zu kommen, hat sich das Unternehmen sogar mit der militanten Organisation Sea Shepard zusammengetan, die in der Vergangenheit durch spektakuläre Angriffe auf Walfänger auf sich aufmerksam gemacht hat. Auch das Material für den vorgestellten Prototyp stammt unter anderem aus solchen illegal ausgebrachten Netzen, die Sea Shepard bei einer 110-tägigen Expedition eingesammelt hat.

Wann genau die neuen „Meeresplastikmüllschuhe“ auf den Markt kommen sollen, ist noch nicht bekannt. Adidas will aber im Laufe des Jahres noch weitere Produkte aus dem neu entwickelten Material vorstellen. Ob der Schuh genauso aussehen wird wie der Prototyp oder ob für die drei charakteristischen Streifen noch eine Lösung gefunden wird, bleibt vorerst abzuwarten. Auch ist bislang unklar, woher die großen Mengen Müll für eine kommerzielle Produktion der Schuhe kommen sollen. Denn auch wenn theoretisch im Meer mehr als genug Plastik herumschwimmt, ist vieles davon zu klein, um mit Netzen herausgefischt zu werden.

Deshalb will sich Parley und Adidas zunächst auf illegale Fischernetze und leicht zu erreichenden Müll in Strandnähe fokussieren. Das große Ziel des Programms sei es ohnehin, nicht nur Plastikmüll in Schuhe zu verwandeln, sondern solchen Müll von vornherein zu vermeiden, schreibt das Magazin „Fast Company“. Parley arbeite daher an einer neuen Technologie, um das Material Plastik langfristig zu ersetzen. Dazu hat die Organisation einen Chemiker eingestellt, der eine Plastik-alternative entwickeln soll, die sich zwar genauso verhält wie der umweltschädliche Kunststoff, jedoch biologisch abbaubar ist und daher ohne Probleme einfach weggeschmissen werden kann. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, sagt auch Parley for the Ocenans Gründer Cyrill Gutsch: „Das ist eine weit entfernte Vision“

Deshalb sei es umso wichtiger, jetzt das möglichste zum Säubern der Meere beizutragen. Auch wenn das Projekt von Parley und Adidas nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, „jedes Stück Plastik, das wir aus dem Meer holen, kann einen Vogel, eine Schildkröte, sogar einen Wal retten“, sagt Gutsch.

 

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