Schon wieder Smog: Erstmals Alarmstufe Rot in Peking

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Smog in Peking - Alarmstufe Rot
Smog in Peking - Alarmstufe Rot

Bereits letzte Woche mussten wir von der extremen Luftverschmutzung mit Feinstaub in der chinesischen Millionenstadt Peking berichten. Dann hatte sich die Lage aufgrund starker Winde etwas gebessert – leider allerdings nur vorübergehend. Diese Woche ist der gefährliche graue Schleier zurück. Zum ersten Mal überhaupt mussten die Behörden sogar Alarmstufe Rot ausrufen. Das öffentliche Leben in der Metropole ist vielerorts zum Erliegen gekommen. Der Smog ist so dicht, dass öffentliche Einrichtungen geschlossen bleiben und ein eingeschränktes Fahrverbot für PKW ausgerufen wurde.

Peking gleicht in diesen Wochen einer Geisterstadt aus einem Hollywood-Blockbuster. In der Luft hängt dichter grau-gelber Nebel, der die Sicht auf einige 100 Meter einschränkt. Nur sehr wenige, mit Atemschutzmasken verhüllte Menschen zeigen sich in der Öffentlichkeit, und noch weniger Fahrzeuge sind auf den Straßen unterwegs. Smog ist zwar ein altbekanntes Problem in der Millionenstadt, doch so schlimm wie im Moment war es noch nie, sagen viele der Einwohner.

Diese Ansicht teilen seit gestern morgen auch die zuständigen Behörden. Seitdem gilt in der Stadt Alarmstufe Rot wegen Luftverschmutzung. Es ist das erste mal überhaupt, dass die Pekinger Behörden wegen des Smogs diese höchste der vier Warnstufen ausrufen. Die Folgen für das öffentliche Leben in der 20-Millionen-Einwohner Stadt sind gravierend. Jedes zweite Fahrzeug muss in der Garage bleiben, Kindergärten und Schulen bleiben für zunächst für drei Tage geschlossen. So lange soll auch die höchste Alarmstufe gelten. Den Einwohner wird geraten, wenn möglich zuhause zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten.

Die momentane Konzentration des als besonders gefährlich geltenden Feinstaubs mit einer Partikelgröße von weniger als 2,5 Mikrometern liegt mit bei rund 250 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das ist zwar deutlich weniger als letzte Woche, als ein trauriger Rekordwert von rund 600 Mikrogramm erreicht wurde, für die Menschen besteht aber dennoch ein großes Gesundheitsrisiko.

Der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte Höchstwert für diese Art von Mikrofeinstaub liegt bei gerade einmal 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Letzte Woche überschritt die Feinstaubkonzentration diesen Grenzwert um etwa das 24fache. Doch die Behörden zögerten mit den Gegenmaßnahmen. Im Gegensatz zu gestern wurde lediglich die zweithöchste Alarmstufe Orange ausgerufen. Für viele Gesundheitsexperten und Umweltschützer eine unverständliche Reaktion auf die immense Belastung mit den krebserregenden Partikeln.

Diese Woche haben die Behörden schneller reagiert, obwohl der Grenzwert gestern „nur“ um das zehnfache überschritten wurde. Für viele Experten ist das Ausrufen der höchsten Alarmstufe dennoch die einzig richtige und vor allem längst überfällige Entscheidung.

Bisher sind die chinesischen Behörden vor dieser Maßnahme immer zurückgeschreckt, obwohl die Umstände es bereits oft gefordert hätten. Alarmstufe Rot soll laut Richtlinien eigentlich immer dann ausgerufen werden, wenn die erwartete Feinstaubkonzentration den Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen überschreitet. Vergangene Woche beispielsweise wäre das der Fall gewesen.

Die zuständigen Stellen teilten jedoch mit, man wolle das öffentliche Leben in der riesigen Metropole nicht zu sehr einschränken. Gesundheitsexperten kritisierten dies scharf und verwiesen auf die wesentlich größere Beeinträchtigung durch Folgeschäden aufgrund des eingeatmeten, hochgradig gesundheitsschädlichen Feinstaubs. Dass nun endlich Alarmstufe Rot ausgerufen wurde, sehen viele Umweltschützer als ein Zeichen der Hoffnung auf Veränderung.

Eine chinesische Umweltschutzaktivistin sagte, sie glaube, die Alarmstufe Rot sei sehr hilfreich, da die zuständigen Umweltschutzbehörden nun gezwungen sein, Maßnahmen gegen die extreme Luftverschmutzung zu ergreifen. Der Smog in Peking sei zwar schon seit langem schlimm, bisher seien jegliche Gegenmaßnahmen von offizieller Seite jedoch ausgeblieben. Darum sei es über die Jahre immer schlimmer geworden.

Mittlerweile stößt die Luftverschmutzung jedoch bei den Einwohnern Pekings immer mehr auf Empörung. Das, und wohl auch die weltweite mediale Aufmerksamkeit, zwang die Behörden wohl zur Verkündung der Alarmstufe Rot. Viele Beobachter bezweifeln jedoch, dass darüber hinaus tatsächlich wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Die hohe Feinstaubbelastung in Peking rührt, neben dem Verkehrsbereich, vor allem von der Kohleindustrie her – einem wesentlichen Standbein der ständig wachsenden chinesischen Wirtschaft. Um den Smog in den Griff zu bekommen, müsste die Energie- und Wärmeerzeugung mit dem schmutzigen Brennstoff drastisch reduziert werden. Für das Wirtschaftswachstum wäre das jedoch ein erheblicher Bremser.

Zwar behauptet die chinesische Regierung, sie wolle den Kohleverbrauch drastisch verringern, doch so heißt es bereits seit 2014. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass China sogar noch viel mehr Kohle verbrennt, als die Behörden bisher behauptet haben.  Ob sich zum Wohle der Bevölkerung in Zukunft daran etwas ändert, liegt gegenwärtig so sehr im Dunklen wie Pekings vernebelte Skyline.

Zumindest ab morgen können die Smog-geplagten Pekinger allerdings erst einmal aufatmen. Der Wetterdienst erwartet eine Kaltfront mit starkem Nordwind, der den Feinstaub, wie schon letzte Woche, innerhalb kürzester Zeit auflösen wird. Bis zum nächsten Mal, das leider sicher nicht lange auf sich warten lassen wird.

Quelle: Tagesschau.de

 

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