Schokolade, Chips, Kaffee: Agrarpflanzen droht Massenaussterben

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Kakaobauer hält vertrocknete Kakaobohnen in der Elfenbeinküste, deren Bäume von Insekten angefressen wurden Issouf Sanogo AFP Getty Images
Vertrocknete Kakaobohnen an der Elfenbeinküste ©Sanogo/AFP/Getty Images

Schokolade, Chips, Kaffee – Nicht nur Tiere und Insekten, auch unsere Agrarpflanzen sind von dem sechsten Massenaussterben stark bedroht. Jeder hat schon einmal von den bedrohten Arten wie dem Afrikanischen Elefanten oder dem Blauwal gehört. Doch wer schreibt die Lobschrift für unsere (Nutz-)Pflanzen? Wer kümmert sich um die sogenannte Agrobiodiversität?

Massenaussterben der Agrarpflanzen

Weltweit sind über 940 Nutzpflanzen bedroht. Agrobiodiversität ist daher eine wichtige Ressource, die wir langsam aber kontinuierlich verlieren. Dennoch sollten wir vor allem die unbekannteren Nutzpflanzen-Arten nicht außer Acht lassen, da sie häufig an extremere Wetterbedingungen angepasst sind und uns in der Anpassung an den Klimawandel sehr nützlich werden könnten.

Etwa 33 Prozent des weltweiten Ackerlandes ist bereits heute durch einen Mangel an Nährstoffen im Boden degradiert. Hier wäre das Aufrechterhalten unserer Agrobiodiversität wiederum eine gute Lösung: Indem Landwirte in Frankreich beispielsweise kältetolerante Hülsenfrüchte und Futtermittel im Winter anpflanzen, können sie den Unkrautbefall reduzieren, den Nährstoffgehalt in den Böden natürlich vergrößern und die Wasserspeicherungskapazität vergrößern.

Gemäß des internationalen Instituts Intergovernmental Panel on Climate Change wird der Klimawandel alle zehn Jahre für einen 2-prozentigen Rückgang aller Ernteerträge verantwortlich sein. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Agrargütern bis 2050 jedes Jahrzehnt um 14 Prozent steigen. Auch das massive Insektensterben, das u.a. in Deutschland stattfindet, wird zu weiteren Engpässen beitragen.

© J.van de Gevel/Biodiversity International

Schokolade

In Ghana und an der Elfenbeinküste, wo 70 Prozent unserer Kakaobohnen angebaut werden, werden Kakaobäume nicht mehr dazu in der Lage sein, zu überleben, da die Temperaturen dort innerhalb der nächsten 40 Jahre um zwei Grad ansteigen werden. Pflanzenschädlinge, Pilzinfektionen und die veränderten Temperaturen setzen den Nutzpflanzen am meisten zu.

Kartoffeln

Kartoffeln: Für bis zu 22 Prozent der Wildkartoffeln auf dieser Welt wird vorhergesagt, dass sie aufgrund des Klimawandels bis 2055 aussterben werden.

Kaffee

Seit 1960 ist der Kaffeeertrag in Tansania bereits um 50 Prozent zurückgegangen. Als die Hauptursachen für den Rückgang der Kaffeeproduktion wurden Hitze und Dürre verzeichnet. Nun haben Wissenschaftler festgestellt, dass die erhöhten Nachtzeit-Temperaturen den größten negativen Einfluss auf die Kaffeepflanzen haben. Für jeden 1-Grad Celsius Anstieg der Mindesttemperatur erwarten Wissenschaftler einen jährlichen Jahresertragsverlust von ca. 137 kg pro Hektar. Für einen Kleinbauern in Tansania entspricht dies 60 Prozent der Ernte.

2 Milliarden Mangelernährte und 2 Milliarden Übergewichtige

Gemäß der World Health Organisation (WHO) ist mangelhafte Ernährung der Hauptgrund für frühzeitigen Tod und Behinderung. Auf unserer Erde gibt es inzwischen 2 Milliarden unterernährte Menschen, während 2 Milliarden aufgrund von Übergewicht ihr Risiko für Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs erhöhen. Indem wir uns auf eine großräumige und intensive Landwirtschaft, anstatt auf eine nährstoffreiche Ernährungsweise, konzentrieren, schaffen wir daher große Probleme: in entwickelten Ländern sowie in Entwicklungsländern. Daher könnte Agrobiodiversität die Quelle für eine bezahlbare und nährstoffreiche Ernährung sein. Vorausgesetzt, wir geben sie nicht auf.