Schmetterlinge und Vögel im Klimawandel

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Coenonympha tullia ochracea

Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem der Erde sind vielfältig und komplex. Für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten stellt die Anpassung an die sich stetig ändernden Lebensbedingungen eine akute Gefährdung dar. Eine europäische Studie hat nun die Folgen der Erderwärmung für Vögel und Schmetterlinge untersucht und ergeben, dass auch diese beide Tierarten mit dem Tempo der Temperaturerhöhung nicht Schritt halten können.

Demnach haben Schmetterlinge in den letzten zwei Jahrzehnten im statistischen Mittel 114 Kilometer und Vögel 37 Kilometer zurück gelegt, um der durch steigende Temperaturen verursachten Verschiebung ihrer Lebensräume zu folgen. Da sich die Lebensräume in der selben Zeit aber um rund 249 Kilometer nach Norden verschoben haben, sind beide Tierarten längst ins Hintertreffen geraten. Schmetterlinge sind mit einem Rückstand von durchschnittlich 135 Kilometern zwar noch deutlich besser dran als Vögel mit 212 Kilometern, aber dramatisch ist die Lage laut den Wissenschaftlern für beide Tierarten.

Wie Chris van Swaay von der Niederländischen Schmetterlingsstiftung betont, weisen die Forschungsergebnisse „nämlich nicht nur darauf hin, dass Vögel und Schmetterlinge nicht schnell genug dem Klimawandel hinterher ziehen können. Sie zeigen auch, dass die Lücke zwischen beiden Gruppen größer wird.“ So konnten die Studienautoren nachweisen, dass durch den Klimawandels auch die Lebensgemeinschaften verschiedener Tiergruppen zerstört werden können. Laut Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung „sind viele Vogelarten bei ihrer Ernährung auf Raupen bestimmter Schmetterlingsarten angewiesen und könnten daher unter den Veränderungen leiden.“

Besonders betroffen von derartigen Differenzen in der Klimadrift sind spezialisierte Arten. So sind laut Settele beispielsweise die Raupen des Natterwurz-Perlmutterfalters auf den Wiesenknöterich als Futterpflanze angewiesen. Während es die Schmetterlingsart nun „vielleicht gerade noch so schaffen würde, mit den Temperaturen mitzuziehen – die Pflanze, von der sie abhängig ist, ist dagegen bei weitem nicht so mobil“. Für viele Tier- und Pflanzenarten könnte das eine akute Existenzbedrohung bedeuten.

Für die in dem Fachmagazin Nature Climate veröffentlichte Studie wertete das internationale Forscherteam Daten aus rund 1,5 Millionen Beobachtungsstunden ehrenamtlicher Netzwerke aus. Ganz nebenbei zeigt die Studie aus Sicht der Wissenschaftler damit auch die Wichtigkeit der Arbeit von ehrenamtlichen Beobachtern.

Neben Schmetterlingen und Vögeln sind auch andere Tierarten durch den Wandel des Klimas stark bedroht. So müssen beispielsweise Seeelefanten zur Nahrungsaufnahme immer tiefer tauchen und die Eisbären sind mittlerweile sogar vom Aussterben bedroht.

Matthias Schaffer

 

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