Rekord: CO2-Konzentration weltweit so hoch wie nie

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Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Wie die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) jetzt bekannt gab, wurde den ganzen vergangenen März hindurch eine globale Durchschnittskonzentration von mindestens 400 Parts per Million (ppm) Kohlendioxid in der Atmosphäre gemessen. Noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit ist über einen ganzen Monat kontinuierlich so viel CO2 in der Luft gewesen. Doch das wird sich in Zukunft ändern, fürchten Wissenschaftler und prognostizieren bis zum Jahr 2050 einen Anstieg auf 530 ppm, sollte der momentane Kurs beibehalten werden – mit dramatischen Folgen.

Der genaue Durchschnittswert, der im März gemessen wurde, liegt bei 400,83 ppm. Das bedeutet, pro Millionen Teile Luft befanden sich vergangenen Monat im Durchschnitt 400,83 Teile Kohlendioxid in der Atmosphäre – und das überall auf der Welt. Zum Vergleich: Vor Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert lag der CO2-Gehalt bei lediglich 275 ppm, schreibt die Organisation 350.org. Das zeigt deutlich, wie sehr wir die Atmosphäre unseres Heimatplaneten in den vergangenen Jahrhunderten mit CO2 angereichert haben. So hohe Werte wie seit einigen Jahren habe es das letzte Mal wahrscheinlich vor etwa 15 Millionen Jahren gegeben, so zumindest das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2009.

Pieter Tans, der führende Wissenschaftler des NOAA Global Greenhouse Gas Reference Network, zeigte sich vom dem Ergebnis nicht überrascht: „Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir eine so hohe CO2-Konzentration erstmals über einen ganzen Monat lang messen würden“, sagte er in einer Stellungnahme. Dennoch sei das Überschreiten der 400 ppm Grenze ein trauriger Meilenstein. „Das macht deutlich, dass die Menschheit durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe einen Anstieg der CO2-Konzentration um mehr als 120 ppm seit dem vorindustriellen Zeitalter verursacht hat, so Tans weiter. „Die Hälfte dieses Anstiegs fand dabei erst seit 1980 statt.“

Mit anderen Worten: In nur 35 Jahren haben wir das geschafft, was der Menschheit zuvor in ihrer gesamten Geschichte nicht gelungen ist. Für die Zukunft lässt das nichts gutes erwarten. So stieg beispielsweise der CO2-Gehalt um das Jahr 1959 „nur“ um rund 0.75 ppm jährlich. Im Jahr 2015 stiegen die Werte mit etwa 2.15 ppm fast dreimal so schnell. Allein seit Beginn dieses Jahrhunderts haben sich die Durchschnittswerte mehr als verfünfzehnfacht. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird die CO2- Konzentration im Jahr 2050 weltweit bei 530 ppm liegen, bis zum Jahr 2100 sogar bei 780 ppm, so schätzt die Organisation for Economic Co-Operation and Development (OECD), denn die Verbrennung fossiler Ressourcen nimmt immer weiter zu. Gerade die stark wachsenden Wirtschaftsmächte Indien und China blasen Jahr für Jahr mehr CO2 in die Atmosphäre und Schwellenländer wie Korea oder Brasilien folgen diesem Beispiel.

Die durchschnittlich 400 ppm sind daher wirklich keine Überraschung. Auch nicht für die Klimaforscher, die bereits im März 2013 erstmals eine derart hohe Konzentration gemessen hatten. Damals im NOAA Mauna Loa Observatorium auf Hawaii. Was 2013 als einzelne Tagesmessung begann, war ein Jahr später bereits an der Tagesordnung. So wurden im Sommer 2014 im selben Observatorium bereits über mehrere Monate Werte über 400 ppm gemessen. Jedoch nur auf Hawaii und nicht weltweit, so wie dieses Jahr. Die weltweite CO2-Durchschnittskonzentration im März letzten Jahres lag mit 398.10 ppm noch knapp unter dem diesjährigen Rekordwert. Am 4. Mai 2015 wurden auf Mauna Loa sogar 403,98 ppm gemessen – auch das war ein trauriger neuer Rekord.

Die 400 ppm sind für viele Klimatologen eine symbolische Grenze. Ihnen zufolge wurde beim Überschreiten dieser Grenze ein Wert erreicht, der definitiv unwiderrufliche und katastrophale Folgen für unser Klima zur Folge haben wird. „Die CO2-Werte steigen weiter, es wird wärmer, das Eis schmilzt schneller und der Meeresspiegel steigt immer mehr an, sagte Ken Caldeira, ein Atmosphärenforscher der Carnegie Institution for Science’s Department of Global Ecology. „Wir werden auch weiter von Rekord zu Rekord eilen, bis wir endlich damit aufhören, den Himmel als Müllhalde zu benutzen“.

Doch das müsste bald passieren, andernfalls wird es zu spät sein. Sollten die Werte bis 2050 wirklich um die 530 ppm liegen, wird sich die Erde drastisch erwärmen, weit mehr als die international angestrebten zwei Grad Celsius. Denn um die Zwei-Grad-Marke zu halten, müsste die CO2-Konzentration bei maximal 450 ppm stabilisiert werden, schätzen Organisationen wie der Weltkllimarat (IPCC) oder die OECD. Doch die OECD rechnet eher mit einer Verdoppelung der globalen Emissionen bis 2030, sollten radikale Gegenmaßnahmen ausbleiben, und damit auch zu einem signifikanten Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre. Bei den prognostizierten 530 ppm im Jahr 2050 steuern wir nach Ansicht des IPCC und der OECD auf eine globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 um durchschnittlich vier bis sechs Grad Celsius gegenüber den Temperaturen vor der Industrialisierung zu. Das hätte dramatische Auswirkungen auf das Leben auf der Erde.

Der Klimatologe Ed Hawkins sagte, die kontinuierlich steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre müsse nun Politikern im Gedächtnis sein, wenn sie im Dezember bei der Weltklimakonferenz in Paris zusammenkommen. Die Konferenz dürfte in der Tat einer der letzten Möglichkeiten sein, um dem Klimawandel noch wirksam Einhalt zu gebieten. Ansonsten wird die Welt wohl wirklich weiter von einem CO2-Rekord zum nächsten eilen.

 

One Response

  1. Martin Uffmann

    8. Mai 2015 16:25

    Welch traurige Nachricht, die allerdings in all den vielen anderen traurigen Nachrichten von Erdbeben, ertrunkenen Flüchtligen, Kriegsopfern etc. leider fast untergeht. Oft weiß man gar nicht, wo man anfangen soll mit der Umstellung seines Lebensstils oder mit Spenden oder anderen Hilfeleistungen. Aber daraus den Schluss zu ziehen, vor lauter Unsicherheit oder Überfrachtung erstmal nichts zu tun, ist sicher auch der falsche Weg.

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