Regional einkaufen – das „Regional-fenster“ hilft

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Regional Einkaufen Label
Lokales Einkaufen

Wer versucht, einen möglichst nachhaltigen Lebensstil zu führen, für den gehört unbedingt auch der Kauf von regionalen Produkten, speziell Lebensmitteln, dazu. Doch was heißt eigentlich „regional“? Wie ist „Region“ denn definiert? Sind damit die agrarischen Anbaugebiete um meine Stadt herum gemeint? Ist es der ganze Landstrich, in dem ich wohne? Oder ist der Begriff einfach mit meinem Bundesland gleichzusetzen? Welcher Radius um mich herum beschreibt also die „Region“?

Klare gesetzliche Richtlinien für diesen Begriff gibt es nicht. Und so tun wir als Verbraucher gut daran, bei entsprechender Werbung genau hinzuschauen.

Bei vielen Menschen beliebt ist der Wochenmarkt. Und das zu Recht. Denn es ist Einkaufen mit allen Sinnen. Die Ware ist nicht eingeschweißt, sie duftet, darf oft angefasst, sogar probiert werden und es kann die individuell benötige Menge erworben werden. Doch wer genauer hinsieht, für den muss eigentlich klar sein: die angebotene Fülle und Vielfalt an Obst und Gemüse etwa kann der Landwirt meist nicht komplett auf dem eigenen Hof erzeugen. Ein mehr oder weniger großer Anteil der Ware ist zugekauft, im Winter natürlich mehr als im Sommer. Denn viele Verbraucher erwarten eine reichhaltige Auswahl. Also steht der Wochenmarkt nicht per se für regionales Einkaufen. Der große Vorteil dort ist aber: der Kunde hat einen direkten Ansprechpartner, kann unvermittelt nachfragen, wo die einzelnen Produkte herkommen. Zwar muss die Herkunft auch ausgeschildert sein, doch auch das hilft nicht immer weiter. Beispiel Erdbeeren: diese leicht verderbliche Ware kaufen wir Konsumenten gerne von nahegelegenen Feldern. Immer mal wieder sind die roten Früchte mit „hiesig“ also „von hier“ ausgezeichnet, suggeriert also die Ernte auf nahegelegenen Feldern. Doch ist der Begriff, ebenso wie die Formulierung „regional“, nicht geschützt.

Was also bei frischen Produkten wie Obst und Gemüse schon Schwierigkeiten mit sich bringt, ist bei verarbeiteten, zutatenreichen Erzeugnissen umso herausfordernder. Zwar findet sich auf Verpackungen oft ein Hinweis wie „mit nachhaltigen Tomaten“ oder „mit Bio-Milch“, doch wie nachhaltig das Produkt als Ganzes ist, auch hinsichtlich der Transportwege, das bleibt oft unbeantwortet. Doch es gibt zukunftsweisende Ansätze. So gibt es bei der Firma Frosta, einem Hersteller von Tiefkühlprodukten, auf jeder Packung seiner Fertiggerichte eine Tabelle, in der die Herkunft jedes einzelnen Bestandteils aufgelistet ist. Von den Kartoffeln bis zum Gewürz Kurkuma – jede Zutat wird angegeben. So möchte der Hersteller für besondere Transparenz sorgen.

Ein Label, das über die Herkunft informiert

Eine noch bessere Hilfestellung bietet jedoch das „Regionalfenster“. Es ist ein Label, das seit Anfang 2014 bundesweit auf Produkten zu finden ist. Das Logo ist ein Fenster, das offensteht und so zum Hineinschauen einlädt. Aus dem Deklarationsfeld inmitten dieses Fensters erfährt der Verbraucher zum einen die Herkunft der Hauptzutaten und zum anderen deren Verarbeitungsort.
Weitere Hinweise zur Qualität werden bewusst nicht gegeben, denn es soll keine Konkurrenz zu bestehenden Gütesiegeln aufgebaut werden. Ziel ist einzig, die Herkunft eines Produkts offenzulegen.
Hinter dem Label steht ein Trägerverein mit Sitz im hessischen Friedberg. Er vergibt die kostenpflichtigen Lizenzen an die Herstellerfirmen und organisiert ebenso die jährlichen Audits durch eine der derzeit 18 unabhängigen Zertifizierungsstellen. Aktuell sind insgesamt mehr als 4.000 Produkte von rund 700 Lizenznehmern mit dem „Regionalfenster“ gekennzeichnet.

Auch hier zeigt sich wieder die Schwierigkeit, eine Region zu definieren. Dass eine Definition per Gesetz nicht die Lösung sein kann, ist für den Trägerverein klar. Und so erläutert er auf seiner Website: „Regionen sind gefühlte Einheiten mit wechselnden Grenzen und somit schwer in Gesetze mit starren Bezugsgrößen zu gießen.“ Und: „Eine gesetzlich klare Definition der Region dürfte aufgrund der kulturellen Historie des Regionsbegriffes eher einer Sisyphosarbeit gleichen als einer praktikablen Lösung für den Verbraucher.“ Und so werden beim „Regionalfenster“ sehr verschieden große Regionen angegeben. Sowohl die Angabe „Südbaden“ als auch ein bestimmtes Bundesland kann im Deklarationsfeld stehen, aber ebenso auch einfach „Norddeutschland“. Der Lizenznehmer kann, im Rahmen der Vorgaben des Trägervereins, diese Genauigkeit bei der regionalen Kennzeichnung frei wählen. Wichtig ist den Entwicklern des Labels einzig die Transparenz, das heißt die klare Nachvollziehbarkeit für den Konsumenten. Er „kann durch die klare Kennzeichnung je nach Produkt selbst entscheiden, ob ihm die Regionsdefinition „ausreicht“ oder ob sie nach seinem persönlichen Empfinden zu groß gewählt wurde“, heißt es. Die Kauf-Entscheidung – und damit die Macht zur Veränderung – liegt also nach wie vor bei uns Verbrauchern.

 

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