Lastverschiebung: Potenzial längst nicht ausgeschöpft

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Die zeitliche Verschiebung der Stromnachfrage, gilt als ein wichtiger Baustein für die Energiewende. Doch die Umsetzung ist anspruchsvoll.
Die zeitliche Verschiebung der Stromnachfrage, gilt als ein wichtiger Baustein für die Energiewende. Doch die Umsetzung ist anspruchsvoll.

Demand Side Management gilt als ein wichtiger Baustein der Energiewende. Vor allem in der Industrie ist das technische Potenzial groß. Doch die Rahmenbedingungen stimmen nicht und die Umsetzung ist anspruchsvoll. Dies ergab ein Pilotprojekt der Dena in Baden-Württemberg.

Auf 6 Gigawatt (GW) schätzt das Umweltbundesamt das technische Potenzial des Demand Side-Management (DSM) in der deutschen Industrie. Allein für Unternehmen in Süd-deutschland kalkuliert Agora Energiewende das Potenzial auf rund 1,25 GW.

Die zeitliche Verschiebung der Stromnachfrage oder die gezielte Beeinflussung der Nachfragehöhe kann einen wichtigen Beitrag zur Flexibilisierung des Stromsystems leisten. Dann, wenn beispielsweise der Wind stark bläst, wird mehr Strom abgenommen, bei Flaute wird der Verbrauch für einige Zeit gedrosselt. Gleichzeitig können so Unternehmen Kosten sparen und Erlöse durch die Stromvermarktung erzielen, so die Idee.

In Baden-Württemberg treibt nun die Deutsche-Energie-Agentur (Dena) die Umsetzung voran. Zielsetzung des vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energie unterstützten Pilotprojekts ist es, regionale Unternehmen dabei zu unterstützen, vorhandene Lastverlagerungspotenziale zu erkennen und wirtschaftlich zu vermarkten sowie die Ausgestaltung eines Marktes für DSM zu fördern.

Die bisherigen Ergebnisse sind allerdings eher ernüchternd. So wurden 100 Unternehmen aus energieintensiven Branchen wie der Metallindustrie, dem produzierenden Gewerbe wie dem Fahrzeugbau und kommunalen Betrieben identifiziert und angeschrieben, die für eine Teilnahme geeignet erschienen. 27 Unternehmen mit einem Potenzial von 36 Megawatt (MW) abschaltbarer Lasten beteiligten sich. Als wirtschaftlich realisierbar wurden 17,5 MW identifiziert, tatsächlich als abschaltbare Lasten vermarktet werden sollen nun rund 6 MW.

Vorreiter ist der Flughafen Stuttgart, der seit Mitte Dezember 3,2 MW abschaltbare Lasten (Notstromaggregate sowie Kälte- und Lüftungsanlagen) über das virtuelle Kraftwerk der EnBW als Regelenergie vermarktet, wie Holm Wagner, Geschäftsführer der Flughafen Stuttgart Energie berichtet. Entscheidend für diesen Schritt sei die fachliche Begleitung durch die Dena gewesen.

„Sehr aufwendig und zeitkritisch“ seien die sehr hohen Anforderungen im Rahmen einer sogenannten Präqualifikation für die Bereitstellung von Regelenergie, doch habe man sich im Rahmen des Projekts mit dem Übertragungsnetzbetreiber auf eine pragmatische Lösung einigen können. „Das Potenzial ist vorhanden“, bricht Wagner eine Lanze für DSM. Doch der Aufwand für die Einführung sei erheblich. Zudem seien auch Anfangsinvestitionen nötig, beispielsweise in Steuerungstechnik.

Eine DSM-Vermarktung wird auch von der Heidelberger Cement für einen Standort in einem Umfang von 1 MW geprüft. Doch aufgrund den sehr eng getakteten Produktionszyklen beim Betrieb der Mühlen für die Zementproduktion sei die Implementierung anspruchsvoll und komme nicht immer in Frage, so Torsten Oster, Head of Group Energy Purchasing.

Man prüfe derzeit inwieweit Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen mit insgesamt 1 MW Leistung sowie die Lüftungstechnik für DSM genutzt werden könnten, berichtet Ulrich Mogck, Leiter Facility Management bei Dürr Systems. Doch sei dies ein komplexer Entscheidungsprozess. Zudem stünden die Rahmenbedingungen, wie die Netzentgeltsystematik und geringe Preise für die Regelenergievermarktung der Einführung im Wege.

„Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass man mit DSM wirklich Geld verdienen kann und Einstiegshürden verringert werden“, unterstreicht der baden-württembergische Umweltminister Franz Unter-steller. Er plädiert dafür, transparente DSM-Ausschreibungen anzubieten, an der sich viele Unternehmen beteiligen können. Dagegen privilegiere die jüngst bis Ende Juni 2016 verlängerte Verordnung über abschaltbare Lasten (AbLAV) einige Großunternehmen. Die Regelung honoriert die Abschaltung großer industrieller Lasten durch die Netzbetreiber zur Sicherung der Versorgungssicherheit. Doch die Eintrittsschwelle von mindestens 50 MW verschiebbarer Lasten sei für mittelständische Unternehmen zu hoch. Zudem stünden Netzentgelte, die fixe Verbrauchsmuster von Industriekunden bevorteilten, insbesondere § 19 Absatz 1 und 2 der Stromnetzentgeltverordnung, der nötigen Flexibilisierung entgegen.

In einer zweiten Phase des Pilotprojekts soll bis Ende 2016 die Vermarktung abschaltbarer Lasten am Stromspotmarkt erprobt werden.

 

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