Plastik aus Holz

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Baum aus Plastik

Ein Leben ohne Kunststoffe ist in unserer modernen Welt kaum denkbar. Ohne Plastik und Co. wäre das Leben ja auch nur halb so komfortabel, denn beinahe alle Gegenstände des täglichen Gebrauchs beinhalten in irgendeiner Form Kunststoffe. Eigentlich nichts schlimmes, wäre da nicht das Problem mit dem Erdöl.

Die meisten Kunststoffe werden nämlich aus Erdöl gewonnen und das belastet die Umwelt. Auch Biokunststoffen eilt ein nicht besonders positiver Ruf voraus, schließlich konkurriert der aus Mais oder Zucker gewonnene Biokunststoff mit Nahrungsmitteln. Deutsche Tüftler haben nun eine vielversprechende Alternative entdeckt, die weder die Umwelt belastet, noch in Konflikt mit der Nahrungsmittelproduktion steht: Umweltfreundliches Plastik aus Holzresten.

Kunststoff verfügt über zahlreiche Eigenschaften, die ihn so besonders wertvoll für das tägliche Leben machen. So sind Kunststoffe deutlich leichter als viele andere Werkstoffe, etwa aus Metall oder Keramik, sie sind gegenüber organischen Materialien beständig, was sie zu einem pflegeleichten Werkstoff für Gebrauchsgegenstände macht und ihre niedrige Leitfähigkeit und die geringe Verarbeitungstemperatur eröffnen ihnen ebenfalls ein breites Einsatzspektrum. Gar nicht so einfach, einen würdigen und zudem umweltfreundlichen Rohstoff ausfindig zu machen, der diese Eigenschaften so in sich vereint. Die Lösung bahnte sich langsam – und zufällig – an. Das Ergebnis: Ein bio- basierter Kunststoff der wie ein herkömmlicher thermoplastischer Kunststoff verarbeitet werden kann und gleichzeitig die Umwelt schont.

Doch von vorne: Das moderne Märchen beginnt im Jahr 1996. Damals trafen sich Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele im Fraunhofer Institut für Chemische Technologie in Pfinztal. Sie forschten gemeinsam auf dem Sektor der Polymertechnik, hinterfragten ihre Arbeit jedoch immer mehr. Nachwachsende Rohstoffe in die Kunststoffherstellung integrieren und zudem CO2 einsparen – war das möglich? Es wurde getüftelt und unterschiedliche natürliche Ausgangsmaterialien wie Rüben, Mais und Getreide getestet, doch eine befriedigende Antwort wollte sich nicht so recht einstellen.

Erst, als sie die Entwicklung eines anderen Kollegen für ihre Zwecke entdeckten, schritten die Erkenntnisse voran. Der besagte Kollege hatte nämlich ein umweltschonendes Verfahren entwickelt, um Lignin auf „unchemischem“ Weg aus der Zellulose zu lösen. Dieser faserige Stoff, der Bäumen Widerstandsfähigkeit und Stabilität gegenüber mechanischen Belastungen verleiht, bildet nun die Grundlage für den bio-basierten Kunststoff von Pfitzer und Nägele. Lignin fällt weltweit zu Millionen Tonnen an. Bislang blieb es ungenutzt und wurde als Abfallstoff verbrannt. Jetzt wird daraus Plastik hergestellt – Plastik, dass erdölfrei, nachhaltig und ohne Flächenkonkurrenz für landwirtschaftliche Rohstoffe ist.

Judith Schomaker

 

2 Responses

  1. Energieausweis Weyhe

    28. März 2012 7:29

    Ein super Artikel, vielen Dank dafür! Da werden die Mineralölkonzerne aber sicherlich breiten Widerstand leisten. Hoffentlich kann diese großartige Idee dennoch im großen Stil umgesetzt werden. Was unsere Technologie angeht, wird alles immer effizienter – solange das niemandem schadet und wie in diesem Fall sogar Rest-/Abfallstoffe verwendet werden, ist das eine großartige Sache!
    Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium

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