Pilgern für das Klima

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Pilgern für das Klima
Pilgern für das Klima

Spätestens seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg…“ ist es populär. Doch praktiziert wird es von gläubigen Menschen bereits seit vielen Jahrhunderten: das Pilgern.

Und seit den 1980er Jahren besteht in Deutschland die Umweltbewegung. Auch hier gab und gibt es religiöse Men-schen. Sie setzen sich aus Glaubensgründen für Umweltbe-lange ein, ihnen liegt die „Bewahrung der Schöpfung“ am Herzen. Dafür werden sie aktiv und gehen auch demon-strierend auf die Straße.

Was liegt da näher, als beides miteinander zu verbinden. Und zwar ganz konkret mit Blick auf den Weltklimagipfel, der vom 30. November bis zum 11. Dezember in Paris stattfindet.

Und so pilgern zur Zeit viele Menschen eine kürzere oder längere Strecke gemeinsam auf dem „Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“. Das ist eine Route, die von Flensburg über Hamburg bis ins Ruhrgebiet, dann weiter über Köln nach Trier und ins französische Metz führt, um schließlich in Paris zu enden.

Am 13. September haben sich die Pilger an der dänisch-deutschen Grenze auf den Weg gemacht. Für den 27. November ist ihre Ankunft in Paris geplant. Dort angekommen, wartet ein internes Abschlussevent sowie die Teilnahme an einer Großdemonstration durch die französische Hauptstadt auf die Pilger. Dort soll nochmals die Forderung nach einem ehrgeizigen, rechtlich verbindlichen sowie fairen Klimaabkommen laut werden.

Zum Klimapilgern eingeladen hat ein breites Bündnis christlicher Kirchen und Verbände. Doch bedeutet dies nicht, dass sich nur religiöse Menschen oder sogar nur Kirchenmitglieder der für die Teilnehmer kostenlosen Aktion anschließen dürfen. Sie ist offen für alle Interessierten.

Und der Zuspruch ist groß. Zwar können nur die Wenigsten zehneinhalb Wochen Zeit erübrigen, und so ist es nur eine Handvoll Pilger, die seit dem Start in Flensburg mit dabei ist, doch auf den Tagesetappen oder über die Wochenenden sind oft rund 150 Pilger unterwegs. Da die Route nur durch einen Teil Deutschlands führt, vielen Menschen das Klimapilgern aber ein Anliegen ist, haben sich vor allem in Süddeutschland weitere Aktionen entwickelt.

Internationale Bewegung

Dabei sind die deutschen Aktivitäten Teil einer internationalen Bewegung: weitere Pilger machen sich Mitte November in London auf den Weg nach Paris. Und Aktivisten von den Philippinen planen, in 60 Tagen von Rom aus pilgernd die französische Hauptstadt zu erreichen. Auch innerhalb anderer Länder gibt es Pilgeraktionen mit Fokus auf die Klimaproblematik, etwa in Österreich, Ungarn und Italien, in den Niederlanden sowie den skandinavischen Ländern.

Neben dem Pilgern und den Andachten wird immer auch intensiv auf „Kraftorte und Schmerzpunkte“, wie es die Organisatoren nennen, geschaut. Zu letzteren gehören etwa die Belastungen durch Flugverkehr in mehreren Regionen, das geplante Fracking in Holstein und im Münsterland sowie der Braunkohletagebau in Inden und Garzweiler bei Köln.

Mit gutem Beispiel voran

Doch es soll auch gezeigt werden, dass es anders möglich ist. So werden in vielen Städten und Gemeinden auch „Best-practice“-Beispiele, eben die „Kraftorte“, präsentiert. Die Klimaschutz-konzepte der Kommunen, aber auch der Kirchengemeinden werden erläutert, etwa Projekte, die sich „Klimakommune“ oder „CO²-neutraler Landkreis“ nennen. Es werden Bio-Energieparks und Wasserkraftwerke ebenso besichtigt wie ein Acker mit der Energiepflanze Silphie, ein Gemeindehaus im Passivhaus-Standard oder eine Carsharing-Initiative. Auch viele weitere Aspekte der Nachhaltigkeit wie der Faire Handel werden in Diskussionsveranstaltungen und Workshops thematisiert. Neben Kirchenvertretern und Klimaschutzexperten nehmen auch immer wieder Politiker an diesen Veranstaltungen teil.

Am 24. und 25. Oktober wurde nun in Wuppertal das „Bergfest“ gefeiert. Die bergige Stadt markiert die Mitte der Gesamtstrecke von Flensburg bis Paris. An der Tagesetappe dorthin nahm auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks teil. Nach ihrer Prognose zum Erfolg des Weltklimagipfels gefragt, erklärte sie, bei der letzten Vorbereitungskonferenz, die am Abend zuvor in Bonn zu Ende gegangen war, habe man sich auf einen Verhandlungstext für den Gipfel einigen können. Und so lautete das Fazit der Ministerin: „Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen“. – Möge sie mit ihrer Einschätzung Recht behalten.

www.klimapilgern.de

 

One Response

  1. Martin Uffmann

    5. November 2015 12:16

    Ich finde es wirklich sehr passend, für das Klima zu pilgern – denn leider scheint in der Tat nur noch beten zu helfen, wenn wir nicht bald die Kurve kriegen und der Natur etwas unter die Arme greifen bei der Reparatur der von uns verursachten Langzeitschäden. Sonst heißt es wirklich eines Tages „Ich bin dann mal weg…“ und zwar für immer.

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