Photovoltaik nördlich des Polarkreises

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Solaranlage auf Littleisland in Norwegen

In den tropischen und subtropischen Klimazonen der Erde steht der Erfolg von Solaranlagen außer Frage. Wie aber sieht es in der polaren Zone mit der Nutzung der Photovoltaik aus? Schauen wir nach Norwegen, wo sich Elch und Rentier gute Nacht sagen.

Hier hat sich eine Industrie für Photovoltaiksysteme etabliert – jedoch vor allem für den Export. Und die wenigen im Inland aufgestellten Anlagen speisen ihren Strom kaum ins Netz ein. So sind nur 1,5 Prozent der Solarmodule in Norwegen ans Netz angeschlossen. Vielleicht ändert sich das in Zukunft.

Solarforschung in der Polarregion

Das Northern Research Institute Norut beabsichtigt, die Photovoltaik gerade nördlich des Polarkreises weiter zu entwickeln. Das Potential dafür ist vorhanden. Nach einer Studie von Norut aus dem Jahr 2010 kann man manch nördliche Gegend mit deutschen Sonnenregionen vergleichen – insofern die Weichen dafür gestellt werden. Das heißt, die Anlagen müssen dem nördlichen Klima angepasst werden. Denn die vorherrschenden Bedingungen sind natürlich andere als im meist warmen Freiburg. Zum einen ist die Sonneneinstrahlung im Winter sehr eingeschränkt. Zum anderen wandert die Sonne im Sommer vom Nordosten in den Nordwesten. Um diese Sonnenwanderung zu verfolgen, sind Solartracker sehr zu empfehlen.

Was die niedrigen Temperaturen anbelangt, muss man sich keine Sorgen machen. Solarzellen mögen Kälte, das lässt die Elektronen ungestört wandern. Ein weiteres Argument für den Einsatz der Photovoltaikmodule nördlich des Polarkreises ist der Schnee. Von der Ablagerung auf den Modulen einmal abgesehen, unterstützt er durch seine Reflexion die Energieausbeute. Denn auch indirekte Sonneneinstrahlung wird von der Anlage in Elektrizität umgewandelt. Allerdings sind Schnee und Eis schon eine Herausforderung, da die Mechanik nicht zufrieren sollte.

Solaranlage für Inselhotel

Auch das norwegische Unternehmen REC fördert die Photovoltaik im Norden Norwegens. Ein Forschungsprojekt des Modulherstellers befasst sich mit den Auswirkungen der Salzluft, des Wassers sowie starken Windes auf die Solarmodule. Die zugehörige Testanlage mit einer Leistung von vier Kilowatt steht auf Litløy fyr, einer Insel in Vesterålen. Überraschenderweise der passende Ort für eine Photovoltaikanlage.

Denn auf der bezaubernden Insel steht das Littleisland Lighthouse von Elena Hansteensen. Das von ihr eröffnete Hotel hat sich Nachhaltigkeit auf die norwegische Fahne geschrieben. Fernab vom Stromnetz fängt das schon mit der Elektrizität an. Ein Dieselgenerator ist zwar vorhanden. Doch die im Jahr 2011 von REC errichtete Solaranlage leistet an sonnigen Tagen genug, um den nötigen Strom zu generieren. Das Resultat der 18 installierten Module hochab im Norden fällt also positiv aus.

JennyL s dsc04737-1Des Weiteren ist die LED-Leuchte für den Leuchtturm mit Solarmodulen versehen. Seit November 2009 strahlt sie alle zehn bis 15 Sekunden weißes Licht in die Ferne ab.

Um sich vollständig von dem Dieselgenerator zu trennen, strebt Elena Hansteensen langfristig die Installierung einer vertikalen Windkraftanlage an – eine weitere Einladung an potentielle Sponsoren, die die Widerstandskraft ihrer Windanlagentechnik testen wollen.

Die Nachhaltigkeit des Littleisland Lighthouse ist im Übrigen nicht auf die Energiebereitstellung begrenzt. Ebeso bei der Nahrung wird versucht, den lokalen Anbau verstärkt in die Versorgung der Gäste einzubeziehen. Diese können sich auch selbst davon überzeugen, ob die Photovoltaik in der Polarregion funktioniert.

Jenny Lohse

 

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