Palmöl – Freund oder Feind?

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PalmölPalmöl
Palmöl

Margarine, Schokolade, Kuchen, Kekse, Chips, Teig und Brötchen, Suppen, Saucen, Pommes Frites und Fertiggerichte – all diese Lebensmittel sind mehr oder weniger Teil unseres alltäglichen Lebens und haben dabei eines gemeinsam: Palmöl. Nicht nur für Nahrungsmittel, sondern auch für industrielle Zwecke, bei Kosmetika und Kerzen, sowie bei der Energiegewinnung wird das Fett aus der Palme eingesetzt. Dabei ist es immer wieder Gegenstand von Diskussionen.

Palmöl erscheint im ersten Moment als eine Art Alleskönner. Mit einem Ertrag dreimal so hoch wie der von Raps und einem, im Vergleich zu Soja, geringen Flächenaufwand von 6-mal weniger Anbaufläche bei gleichem Ertrag, ist die Pflanze wirtschaftlich gesehen eine der attraktivsten Ressourcen zur Gewinnung von Fett.

Doch steht die gelbfleischige Frucht zurzeit stark in der Kritik – sowohl aus gesundheitlicher, als auch aus klimatischer Sicht. So wird vermutet, dass Palmöl an der Entstehung von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes beteiligt sein könnte. Experten stellten fest:

  • Beim starken Erhitzen von Palmöl können sogenannte Fettsäureester (3-MCPD) entstehen, die nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung als krebserregend gelten. Die Substanz löse im Tierversuch ab einer bestimmten Dosierung Tumore aus.
  • Der relativ hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren in Palmöl kann nach Ansicht von Medizinern zu einer Verschlechterung der Blutfette führen. Dadurch steige das Risiko für Gefäßverkalkung und Diabetes.

Der Allgemeine Konsens ist, wie bei so vielem: vor allem der übermäßige Verzehr kann sich negativ auswirken. Angesichts der Tatsache, in wie vielen Produkten unseren täglichen Lebens Palmöl enthalten ist, ist ein Vermeiden dieses Inhaltstoffes jedoch nicht nur schwierig, sondern auch ziemlich teuer. Denn Lebensmittel und Produkte mit Palmöl sind grundsätzlich preiswerter.

Illegaler Anbau mit gravierenden Folgen

Des Weiteren hat der Erfolg der Palmenfrucht auch negative Folgen für die Umwelt. So werden insbesondere in Indonesien immer mehr Regenwaldflächen abgeholzt und gerodet, um mehr Anbaufläche bereitstellen zu können. Oft sind diese Rodungen jedoch illegal und gefährden dabei nicht nur durch rein klimatische Langzeitfolgen die Umwelt. Die Waldbrände, die zur Rodung bzw. zum Brandrodungswanderfeldbau ausgelöst werden, stellen eine direkte Gefährdung für Menschen, Tiere und Vegetation dar. Gleichzeitig ist der CO2-Ausstoß dieses Rodungsverfahrens enorm. So gelangten alleine in diesem Jahr bereits über eine Milliarde Tonnen CO2 durch Rodungen? in die Atmosphäre. Das ist mehr, als Deutschland in einem ganzen Jahr an CO2 produziert.

Die Palmölplantagen in Indonesien werden immer Größer, auf Kosten des Regenwaldes © WWF

Durch die Nutzung dieser Palmöle unterstützen Unternehmen den illegalen Anbau immer weiter, fördern ihn sogar noch. Die ausgelösten Waldbrände werden nicht weiter strafrechtlich verfolgt, die Aufsichtspersonen offen geschmiert und der illegale Anbau toleriert. Viele Kleinbauern erweitern ihr Anbaugebiet immer weiter, um so die Gewinne zu steigern und dem sinkenden Palmölpreis zu begegnen. Bei steigenden Bevölkerungszahlen und der so steigenden Lebensmittelproduktion sehen viele Unternehmen keinen Grund, etwas dagegen zu tun. Doch gibt es einige Unternehmen und Organisationen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und eigenständig an entsprechenden Richtlinien arbeiten. So auch das „Forum Nachhaltiges Palmöl e.V.“ (FONAP).

Einsatz für eine Nachhaltige Palmölwirtschaft

Letzten Mittwoch, am 11. November, wurde der Verein in Berlin gegründet. Im Rahmen dieser Vereinigung setzen sich 38 Vertreter aus der palmölverarbeitender Industrie, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Verbänden und dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) für eine nachhaltige Palmölwirtschaft ein. Dies gibt der Selbstverpflichtung, ausschließlich zertifiziertes Palmöl zu nutzen, erstmals einen verbindlichen rechtlichen Rahmen. Das Ziel des Vereins ist die Erarbeitung gemeinsamer tragfähiger Lösungen zur Verbesserung der Praktiken im Palmölsektor.

Das erklärte Ziel des FONAP ist ein nachhaltiger Anbau von Palmöl © WWF

Dabei ist das FONAP sehr konsequent und lehnt entsprechend die „Remediation and Compensation Procedures“ ab, mit denen die RSPO Kriterien festlegen will, wie Palmölproduzenten zertifiziert werden können. In einer öffentlichen Stellungnahme teilt das Forum der RSPO seine Bedenken mit und nennt Gründe für die Ablehnung des Konzeptes. Dabei werden unter anderem Argumente genannt, welche die allgemeine Kritik an dem Anbau von Palmöl wiederspiegeln. So kritisiert das Forum: „In der Vergangenheit hat es immer wieder RSPO-Mitglieder gegeben, die schützenswerte Flächen, sogenannte HCV-Gebiete, entgegen der RSPO-Regularien zu Plantagen umgewandelt haben. Der RSPO erarbeitet aktuell einen Mechanismus („Remediation and Compensation Procedures“), wie auch solche Flächen zukünftig zertifiziert werden können.“

Begleitet wurde die Unterzeichnung zum Vereinsbeitritt der Organisationen und Unternehmen von Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Dieser lobt die Gründung des Vereins: „Ich erwarte, dass die Wirtschaft die Einfuhr von nicht zertifiziertem Palmöl stoppt. Mit einer FONAP-Mitgliedschaft kann jedes Unternehmen seiner Verantwortung für Umwelt und Menschenrechte im Zusammenhang mit Palmöl nachkommen. Genauso wie das Forum Nachhaltiger Kakao ist das Forum Nachhaltiges Palmöl Leuchtturmprojekt für die verantwortungsvolle Rohstoffgewinnung. Sie stehen in Zukunft Pate für weitere Agrarrohstoffe.“

Im Rahmen der Nachhaltigkeits- und Klimadiskussion haben einige Unternehmen in den letzten Jahren ihre Haltung Stück für Stück verändert. Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst und streben entsprechende Veränderungen an. „Durch die Vereinsgründung können wir zukünftig noch besser Druck auf die Zertifizierungssysteme ausüben und so dafür sorgen, dass sich diese weiter verbessern.  Zertifizierungssysteme sind, trotz aller Kritik, ein erster Schritt hin zu nachhaltigem Palmöl. Durch den Verein können wir unsere Mitglieder außerdem besser unterstützen, ihre eigenen Lieferketten umzugestalten“, freut sich der Generalsekretär des Forums, Daniel May. 

Trotz dieser optimistischen Vorsätze bleibt weiterhin die Kritik, dass Nachhaltigen Lösungen der Realität in Indonesien entgegen stehen. Ohne entsprechende Standards und Transparenz direkt vor Ort, in den Anbauländern selbst, wird es kaum möglich sein, eine tiefergehende Veränderung auf dem Markt zu erreichen. Die Länder selbst, also Indonesien, Malaysia, Kolumbien, Nigeria und Thailand, müssten an den Richtlinien und Zertifizierungen mitarbeiten und sich aktiv an einer nachhaltige Lösung beteiligen. Ansonsten wird das Dickicht aus Korruption, wirtschaftlichen Versprechen und undurchsichtigen Regelungen mit riesen Schlupflöchern weiterhin bestehen bleiben. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich der Verein mit seinen Zielen und Projekten sein wird.

Quellen:
http://www.forumpalmoel.org/de/fonap.html
http://www.klimaretter.info/umwelt/hintergrund/20029-des-pudels-palmkern
http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/palmoel/
http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Palmoel-Gesundheit,palmoel104.html

 

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