Palmöl – Alternative in greifbarer Nähe?

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150.000 Hektar Regenwald fallen jedes Jahr der

Laut des WWF enthält jedes zweite Supermarktprodukt Palmöl. Damit ist es das wichtigste Pflanzenöl im weltweiten Handel. Allein 2011 wurden davon insgesamt 54 Millionen Liter verkauft, denn es ist günstig und vielseitig verwendbar. Doch was viele nicht wissen: Für den Anbau werden jedes Jahr 150.000 Hektar Regenwald gerodet, um Platz für die riesigen Monokulturen der Ölpalmen zu schaffen.     {module Jobs}

Palmölplantagen bedecken weltweit inzwischen zwölf Millionen Hektar Fläche. Diese Vernichtung der Regenwälder hat schwerwiegende Auswirkungen auf die dortigen Lebewesen und Pflanzen. Seltene Tiere werden vertrieben oder gar getötet und durch die Brandrodungen der Bäume Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Dennoch wird es weiter verwendet, denn bislang fehlt ein profitables und nachhaltiges Ersatzprodukt. Doch das könnte sich jetzt ändern, hofft ein britisches Forscherteam.

Ob der WWF, Rettet den Regenwald e.V oder Greenpeace. Sie alle warnen schon seit Jahren, dass die weltweite Palmölproduktion katastrophale Folgen für den Regenwald und die dort lebenden Tiere hat und dass dringend ein gleichwertiges Ersatzprodukt gefunden werden muss, das nicht mit solch einem extremen Raubbau an der Natur verbunden ist.

In Indonesien, dem Hauptanbaugebiet und größten Exporteur von Palmöl sind laut laut IUCN 180 Säugetierarten vom Aussterben bedroht, weil deren Lebensraum aufgrund der großflächigen Rodungen zum Palmölanbau immer knapper wird. Außerdem sind viele indonesische Urwälder sogenannte Torfmoorwälder. In ihnen ist besonders viel CO2 gespeichert. Bei der Brandrodung wird dieses schlagartig freigesetzt. Das trägt massiv zur globalen Erwärmung bei.

Die EU hat deshalb seit Ende 2014 eine generelle Kennzeichnungspflicht palmölhaltiger Produkte eingeführt. Denn auch bei Verbrauchern, die sich bewusst gegen den Kauf solcher Produkte entschieden und das auch gewissenhaft auf der Packung überprüften, kam immer wieder Palmöl in den Einkaufswagen – unerkannt in Lebensmitteln wie Suppen, Fertiggerichten, Chips, Pommes Frites, Tiefkühlpizzen und Schokolade, aber auch in Kosmetika wie Hautcremes, Seife, Sonnenmilch, Körperlotion, Lippenstiften und sogar Rasierschaum, getarnt unter Begriffen wie Pflanzenfett oder pflanzliches Öl. Außerdem wird Palmöl zunehmend auch für die Strom- und Biodieselproduktion hergestellt.

Die neue Regelung soll nun den Verbrauchern die Möglichkeit einräumen, sich bewusst gegen die entsprechenden Produkte zu entscheiden und außerdem sicherstellen, dass selbst geringe Palmöl- Beimengungen gekennzeichnet sind und das umstrittene Fett somit nicht mehr unbeabsichtigt gekauft wird. Auch wenn das ein Schritt in die richtige Richtung ist, wird der weltweite Handel dadurch wahrscheinlich nur wenig beeinflusst werden, denn zu zahlreich sind die Verwendungsmöglichkeiten des Pflanzenfetts. Greenpeace zufolge kauft allein Procter & Gamble rund 460.000 Tonnen jährlich und ist damit der weltweit größte Abnehmer.

Es müsste also dringend eine Alternative zum Palmöl gefunden werden. Doch an solch ein Ersatzprodukt würden hohe Anforderungen gestellt. Denn Palmöl besitzt einige große Vorteile gegenüber anderen Pflanzenfetten. Es lässt sich sehr günstig produzieren und ist damit für den Handel besonders attraktiv. Außerdem wird es in der Küche gerne verwendet, denn es ist geschmacksneutral. Weil Palmfett zudem besonders hitzestabil ist, eignet es sich sehr gut zum Backen, Braten und Frittieren. Außerdem ist es neben Kokosfett das einzige pflanzliche Fett, das bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz aufweist.

Solche oder zumindest ähnliche Vorteile sollte auch das Ersatzprodukt mitbringen um gegen Palmöl anzukommen und außerdem müsste es möglichst nachhaltig produziert werden um ähnliche Probleme wie beim Palmölanbau auszuschließen. Britische Forscher der „University of Bath“ haben jetzt gemeldet, möglicherweise eine Lösung für die „Palmöl – Problematik“ gefunden zu haben und nach dreijähriger Suche ein solches vollwertiges Ersatzprodukt gefunden zu haben. Das berichtete gestern die „WiWo Green“.

Ihre Lösung löst zunächst Stirnrunzeln aus: Den Forschern ist es nach eigenen Angaben gelungen, einen speziellen Hefepilz, metschnikowia pulcherrima, um genau zu sein, dazu zu bringen, eine ölige Substanz abzusondern, die künftig der Schlüssel sein könnte, um auf Palmöl zu verzichten. Die Briten experimentierten in einem 500 Liter Wasser fassenden Bottich mit der speziellen Hefe und brachten sie unter Zugabe von Zucker dazu sich zu vermehren. Nach einem Monat hatte sich das Hefe – Zucker – Gemisch in eine Substanz mit einem Fettanteil von 40 Prozent verwandelt; mit Eigenschaften, die denen des Palmöls sehr ähnlich sind. Künftig könnten solche Hefekulturen in riesigen Tanks gezüchtet werden und so der Palmölersatzstoff industriell und in großen Mengen produziert werden.

Doch ob das Verfahren überhaupt zur kommerziellen Anwendung gelangt ist allerdings fraglich. Denn um den Zucker mit der Hefe zu vermengen, muss er in einem speziellen chemischen Verfahren zunächst gelöst werden. Ein solches Verfahren ist zum heutigen Zeitpunkt (noch) relativ aufwendig und kostspielig. Doch auch wenn bis zur Industriereife der Hefekultur noch Jahre vergehen und nicht sicher ist, ob sie überhaupt jemals kommerziell genutzt werden wird, ist es den Forschern dennoch gelungen zu zeigen, dass es echte Alternativen zum ökologisch unverantwortlichen Palmöl gibt und das diese in greifbarer Nähe liegen.

 

 

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