Österreichs größtes Geothermiekraftwerk

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Geothermiekraftwerk

Mit dem Bohrbeginn für das Geothermiezentrum Aspern im Großraum Wien wird zugleich der Weg für die intensive Nutzung der Geothermie geebnet. 2014 wird die Anlage in Betrieb genommen. Dann versorgt Österreichs leistungsstärkstes hydrothermales Geothermiekraftwerk mit einer Leistung von 40 Megawatt bis zu 40.000 Wohnungen mit umweltfreundlicher Fernwärme aus Erdwärme.

Das Kraftwerk. Auf dem Gelände des zukünftigen Geothermiezentrums Aspern hat die Errichtung des Bohrplatzes begonnen. Rund ein Jahr lang werden Experten von hier aus senkrecht in die Tiefe bohren. Das Ziel dieser Bohrungsarbeiten sind Wasser führende Gesteinsschichten, die sich an dieser Stelle in einer Tiefe von 5.000 Meter befinden. Sie beherbergen jene Ressource, die ab 2014 rund 40.000 Haushalte mit umweltfreundlich produzierter Fernwärme versorgen wird: Thermalwasser mit einer Temperatur von 150 Grad Celsius.

In drei Jahren wird das Geothermiezentrum Aspern fertig errichtet und an das Fernwärmenetz angeschlossen sein. Bis dahin wird die Investitionssumme eine Höhe von 45 Millionen Euro erreicht haben. Der laufende Betrieb trägt dann dazu bei, den Anteil der erneuerbaren Energie im Fernwärmenetz der Stadt Wien von 16 auf 20 Prozent zu erhöhen. Durch diese Umstellung werden zugleich jährlich 130.000 Tonnen CO2 eingespart.

Wie alles begann. Die Anfänge des Großprojekts reichen bis in das Jahr 1974 zurück. Zum damaligen Zeitpunkt führte der österreichische Erdöl- und Erdgaskonzern OMV AG Bohrungen in Aspern durch. Dabei stieß die OMV nicht auf das heiß begehrte Erdöl, sondern zufällig auf Thermalwasser. Zwar wurde ein hydrogeologisches Modell des Untergrunds erstellt, weitere Aktivitäten fanden jedoch nicht satt. Danach wurde es ruhig um diese wertvolle Ressource. Ganze 32 Jahre lang.

Erst 2006 ersann sich der Konzern des damaligen Funds. Die Erforschung des geo- und hydrologischen Potenzials wurde erneut aufgenommen. Auf die positive Machbarkeits- und Umweltverträglichkeitsprüfung folgte schlussendlich das grüne Licht für das Großprojekt.

Die hydrothermale Geothermie. Die günstigen Gegebenheiten im Wiener Becken ermöglichen es den Fachleuten, hier eine sanfte Variante der Energiegewinnung zum Einsatz zu bringen. Dazu wird das heiße Thermalwasser über eine erste Bohrung an die Oberfläche befördert. Der Wärmetauscher des Geothermiekraftwerks entzieht hier dem Wasser die begehrte Wärmeenergie. Diese Energie wird direkt in das Fernwärmenetz eingespeist.

Das nunmehr abgekühlte Wasser wird daraufhin über eine zweite Bohrung wieder in den Boden geleitet. In einer Tiefe von 3.600 Meter sickert es erneut in die dortigen Gesteinsschichten ein. So entsteht ein erneuerbarer Energiekreislauf, der unabhängig von äußeren Einflüssen funktioniert.

Das Geothermiezentrum Aspern trägt wesentlich dazu bei, die Abhängigkeit der Stadt Wien von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Zugleich dient die Anlage als ideale Stätte dafür, um neue Techniken und Verfahren in der Praxis zu erproben. Hier werden in der Tat wichtige Erkenntnisse für zukünftige Großprojekte gesammelt.

Joachim Kern

 

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