Orbitale Müllhalde – Wie beseitigt man den Müll im All?

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HYPERRAUM.TV - Orbitale Müllhalde
HYPERRAUM.TV - Orbitale Müllhalde

Dass wir Menschen zu viel Müll produzieren, und so unseren Planeten verschmutzen, entwickelt sich zunehmend zu einem schier unlösbaren Problem. In den Weltmeeren treiben Millionen Tonnen Plastikabfall und auch an Land ist das Müllproblem vielerorts nicht mehr zu übersehen. Mittlerweile haben wir sogar nicht nur die Erdoberfläche, sondern bereits das Weltall in eine riesige Müllhalde verwandelt. Seit dem Beginn der Raumfahrt trudeln immer mehr Objekte in der Erdumlaufbahn, viele davon bereits seit mehr als 60 Jahren. Für neue Missionen ins All wird dieser Weltraumschrott immer mehr zum Problem, da Kollisionen katastrophale Folgen nach sich ziehen können. In unserem heutigen HYPERRAUM.TV-Videobeitrag werden mögliche Handlungsszenarien vorgestellt, wie sich diese orbitale Müllhalde beseitigen lassen könnte.

Vorabinformationen (Das Video finden Sie am Ende des Artikels)

Nicht nur auf der Erde, sondern auch im Weltall wird es immer schmutziger. Seit Russland am 4. Oktober 1957 Sputnik 1, den ersten Satelliten der Erdgeschichte in All geschossen hat, wird das All immer mehr zur Müllhalde. Doch anders als auf der Erde, wo das Müllproblem vor allem für Tiere und Pflanzen eine unmittelbare Gefahr darstellt, ist der sogenannte Space Debris (engl. für Weltraumschrott) vor allem für uns Menschen und unsere Technologie eine unmittelbare Bedrohung. Die unzähligen Objekte, die meist aus ausrangierten Satellitenteilen oder Bruchstücken von Zusammenstößen bestehen, haben bereits zu einigen Beinahe-Unfällen geführt. Im Jahr 2007 kam ein Stück Space Debris, das in die Atmosphäre eintrat, einem Passagierjet so nahe, dass der Pilot es bei seinem Weg Richtung Erde beobachten konnte. Er gab später zu Protokoll, das Trümmerteil habe bei seinem Flug sogar die Turbinengeräusche des Airbus übertönt.

Selbst die internationale Raumstation ISS muss immer wieder Ausweichmanöver einleiten, um nicht beschädigt zu werden. 2010 und 2011 musste sogar die gesamte Besatzung wegen der Gefahr einer Kollision evakuiert werden. In beiden Fällen waren die Objekte zu spät bemerkt worden, um ein Ausweichmanöver durchzuführen.

Rund 6500 Tonnen Schrott kreisen laut Schätzungen der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA um die Erde. Die Überwachungsysteme können allerdings nur Teile ab einer Größe von 10 Zentimetern erfassen und verfolgen, davon haben die USA rund 22.000 dokumentiert. Doch bereits kleine Teile können die rund 900 bis 1000 aktiven Satelliten, die die Erde derzeit umkreisen, zerstören, da sie zum Teil Geschwindigkeiten von mehreren zehntausend Km/h erreichen, und sich so zu zerstörerischen Projektilen entwickeln. „Wenn eine Aluminium-Kugel von gerade mal einem Zentimeter Durchmesser so auf einen Satelliten trifft, hat sie die Energie eines Mittelklassewagens, der mit etwa 50 km/h in ihn hineinfährt“, veranschaulicht Heiner Klinkrad, Chef für Weltraumtrümmer bei der ESA.

Für die Zukunft der Raumfahrt werden die Trümmer daher immer mehr zum Problem – auch weil von Jahr zu Jahr mehr Weltraumschrott den Orbit vermüllt und die alten Trümmerteile im Vakuum der Weltalls konserviert werden. Sie verbleiben dort theoretisch bis in alle Ewigkeit, oder zumindest bis sie wieder in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen – was allerdings hunderte von Jahren dauern kann. Weltraumbehörden auf der ganzen Welt schlagen deshalb Alarm: Es müssen dringend Strategien entwickelt werden, wie der Weltraumschrott beseitigt werden kann.

Schon heute müssen die Missionsspezialisten in Kontrollzentren mehrmals im Jahr aufwändige Bahnmanöver für Missionen durchführen, um Kollisionen mit Weltraumschrott zu vermeiden. Wann und wo solche Gefährdungspotenziale für laufende Missionen auftreten, ist neben der Prognose der Entwicklung von Weltraumschrott ein Teil der Aufgaben von Space-Debris-Spezialisten wie Dr. Tim Flohrer vom Europäischen Weltraumkontrollzentrum ESOC. HYPERRAUM.TV Moderatorin Susanne Päch hat mit Flohrer über zukünftige Szenarien, zur Diskussion stehende technische Lösungsansätze sowie über die ungelösten weltraumrechtlichen und politischen Fragen der Schrottbeseitigung gesprochen.

Link-Empfehlungen der Redaktion zu weiterführenden Informationen:

– Mehr Infos über das ESA-Büro für Weltraumschrott – hier
– Orbital-Debris-Webseite der NASA – hier
– Ergebnisse einer internationalen Expertentagung in Darmstadt – hier

Quelle: HYPERRAUM.TV / N-TV / Focus Online

 

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