Opel rutscht immer tiefer in Diesel-Affäre

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Opel - Abgasskandal
Opel - Abgasskandal

Nach VW rutscht nun auch Opel immer tiefer in die Affäre um manipulierte Abgas- und Verbrauchswerte. Erst letzte Woche hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Daten veröffentlicht, denen zufolge bei den Modellen Zafira und Astra eine möglicherweise illegale Software zum Einsatz kommt, die die Abgasreinigung unter zahlreichen Bedingungen ausschaltet. Die Organisation teilt nun mit, gemeinsame Messungen mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und dem ARD-Magazin „Monitor“ hätten beim Zafira zudem „auffallend starke Abweichungen bei den CO2- und damit Spritverbrauchsangaben ergeben“.

Die DUH hat nach eigenen Angaben bereite im Januar vier „eindeutig rechtswidrige“ Abschalteinrichtungen in der Mo-torensoftware des Opel Zafira 1.6 CDTi (Euro 6 Diesel) gefunden, die „über die meiste Betriebszeit die ordnungsgemäße Abgasreinigung faktisch deaktivieren.“

Die “dreisteste” schalte die Stickoxid-Katalysatoren bereits drei Grad unter bzw. über der Laborprüftemperatur ab. Diese liegt bei 20 – 30 Grad. Dadurch arbeite die Abgasreinigung den größten Teil des Jahres nicht ordnungsgemäß. Die drei weiteren mutmaßlich illegalen Abschalteinrichtungen schalten die Abgasreinigung bei Geschwindigkeiten über 140 km/h, bei geringem Luftdruck ab etwa 850 Metern Höhe und bei über 2.400 Motorumdrehungen/min ab.

Opel selbst bestreitet die Vorwürfe, illegale Software zu verwenden. „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir in diesem komplexen Umfeld keine illegalen Abschaltvorrichtungen nutzen”, heißt es in einer Pressemitteilung. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann bestätigte dies: “Es gilt nach wie vor: Wir bei Opel setzen keine illegale Software ein.”

Doch der Affäre um den Konzern setzte die Beteuerung kein Ende: Am Mittwoch teilte die DUH mit, neue Messungen beim Astra und Zafira hätten ergeben, dass sogar bei Temperaturen zwischen 20-30 Grad die zulässigen Grenzwerte deutlich überschritten werden. So hätten die NOx-Grenzwerte beim getesteten Opel Zafira um das 5,3-fache höher gelegen als zulässig, und beim Opel Astra um das 6,6-fache.

„Unsere Straßenmessungen zeigen, dass die Abgasreinigung der getesteten Modelle Astra und Zafira selbst in dem kleinen Temperaturfenster von 20 bis 30 Grad Celsius nicht ordnungsgemäß funktioniert. Die gemeinsam mit der Redaktion von Monitor und dem SPIEGEL aufgedeckten Abschalteinrichtungen führen dazu, dass bei über 90 Prozent der Betriebszeit diese Fahrzeuge die Luft in unseren Innenstädten verpesten“, so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. “Ich werfe Opel-Chef Neumann Täuschung von Behörden und Verbrauchern vor.”

Nur zwei Tage später dann der nächste Vorwurf: Auch die CO2- und damit Verbrauchswerte beim Zafira seien weit höher als vom Autobauer angegeben – und das sogar unter Laborbedingungen: Laut DUH habe das Fahrzeug auf dem Prüfstand des TÜV Nord in Essen statt der angegebenen 109 Gramm CO2 pro Kilometer 127 g CO2/km emittiert.

„Es überrascht, dass der Diesel-Zafira nicht einmal den Labortest bei CO2 besteht”, so Resch. “Wir brauchen jetzt sehr schnell die Veröffentlichung der dem Bundes-verkehrsministerium vorliegenden CO2-Messungen für den Opel Zafira sowie der übrigen auffälligen Fahrzeuge, so dass die betroffenen Fahrzeughalter ihre Ansprüche gegen die Hersteller zweifelsfrei begründen können.”

Laut Bundesverkehrsministerium sind bei Kontrollen im Rahmen des Abgasskandals 30 Modelle verschiedener Hersteller mit zu hohen CO2-Werten aufgefallen. Doch die Ergebnisse selbst will Verkehrsminister Dobrindt nicht veröffentlichen. Dagegen hat die DUH jetzt Klage eingereicht. Auch die Grüne-Bundestagsfraktion kritisiert Dobrindts Entscheidung scharf: “Wenn eine staatliche Behörde solche Messungen durchführt, dann hat der Bürger ein Recht darauf, die Ergebnisse zu kennen”, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer. “Dobrindt löst die Probleme nicht, er ist inzwischen Teil des Abgasskandals”.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe / Tagesschau

 

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